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Donnerstag, 25. Juli 2024
Multimedia-Kommentar E&W 3/2018

Aller guten Dinge sind… ?

Multimedia | Wolfgang Schalko | 11.03.2018 | |  Archiv

…drei, wenn es nach einem bekannten Sprichwort geht – das aber nicht immer zutreffend sein muss. Denn drei ist beispielsweise die Anzahl der TV-Empfangsplattformen, die dem heimischen Publikum über den wichtigsten Empfangsweg – den Satellit – zur Verfügung steht. Und ob die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich aus einer neutralen Position für „gut” befunden werden können, muss wohl eindringlich diskutiert werden.

Zunächst zur nicht gerade einfachen Ausgangslage: Ein Konsument muss sich heute entscheiden, ob er ORF mit der Bezahl-Option simpliTV möchte oder kostenpflichtig HD Austria mit der Zusatz-Option ORF oder aber die Premium-Pay-Variante Sky mit ORF und optionalem HD Austria-Paket (Die Option via ORF SAT-Karte dürfte in naher Zukunft keine große Rolle mehr spielen, da die Produktion der entsprechenden Module weitgehend eingestellt werden soll). Zumeist wird diese Grundsatzentscheidung wohl am POS – im Zuge eines Gerätekaufs – getroffen werden, was den Händler/Verkäufer zu einer zentralen Figur macht. Einerseits sollte gerade der Fachhandel hier voll in seinem Element sein und mit Beratungskompetenz punkten. Andererseits liegt genau darin die Krux an der Sache: Der Händler bekommt die Verantwortung der „richtigen“ – dh für den Kunden jeweils besten – Entscheidung aufgebürdet. Denn, so behaupte ich, ein großer Teil des TV-Publikums ist weder in Lage noch gewillt, diese Entscheidung in seriöser Form zu treffen (bzw. vielmehr treffen zu müssen).

Das Dilemma, dass ein Mehr an Auswahl der Entscheidungsfindung nicht unbedingt dienlich ist, ist bekannt. Nun aber sollen der Kunde und vor allem der Händler quasi in hellseherischer Manier wissen, was man als TV-Zuseher in den nächsten Jahren wollen und brauchen könnte, welche Angebote wo zu erhalten sind und womit sich diese möglichst bequem und kostengünstig empfangen lassen. Ein schwieriges Unterfangen, dem die Anbieter mit dem Zauberwort „hybrid“ begegnen: Was rechtlich oder technisch nicht via Rundfunk verbreitet werden kann, holt man sich kurzerhand per Stream bzw On-Demand auf die jeweilige Plattform – was natürlich eine Internet-Verbindung voraussetzt. Das hat den Vorteil, das man als Konsument auch gleich für die Angebote von Netflix & Co. gerüstet ist. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass das Fernsehvergnügen in Zukunft sukzessive an Qualität verlieren wird, wenn man „Offline-Zuseher“ bleibt. Fakt ist, dass es schon heute praktisch unmöglich ist, „alles“ zu haben (was angesichts des zwangsweise auf 24 Stunden beschränkten täglichen TV-Konsums ohnehin nur bedingt sinnvoll wäre), und die wachsender Zahl von IP-basierten und hybriden Diensten zu einer weiteren Segmentierung des TV-Marktes führen wird. Übrigens: Deutschland hat mit Sky, HD Plus (von Astra), Diveo (M7 Group) und freenet TV (Media Broadcast) bald vier SAT-Plattformen. Wieviel der guten Dinge nun wirklich sind, kann ich Ihnen daher an dieser Stelle leider nicht sagen. Aber bekanntlich ist weniger oft mehr…

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