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Samstag, 20. Juli 2024
Der Ruf nach Beratung ist so groß wie nie

Digitalisierungsindex 2023: Drei sieht Stagnation in Österreich

Telekom | Dominik Schebach | 12.10.2023 | |  
Stefan Schiel, Managing Partner von marketmind, Drei CEO Rudolf Schrefl und Karim Taga, Managing Partner Arthur D. Little; haben den bereits sechsten Digitalisierungsindex präsentiert. Stefan Schiel, Managing Partner von marketmind, Drei CEO Rudolf Schrefl und Karim Taga, Managing Partner Arthur D. Little; haben den bereits sechsten Digitalisierungsindex präsentiert. Mit der Pandemie wurde die Digitalisierung in Österreich beschleunigt. Seit dem Ende der Krise stagniert jedoch die Entwicklung. Wie der von Drei bei Arthur D. Little und marketmind in Auftrag gegebene und heute veröffentlichte Digitalisierungsindex zeigt, fallen besonders die Kleinunternehmen speziell in Branchen wie Tourismus, Landwirtschaft oder Handel immer weiter zurück. Drei CEO Rudolf Schrefl forderte deswegen nochmals eine „Umleitung“ der 400 Mio. Euro aus der Breitbandförderung in eine Digitalisierungsoffensive.

Seit sechs Jahren erhebt Drei gemeinsam mit Arthur D. Little und marketmind den Digitalisierungsgrad in Österreich. Und da ist das Bild alles andere als rosig: Nach einem leichten Anstieg 2022 ist der Digitalisierungsindex mit einem Wert von 35 von 100 möglichen Punkten 2023 auf Vorjahres-Niveau geblieben. Nur 19% der Unternehmen geben an, dass sie sich nach COVID mehr mit Digitalisierung beschäftigt haben. Während sich größere und mittlere Unternehmen positiv entwickeln, fallen kleine Betriebe mit unter 20 Mitarbeitern immer weiter zurück. Die digitale Kluft hat sich dadurch weiter vergrößert. Für den Digitalisierungsindex Mai bis September 2023 knapp 800 Unternehmen aller Branchen und Größen in ganz Österreich befragt.

Umschichtung gefordert

Drei CEO Rudolf Schrefl forderte eine „Umleitung“ der 400 Mio. Euro aus der Breitbandförderung in eine Digitalisierungsoffensive.

„Wir haben nach der Pandemie den Fuß vom Gas genommen“, fasst Drei CEO Rudolf Schrefl die Ergebnisse der Befragung zusammen. „Mit den rasanten Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz werden Vernetzung, Datennutzung sowie digitale Lösungen für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Klein- und Mittelunternehmen noch wichtiger werden. Dabei sagen so viele Betriebe wie noch nie, ihnen fehlen die Mittel und das Wissen für das, was jetzt notwendig ist. Nichts ist der Studie nach so deutlich gestiegen wie der Wunsch nach Beratung und Unterstützung. Was es jetzt braucht, sind zusätzliche Unterstützung und Anreize, um der Digitalisierung neuen Wind zu geben und Österreich weiter voranzubringen. Dazu gehört die Beschleunigung des Ausbaus von 5G und Glasfaser. Aber vor allem fordern wir eine Umschichtung eines großen Teils der verbleibenden 400 Mio. Euro aus der Breitbandmilliarde in einen Digitalisierungsscheck für Haushalte und Unternehmen. Das ist dringend notwendig, damit vor allem KMUs nicht zurückbleiben.“

Demnach wünschten sich 41% der befragten Unternehmen zusätzliche Beratung – nach 28% im Vorjahr. Dies betrifft vor allem Branchen, in denen ohnedies Aufholbedarf in der Digitalisierung besteht, wie im Transport-/Immobiliensektor, in der Landwirtschaft sowie im Tourismus oder den Handel. Wie im Vorjahr geben 24% der Unternehmen an, Investitionen in die Digitalisierung zu planen. Wären diese Investitionen aber tatsächlich getätigt worden, hätte man heuer schon einen deutlichen Sprung im Digitalisierungsindex gesehen.

Stefan Schiel, Managing Partner von marketmind zeichnete deswegen heute ein differenziertes Bild: „Zwar hat der Anteil jener, die Chancen in der Digitalisierung sehen, um 9 Prozentpunkte und damit auf 84% zugelegt, ebenso ist aber auch der Anteil jener, die große Herausforderungen sehen um 9 Prozentpunkte, auf nunmehr 87% gestiegen. Das Digitalisierungsklima bleibt damit in Summe negativ. Immerhin: Nur mehr 16%, und damit weniger als im Vorjahr, sehen in der Digitalisierung gar keine Chancen. Gleichzeitig kann weniger als die Hälfte der Unternehmen, die stark auf neue Technologien setzen, einen konkreten Wettbewerbsvorteil benennen.“

Als größte Chancen werden Kostenersparnis, Neukundenakquise sowie Zukunftssicherheit bzw. mehr Agilität und Flexibilität gesehen. Nach der DSGVO stellen fehlendes Know-how sowie fehlende Mittel mit einer Erhöhung zum Vorjahr von 5 bzw. 6 Prozentpunkten die größten Herausforderungen dar. Immerhin setzt bereits knapp jedes zehnte heimische Unternehmen (9%) laut Digital Economy and Society Index Künstliche Intelligenz ein. Österreich liegt hier auf Platz 10 im europäischen Mittelfeld – führend ist Dänemark mit 24% der Unternehmen. Laut Digitalisierungsindex wird die KI in Österreich am ehesten für die Kundenkommunikation genutzt – 5% der Unternehmen tun dies bereits. Dies betrifft vor allem die Branchen Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Finanzen/Dienstleistungen und Produktion/Bau. Bei den Top-Kundenkommunikationskanälen nimmt WhatsApp nach E-Mail und Website schon den dritten Platz sein. Bei der Digitalisierung von Betriebsabläufen besteht viel Luft nach oben, trotz des enormen Potenzials für den Einsatz von KI. Hier liegt der Durchschnittswert bei der Nutzung auf einer Skala von 1 bis 5 bei 3,4.

Glasfaser, 5G: Österreich holt wieder auf

Die Infrastruktur spielt eine große Rolle bei Künstlicher Intelligenz, Home-Office, Cloud-Nutzung und allen anderen Themen der Digitalisierung. Gefragt nach der Technologie mit dem größten Einfluss auf die Digitalisierung wird Glasfaser klar als Nummer eins gesehen. Dahinter kommt erstaunlicherweise WiFi und auf Platz 3 bereits 5G. In gewissen Branchen wird 5G bereits als einflussreichste Technologie gesehen – v.a. im Tourismus und Transport- und Immobilienbereich, wo mit 5G+ verlässliche Bandbreiten, aber auch LoRaWAN als eigenes Mobilfunknetz für vernetzte Geräte eine erhöhte Bedeutung zukommt. Generell verbessert sich die Situation: Eine fehlende leistungsstarke Internetverbindung war im vergangenen Jahr noch für 25% der Unternehmen ein Thema, heuer sind es nur noch 22%.

„Wir sind bei der Infrastruktur ganz gut aufgestellt“, erklärte dann auch Schrefl. „Aber wir müssen Anreize setzen, dass diese auch genutzt wird. Dabei gibt es keinen Widerspruch zwischen Glasfaser- und 5G-Ausbau. Angesichts der Vielzahl von Anwendungen – auch im mobilen Bereich – werden wir beiden Technologien benötigen.“ Klar sei allerdings, dass die 5G-Versorgung schneller und einfacher herzustellen sei. Außerdem bestehe hier nicht die Hürde der hohen Anschlusskosten. Nach Schrefls Ansicht erzeugt allerdings die breite Verfügbarkeit von Breitband einen Pull-Effekt bei den Endkunden und Unternehmen, womit die Glasfaser-Versorgung dem 5G-Ausbau folge.

Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung

Die Gründe für die Stagnation bei Digitalisierung  Karim Taga, Managing Partner von Arthur D. Little ortet dann in der mangelnden Ausbildung der Nutzern: „Die Daten des Digitalisierungsindexes, aber auch die des ,Digital Economy and Society Indexes‘ zeigen klar die Gründe für die momentane digitale Stagnation auf. Während der Ausbau der Infrastruktur gut voranschreitet, sind die Themen der digitalen Bildung und des Einsatzes von digitalen Technologien, die Hand in Hand gehen, die Ursachen für diesen Trend. Es muss vor allem in den Bereichen der allgemeinen digitalen Bildung, mit Einbezug neuer Technologien wie KI und Big Data, Veränderungen geben. Nur so kann die Bevölkerung, die die Basis der Arbeitnehmerschaft von KMUs stellt, auf die neuen Herausforderungen vorbereitet werden und der Einsatz dieser Technologien auch in KMUs zur Norm werden.“

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