Donnerstag, 20. Juni 2019
Erleichterung nach KV-Verhandlungen

Kein Streik: Metaller bekommen 2,8 Prozent mehr Lohn

Hintergrund |Die Redaktion | 29.10.2013 | |  
Berndt-Thomas Krafft, GF FMMI (links), Obmann Christian Knill sowie die Gewerkschaftsverterter zeigen sich nach den KV-Verhandlungen erleichtert. (Foto: FMMI, Foto Fischer) Berndt-Thomas Krafft, GF FMMI (links), Obmann Christian Knill sowie die Gewerkschaftsverterter zeigen sich nach den KV-Verhandlungen erleichtert. (Foto: FMMI, Foto Fischer)

Die fünfte Runde der KV-Verhandlungen für die 120.000 Beschäftigten der Maschinen & Metallwaren Industrie (FMMI) endete nach einem Streik-Ultimatum mit einem für beide Seiten noch vertretbaren Ergebnis. Das vereinbarte Paket besteht aus zwei wesentlichen Teilen: einer gestaffelten Anhebung der Löhne und Gehälter von durchschnittlich 2,8 % und einem verbindlichen Fahrplan zur Detaillierung eines neuen, zeitgemäßen Arbeitszeit-Modells für die Branche. 

Nach fünf Verhandlungsrunden konnten sich die Sozialpartner auf ein
KV-Paket für die Branche der Maschinen & Metallwaren Industrie,
gültig ab 1.11.2013, einigen:

  1. Die KV- und Ist-Löhne bzw. -Gehälter der Branche werden gestaffelt erhöht: Von 2,5 % in der höchsten Einstufungsgruppe K bis 3,2 % in der Gruppe A (bei den Mindestlöhnen bzw. -gehältern in der jeweils niedrigsten Einstufung). Durchschnittlich beträgt die Erhöhung damit 2,8 %. Die Erhöhung bei Zulagen und Aufwandsentschädigungen beträgt 2,1 %, bei den Lehrlingsentschädigungen 2,85 %.
  2. Zum Thema Arbeitszeitflexibilisierung wurde folgende Vereinbarung getroffen: Im neuen Kollektivvertrag ist ein verbindlicher Fahrplan für die Formulierung eines neuen Arbeitszeit-Modells fixiert. Es werden umgehend, heuer noch beginnend, Verhandlungstermine fixiert, um bis längstens 30. Juni 2014 die Neugestaltung der kollektivvertraglichen Arbeitszeitverteilung unter neuen Rahmenbedingungen zu finalisieren. Das Modell soll einfach administrierbar sein und auf betriebliche Notwendigkeiten wie Konjunkturzyklen, kurzfristige Auftragsschwankungen und Kosten eingehen. Der Fahrplan räumt ausreichend Zeit ein, um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, gewährleistet aber gleichzeitig, dass das Arbeitszeitmodell noch vor den nächsten KV-Verhandlungen implementiert ist.

„Wir sind mit diesem Ergebnis zufrieden. Dieser Lohn- und Gehaltsabschluss ist gerade noch vertretbar. Beim Thema Arbeitszeit sind wir außerdem einen Riesenschritt weiter gekommen“, erklärt Christian Knill, Obmann des FMMI. Im Unterschied zu den unverbindlichen Absichtserklärungen der letzten Jahre hat der FMMI heuer einen im KV festgehaltenen Fahrplan mit einem verbindlichen Stichtag vereinbart. „Damit können wir für unsere Mitglieder innerhalb des nächsten halben Jahres eine allgemein akzeptierte Branchenlösung für das immer brennendere Auslastungsthema erarbeiten und als FMMI eine jahrelang heftig diskutierte Standortfrage lösen“, so Knill abschließend.

Zuletzt hatte die Gewerkschafter eine Lohnerhöhung um 3,4 Prozent gefordert, die Arbeitgeber boten bisher nur 2,3 Prozent. Jedes Prozent mehr Lohn kostet die Unternehmen auf heuriger Basis rund 75 Millionen Euro. Die beiden Chefverhandler auf Arbeitnehmerseite, Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Proyer (GPA), zeigten sich erleichtert über den Abschluss deutlich über der Inflationsrate. „Dieser Reallohnzuwachs für alle Beschäftigten ist nur gelungen, weil BetriebsrätInnen und Mitglieder den Druck auf die Arbeitgeber deutlich erhöht haben. Auch das Ziel, kleinere Einkommen deutlicher zu erhöhen, konnte erfolgreich durchgesetzt werden. Die Betriebsversammlungen und Streikbeschlüsse der letzten Tage haben den ArbeitnehmerInnen-Forderungen deutlich Schubkraft gegeben.“ Nun sollen in den nächsten Wochen die Gespräche über Änderungen bei der Arbeitszeit aufgenommen werden


Der Fachverband der Maschinen & Metallwaren Industrie ist die
gesamtösterreichische Vertretung aller Unternehmen aus den
Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau und Metallwaren,
die im Jahr 2012 gemeinsam einen Produktionswert von 34,6 Milliarden
Euro erwirtschafteten. Die mittelständisch strukturierte Branche
stellt mit über 1.200 Unternehmen und rund 120.000 Beschäftigten das
Rückgrat der industriellen Beschäftigung in Österreich dar. Auch die Techniker der Elektro-Branche werden nach dem Metaller-KV bezahlt.

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