Von Aliens nach Berlin
Wo werden diese Exoskelette ihre Verbreitung finden: Unterstützen solche Gehhilfen in Zukunft ältere Mitmenschen dabei, länger ein selbstbestimmtes Leben zu führen? (© Navee)
Exoskelette waren in Berlin der letzte Schrei. Viele Aussteller aus China präsentierten auf der IFA solche Produkte und sie stießen beim Publikum in Berlin damit auf reges Interesse. Und das finde ich wirklich spannend. Es kommt nicht oft vor, dass man den Launch einer vollkommen neuen Produkt-Kategorie live und in Farbe mitverfolgen kann. Ich frage mich allerdings, in welchem Kanal diese Produkte schließlich aufschlagen werden.Wer in den vergangenen Wochen unsere Berichterstattung zur IFA verfolgt hat, der wird vielleicht auch diesen Beitrag samt kleinen Video gesehen haben. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, dieses neue Produkt selbst auszuprobieren und wir haben auch bereits in der E&W 9/2026 darüber kurz berichtet. Die neue Kategorie verdient allerdings eine genauere Betrachtung.

Eines vorneweg, wirklich neu ist die Idee eines Exoskeletts nicht. Die geistert schon länger herum. Man könnte auch sagen, von der Science Ficton – ich erinnere an die Schluss-Szene von Aliens – über die Prototypen diverser Technologieunternehmen der vergangenen Jahre führt der Weg gerade nach Berlin. Denn auf dieser Messe haben die Hersteller bewiesen: Das ist ein praxistaugliches Produkt für den Massenmarkt, das darüber hinaus auch zu einem vernünftigen Preis einen konkreten Nutzen für den Konsumenten verspricht.
Und es ist dieser Nutzen, der diese Produkte für mich so interessant aber auch so schwer einschätzbar macht. Die in Berlin gezeigten Exoskelette unterstützen wie E-Bikes die Bewegung ihrer Nutzer – und beschränkten sich dabei zuerst einmal nur auf die Beine. Kurz man kann damit länger gehen, mehr Stiegen steigen oder schwerer heben. Als Sportler wird man damit leistungsfähiger. Als Pensionist kann man vielleicht beim Spaziergehen länger mit den Enkeln mithalten. Dabei gewöhnt man sich sehr schnell an die Unterstützung, welche diese Geräte bieten. Das merkt man besonders, wenn man die Hilfen wieder ablegt und der Zusatzimpuls plötzlich fehlt.
Puristen werden jetzt beklagen, dass wir bald überhaupt das Gehen verlernen. Die Bergrettung wird kritisieren, dass sie nun öfters untrainierte Mitbürger von Pfaden holen muss, die bisher für diese Bergsportler unerreichbar waren. Und die Liftbranche wird um ihre Umsätze fürchten, schließlich erleichtern diese Hilfen den Weg in den dritten Stock. Andererseits kann man argumentieren, dass ältere Menschen mit solch einer Unterstützung länger ein selbstbestimmtes Leben führen können und bei körperlich anstrengenden Arbeiten der Bewegungsapparat weniger belastet wird. Im Endeffekt werden solche Geräte ihren Platz finden, wie es bei E-Bikes der Fall war. Es zahlt sich jedenfalls aus, die Entwicklung genauer im Auge zu behalten.

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