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Freitag, 9. Oktober 2026
Junge Menschen. Große Verantwortung.

Nehmen wir die Jungen endlich ernst

Über den Rand | Julia Jamy | 27.09.2026 | Bilder | |  Meinung
(© E&W / V.Hagmann) Eine Zahl ist mir in letzter Zeit nicht mehr aus dem Kopf gegangen: 18 Prozent. So viele 15-Jährige in Österreich geben laut Pisa-Studie an, schon einmal eine Klasse wiederholt zu haben. Und ich finde, da kann man sich schon einmal fragen: Wie gehen wir eigentlich mit jungen Menschen um, die noch nicht alles können, noch Fragen haben und ihren Weg erst finden müssen? Genau darüber habe ich bei unserem Lehrlingstag bei den Elektrofachhandelstagen nachgedacht.

18 Prozent. So viele 15-Jährige in Österreich geben laut der jüngsten PISA-Studie an, schon einmal eine Klasse wiederholt zu haben. 2012 waren es noch 12 Prozent. Besonders häufig trifft es Jugendliche aus Familien mit wenig Geld oder niedrigerem Bildungsabschluss. Natürlich erklärt eine einzelne Zahl noch lange nicht, warum es in unserem Bildungssystem so läuft, wie es läuft. Aber sie sollte uns zumindest zum Nachdenken bringen. Denn während wir ständig darüber reden, wie wichtig Fachkräfte sind, wie dringend Lehrlinge gesucht werden und dass uns der Nachwuchs fehlt, müssen wir uns auch fragen: Wie gehen wir eigentlich mit den jungen Menschen um, die da sind?

Und genau da kommt für mich auch die Berufsausbildung ins Spiel. Bei unserem Lehrlingstag bei den Elektrofachhandelstagen haben wir junge Menschen aus verschiedenen Berufsschulen nach Linz eingeladen. Wir wollten ihnen unsere Branche zeigen, mit ihnen ins Gespräch kommen und vor allem: zuhören. Was interessiert sie? Was beschäftigt sie? Was erwarten sie von ihrem Einstieg ins Berufsleben? Es waren viele gute Gespräche dabei. Und für mich hat sich dabei wieder gezeigt, wie wichtig es ist, jungen Menschen einfach einmal zuzuhören und sie ernst zu nehmen.

Die PISA-Daten zeigen jedenfalls: Unterstützung und Förderung sollten möglichst früh ansetzen und nicht erst dann, wenn die Lernrückstände bereits groß geworden sind. Die Daten zeigen außerdem, dass Klassenwiederholungen bei Jugendlichen mit ungünstigeren Lernvoraussetzungen häufiger vorkommen. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass eine Klassenwiederholung beim Aufholen von Lernrückständen nicht automatisch hilft und sogar demotivierend wirken kann.

Das Thema begleitet uns aber nicht nur in der Schule. Auch in der Ausbildung geht es darum, jungen Menschen die richtigen Rahmenbedingungen zu geben. Junge Menschen müssen nicht perfekt sein. Sie sollen lernen dürfen. Sie sollen Fehler machen dürfen. Sie sollen Fragen stellen dürfen. Und sie sollen die Chance bekommen, sich zu entwickeln.

Gerade in einer Branche, die händeringend nach Fachkräften sucht, können wir es uns eigentlich gar nicht leisten, die nächste Generation nur als „Nachwuchs“ zu sehen. Lehrlinge sind keine billigen Arbeitskräfte und auch keine zukünftigen Mitarbeiter, um die wir uns irgendwann kümmern müssen. Sie sind heute schon Teil unserer Branche. Also nehmen wir sie auch so ernst.

Bilder
(© E&W / V.Hagmann)
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