Mittwoch, 18. September 2019
Vielleicht muss man auch US-Konzerne erziehen

Klare Botschaft

Hintergrund |Dominik Schebach | 09.12.2018| Bilder | |  

Dominik Schebach

Das Bundesgremium will gegenüber Sonos ein Zeichen setzen. – Sehr gut, kann man da nur sagen. Denn in den vergangenen Jahren hat sich ein Muster etabliert, das dem Handel in seinen Grundfesten bedroht. Da haben Konzerne – in der Regel aus Übersee – das Engagement der Händler genutzt, um ihre Marken aufzubauen und bekannt zu machen, nur um dann die Partner kurzerhand auf dem Altar der Gewinnmaximierung zu opfern, wenn einmal die Produkte auf dem Markt verankert sind.

Kann sein, dass diese Vorgangsweise jenseits des Atlantiks zum guten Ton gehört. Wenn der Horizont der verantwortlichen Manager immer nur bis zum nächsten Quartalsergebnis reicht, dann muss man sich wohl auch kaum Gedanken über die Konsequenzen seines Handels für Partner in fernen Ländern machen. In Europa sollte man so eine Praxis aber nicht auf Dauer tolerieren. Umso wichtiger ist es, diesen Unternehmen auch einmal ihre Grenzen aufzuzeigen. Vielleicht muss man sie bzw deren Manager im gewissen Sinne auch erziehen.

Das ist leider lange Zeit nicht geschehen. Der Grund ist klar: Ein einzelner Händler wird gegen einen international tätigen Konzern kaum vor Gericht ziehen. Das Risiko eines Verfahrens ist in der Regel einfach zu hoch und auf diesen Umstand haben solche Unternehmen offensichtlich lange vertraut. Dass nun das Bundesgremium unter Obmann Wolfgang Krejcik in dieser Causa aktiv wurde und zusammen mit einer auf Wirtschaftsrecht spezialisierten Kanzlei die notwendigen juristischen Vorarbeiten geleistet hat, ist deswegen ausdrücklich zu begrüßen. Das schafft die Grundlage für ein koordiniertes Vorgehen der betroffenen Händler. Deswegen wird die Auseinandersetzung zwar kein Spaziergang und birgt auch weiterhin ein gewisses Risiko. Aber in der Gemeinschaft ist man nun einmal stärker. Damit gibt es für die betroffenen Händler zumindest berechtigte Erfolgsaussichten, wenigstens einen gewissen finanziellen Ausgleich für ihr Engagement zu erzielen.

Ob man sich hier beteiligt, muss allerdings jeder Händler selbst entscheiden. Dabei besteht freilich ein gewisser Zeitdruck, schließlich verjähren die Ansprüche ein Jahr nach der Beendigung des Vertrags. Man muss sich also innerhalb der kommenden Tage entscheiden – trotz Stress im Weihnachtsgeschäft. Im Sinne der Branche kann man dem Bundesgremium in der Auseinandersetzung mit Sonos nur viel Erfolg wünschen. Ansonsten wird sich das Verhaltensmuster der internationalen Konzerne nie ändern, sondern im Gegenteil noch weiter verstärken.
Schließlich stehen diese Konzerne ebenfalls unter Druck. Wie gesagt, die Shareholder erwarten jedes Quartal ihre Gewinne. Da bleibt es auch weiterhin verlockend, sich kurzerhand des „Kostenfaktors“ Handel zu entledigen. Für die Zukunft des Handels ist es deswegen wichtig, solchen Unternehmen, die sich nicht partnerschaftlich verhalten, auch einmal eine klare Botschaft zu senden.

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