Freitag, 24. September 2021
Konsumentenvertrauen in der Krise? Ein Blick über den Rand

Handelsverband: frei[handels]zone

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 20.06.2013 | |  
In der zweiten, vom Handelsverband veranstalteten „frei[handels]zone“ diskutierten: (v.l.n.r. )Peter Bernert, Franz Floss, Patricia Mussi, Ingrid Kiefer, Constantin Wollenhaupt und Michael Blass. (Foto: Handelsverband/ Katharina Schiffl) In der zweiten, vom Handelsverband veranstalteten „frei[handels]zone“ diskutierten: (v.l.n.r. )Peter Bernert, Franz Floss, Patricia Mussi, Ingrid Kiefer, Constantin Wollenhaupt und Michael Blass. (Foto: Handelsverband/ Katharina Schiffl)

Im Rahmen der, vom Handelsverband veranstalteten, zweiten „frei[handels]zone“, diskutierten Experten aus Handel und Verbraucherschutz, wovon Konsumentenvertrauen abhängt und wie der Handel das Konsumentenvertrauen langfristig sichern kann. Anlass war die immer länger werdende Liste der Produktskandale von Handelsunternehmen, wie u.a. der Fall Amazon oder die Fabrik-Katastrophe in Bangladesch.

Den Schwerpunkt der Diskussion bildete das Kundenvertrauen speziell in der Textil- und der Lebensmittelbranche. Die Diskutanten waren sich darin einig, dass einzelne Skandale das Vertrauen der Konsumenten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wie strikten Kontrollen und Qualitätsauflagen stark beschädigen können. So führte etwa der Fund von EHEC-Erregern im Jahr 2012 zu einem massiven Einbruch im Konsum von Gurken – obwohl österreichische Gurken nicht von EHEC betroffen waren.

Handel genießt wenig Vertrauen

Peter Bernert, GF der Zur Brieftaube HandelsGmbH und ehemaliger Präsident von EuroCommerce, und Ingrid Kiefer, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, waren sich darin einig, dass der Handel im Vergleich zu anderen Branchen nur wenig Vertrauen genießt: „Obwohl die Lebensmittel so sicher sind wie noch nie, haben 61% der Österreicher Bedenken zur Lebensmittelsicherheit“, erläuterte Kiefer gleich zu Beginn der Diskussion und hielt fest, dass die Aufmerksamkeit der Konsumenten gerade beim Thema Lebensmittelskandale sehr groß ist.

Kommunikation und Transparenz

Bernert fügte hinzu, dass das Vertrauen der Konsumenten für den Handel unverzichtbar ist. „Neben Kontrollmechanismen sowie der guten Zusammenarbeit mit Lieferanten, muss der Handel gerade gegenüber seinen Konsumenten mit Schnelligkeit und Transparenz auf Krisen reagieren. Umfassende Kommunikation mit den Konsumenten ist unabdingbar“, so Bernert. Franz Floss, GF des Vereins für Konsumenteninformation, bestätigte, dass der Handel auf Transparenz angewiesen ist: „Das Konsumentenvertrauen kann wesentlich vom Handel gesteuert werden – dazu braucht man transparente, ehrliche und rasche Kommunikation. Der Konsument hat das Bedürfnis ein gutes Gewissen zu haben. Durch Transparenz kann der Handel hier Abhilfe schaffen“.

Lebensmittelbranche steht ständig in der Kritik

Verstörend ist laut Michael Blass, GF der Agrarmarkt Austria Marketing GmbH, die Undifferenziertheit, mit der die ganze Lebensmittelbranche oft als gewissenlos, sogar kriminell hingestellt wird. Eine besondere Rolle spielt die oft marktschreierische Tiefpreis-, Rabatt- und Aktionswerbung. „Lebensmittel waren im Verhältnis zu anderen Konsumgütern und zu Dienstleistungen nie günstiger als heute. Durch komparative Preisreduktionen während eines halben Jahrhunderts haben die Agrar- und Lebensmittelwirtschaft zum Wohlstand beigetragen. Frei gewordene finanzielle Spielräume stehen heute für Bildung, Freizeit, Wohnen, Kleidung, Kommunikation oder Mobilität zur Verfügung.“

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