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Montag, 22. Juli 2024
Abhängigkeiten treten zutage

Corona-Krise: Die PV-Branche bangt

Photovoltaik | Wolfgang Schalko | 12.03.2020 | |  Wissen
(© BSW Solar World AG) Aufgrund der vorwiegend in China ansässigen Fertigungsstätten für Endprodukte, Komponenten und Bauteile zählt die Solarbranche zu den Hauptbetroffenen der Corona-Problematik. Laut dem deutschen „pv magazine” führt die aktuelle Krise der Solarbranche ihre höchst problematische Abhängigkeit von China auf sehr drastische Weise vor Augen.

Die Lieferkette für dringend benötigte Rohstoffe sei nahezu zusammengebrochen, Zell- und Modulproduktionen hätten daher nicht anlaufen können. Selbst die bereits produzierte Ware dürfe nicht oder nur sehr verzögert auf die Reise geschickt werden. Mittlerweile würden zwar einzelne Fertigungslinien wieder hochgefahren, „bis die existierende Produktionskapazität jedoch wieder voll ausgeschöpft werden kann, der immense Auftragsstau abgebaut ist und die Zell- und Modulfertigung wieder in geordneten Bahnen verläuft, wird es noch sehr lange dauern. Denn wann der Peak der Corona-Epidemie überschritten ist, das kann momentan noch niemand sagen. Experten rechnen damit, dass der Wendepunkt vielleicht erst im April, wenn nicht sogar noch später erreicht wird.” Für die Entwicklung des europäischen Photovoltaik-Markts bedeute die Corona-Epidemie kurz gesagt: Chaos! Bereits im Februar sei ein Anziehen der Preise beinahe ausnahmslos über alle Technologien erkennbar gewesen, Preissteigerungen von bis zu 20% in den kommenden Monaten seien durchaus denkbar. Bemerkenswert die Conclusio des pv magazine: „Die Corona-Krise und alle damit verbundenen Widrigkeiten und Einschränkungen führen uns einmal mehr unsere Abhängigkeit von der ‚Werkbank China‘ vor Augen. Die aktuelle Situation im Bereich der erneuerbaren Energien, aber auch in vielen anderen Branchen, ist alarmierend und zeigt uns, dass wir dringend wieder mehr Wertschöpfung innerhalb Europas brauchen.”

Dem kann sich Christian Bairhuber, GF Energy3000 solar, nur anschließen und ergänzt: „Relativ schnell nach Bekanntwerden der Corona-Krise kam es zu Hamsterkäufen von Großhändlern und Anbietern. Auch wir haben uns mit größeren Mengen eingedeckt und das Lager vorsichtshalber vollgefüllt. Ich befürchte, dass es länger dauern wird, bis die Produktion wieder voll anläuft.”

Suntastic.Solar-GF Markus König sieht die Situation ebenfalls kritisch: „Ich schätze, wegen der Corona-Epidemie werden rund 1,5 GWp Modulleistung vorübergehend nicht nach Europa geliefert. Es hat sich offenbar ein Stau von mindestens vier Wochen aufgebaut und es wird bis in den Sommer dauern, diesen wieder abzubauen – was natürlich dramatisch bei terminkritischen Projekten ist. Wir als Distributor sind jedenfalls für unsere Stammkunden da und sorgen für hohe Warenverfügbarkeit – die Suntastic-Partner bekommen, was sie brauchen.“

Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband PV Austria, fügt hinzu: „Betreffend Corona geht es uns wie allen Branchen, die Teil einer globalen Lieferkette sind und die vor allem auch in Teilen kostenmäßig abhängig sind. Wir alle können nur hoffen, dass eine weitere dramatische Ausbreitung ausbleibt und es bald wieder ein ‚normales Leben‘ gibt.”

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