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Freitag, 9. Oktober 2026
Erreichbarkeit und Einbremsen der Kostenspirale entscheidend

Trefelik: Strukturwandel treibt Flächenentwicklung im Handel

Hintergrund | Dominik Schebach | 23.09.2026 | |  
Innenstädte sind vom Rückgang der Handelsflächen besonders betroffen. Innenstädte sind vom Rückgang der Handelsflächen besonders betroffen. (© D.Schebach) Der stationäre Handel befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel und wird vom schwachen Konsumklima zusätzlich unter Druck gesetzt. Wie eine heute, Mittwoch, vorgestellte Analyse der Bundessparte Handel sowie von Standort + Markt zeigt, sind vor allem die Innenstädte benachteiligt. Dort haben die Verkaufsflächen um 13,5% abgenommen. Zum Gegensteuern forderte Handelsobmann Rainer Trefelik neben einem „Einbremsen“ der Kostenspirale und fairen Wettbewerb gegenüber Online-Plattformen vor allem auch eine gesicherte Erreichbarkeit der einzelnen Standorte.

„Der stationärer Einzelhandel befindet sich im Wandel. Das wissen wir seit längerem, doch die eine Antwort für alle Standorte gibt es nicht. Denn die Entwicklung der Flächen sieht je nach Standort unterschiedlich aus“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Standort + Markt im Auftrag der Bundessparte Handel, die heute in der WKÖ präsentiert wurde und die die Entwicklung der Handelsflächen in den vergangenen zehn Jahren untersuchte.

Insgesamt ging die Zahl der Einzelhandelsstandorte zwischen 2015 und 2025 um 3,1% zurück, die tatsächlich in Betrieb befindliche Verkaufsfläche um 3,5%. Hinter diesen Gesamtwerten stehen jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen: Fachmarktzentren blieben mit plus 0,8% weitgehend stabil, Shopping Center legten um 2% zu, während die Citys mit minus 13% den stärksten Flächenrückgang verzeichneten.

„Die Daten zeigen keinen Absturz des stationären Handels, aber einen tiefgreifenden Umbau. Das heißt, der Handel verschwindet nicht aus unseren Städten und Regionen, doch er konzentriert sich stärker auf gute Standorte und passt seine Flächen und Konzepte an veränderte Konsumgewohnheiten an“, fasst Brigitte Moser, Gesellschafterin von Standort + Markt, die Flächenentwicklung zusammen.

Unterschiede beim Branchenmix

Besonders sichtbar wird der Wandel beim Branchenmix. „Während in den Fachmarktagglomerationen vor allem der Einrichtungshandel stark verloren hat, nicht zuletzt durch die Insolvenz von Kika/Leiner, ist in den Citys vor allem der Modehandel unter Druck. Die Shopping Center weisen hingegen den stabilsten Branchenmix auf“, berichtet Hannes Lindner, Geschäftsführer von Standort + Markt. So ging etwa der Flächenanteil des Einrichtungshandels in den Fachmarktmarktagglomerationen seit 2015 von 32,4 auf 20,4% zurück, was einem Minus von zwölf Prozentpunkten entspricht und auch Auswirkungen auf den Leerstand in Fachmarktagglomerationen hat.

„Wenn wir weiter lebenswerte und bunte Städte haben wollen, dann gilt es auch sicherzustellen, dass sie gut zu erreichen sind, egal ob öffentlich oder per Pkw“,betonte Handelsobmann Rainer Trefelik.

Nicht ganz so stark, aber doch von 25,5 auf 21,2% sank in den Innenstadtlagen der Bekleidungsanteil. Gastronomie, Dienstleistungen und Freizeit legten dagegen gemeinsam um 2,6 Prozentpunkte in den Citys zu. Zugleich wechseln frühere Geschäftsflächen zunehmend in andere Nutzungen – etwa Ordinationen, Büros oder Kanzleien. Der harte Leerstand liegt über alle untersuchten Stadtgrößen hinweg bei 9%. In den Shopping-Centern, die im Beobachtungszeitraum insgesamt ein Flächenwachstum aufweisen, ist der Einzelhandel zwar ebenfalls leicht rückläufig und Bereiche wie Gastronomie und Freizeit steigen. Doch bleibe der Charakter als klassische Handelsstandorte erhalten.

Onlinewachstum und Kosten beschleunigen die Bereinigung

Die Branche als Ganzes leidet jedoch an dem schwachen Konsumklima. Die Dauerkrisen der vergangen fünf Jahre haben sich auch bei den Endkunden eingebrannt und führen zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung.Wenn allerdings Haushalte größere Anschaffungen verschieben oder vorsichtiger disponieren, dann treffe das Branchen wie Mode, den Einrichtungsfachhandel und andere nicht täglich benötigte Sortimente besonders hart, womit diese Branchen auch an Verkaufsflächen verlieren. Unter diesen Umständen werden die untersuchten Standorte, allen voran die städtischen Lagen, den Experten von Standort + Markt zufolge multifunktionaler. Das Wachstum des Onlinehandels sowie die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Kosten für Energie, Mieten und Personal beschleunigen diesen Trend.

„Die Daten zeigen uns, dass wir für einen weiterhin erfolgreichen stationären Handel stabile Rahmenbedingungen brauchen und dabei auch die Anforderungen der jeweiligen Standorte berücksichtigen müssen“, resümiert Handelsobmann Trefelik. Bei Fachmarktzentren muss etwa eine Nachnutzung leerer Flächen rasch und unbürokratisch ermöglicht werden. In den Citylagen wiederum ist die Erreichbarkeit wichtiger denn je. „Wenn wir weiter lebenswerte und bunte Städte haben wollen, dann gilt es auch sicherzustellen, dass sie gut zu erreichen sind, egal ob öffentlich oder per Pkw“, fordert Trefelik.

Aber auch faire Wettbewerbsbedingungen und ein Einbremsen der Kostenspirale sind angesichts der schwierigen Bedingungen des Einzelhandels wichtiger denn je: „Die gestiegenen Energiekosten dürfen nicht neuerlich zu einer Kostenlawine für die Betriebe werden. Sowohl bei den Mieten als auch bei der Lohnentwicklung gilt es mit Augenmaß vorzugehen“, so Trefelik.

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