Samstag, 21. September 2019
Hintergrund-Kommentar von Dominik Schebach – E&W 1-2/2019

Positive Story gesucht

Hintergrund |Dominik Schebach | 10.02.2019| Bilder | |  

Dominik Schebach

Die Jahresbilanz der Bundessparte Handel für den österreichischen Einzelhandel brachte für den gesamten stationären Einzelhandel ein durchwachsenes Ergebnis. 1% nominelles Wachstum in einer Phase stabiler Konjunkturentwicklung reißt jetzt niemanden vom Hocker. Nimmt man dann noch den von der KMU Forschung Austria dazu erstellten Vergleich unter den verschiedenen Branchen unter die Lupe, dann wird es überhaupt kritisch.

Der Elektrofachhandel war im vergangenen Jahr demnach die einzige Branche, die zwar stückmäßig mehr verkauft hat, aber trotzdem weniger Umsatz erwirtschaftet hat. Da passt was nicht zusammen. Offensichtlich kaufen die österreichischen Kunden weiterhin gerne im stationären Fachhandel ein – ansonsten würden nicht größere Mengen abgesetzt. Die Konsumenten sind allerdings anscheinend nicht bereit, für die Vorteile des Fachhandels wie Kundennähe, Beratung, Ausstellung und schnelle Verfügbarkeit zu bezahlen. Als Grund für die schwache Position des österreichischen Handels wurde bei der Pressekonferenz der Bundessparte Handel vor allem die – erraten – ausländische Online-Konkurrenz genannt.

Die ersten zaghaften Versuche, eine faire Besteuerung der Online-Giganten durchzusetzen und Steuerlücken zu schließen, sind deswegen ausdrücklich zu begrüßen. Aber das kann nicht alles gewesen sein, wie auch Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik festgestellt hat. Er will deswegen weiterhin entsprechende Lobbyarbeit leisten – und da darf auch der Druck der anderen Player nicht nachlassen. Denn die derzeit angedachten Maßnahmen sind noch weit davon entfernt, die notwendige Waffengleichheit zwischen dem stationären Handel und den ausländischen Online-Anbietern herzustellen. Immerhin dürfte die Politik national wie in Europa als Ganzes zunehmend aufwachen.

In gewisser Weise wendet sich damit das Zitat von Facebook-Gründer Frank Zuckerberg „Move fast and break things. Unless you are breaking stuff, you are not moving fast enough“ gegen die Technologie-Giganten. Beim Sturm zur Spitze haben die Konzerne zu viele Scherben verursacht. Die großen Internet-Unternehmen sind nicht mehr sakrosankt, die Behörden lassen sich nicht mehr vom Glitzer des Erfolgs blenden und nehmen die Konzerne genauer unter die Lupe. Dass auf EU-Ebene noch keine gemeinsame Vorgehensweise zustande kam, weil sich einzelne Mitgliedsstaaten querlegten, wird diese Entwicklung nicht auf Dauer bremsen.

Aber darauf kann die Branche nicht warten.  Ich persönlich wünsche mir daher, dass der Handel – als zweite Schiene – im neuen Jahr noch stärker als bisher seine positive Story erzählt. Denn dies müssen wir uns eingestehen: Selbst bei einem ebenen Spielfeld wird der EFH gegen Online-Giganten wie Amazon & Co. einen schweren Stand haben, weil diese Unternehmen eben höchst effizient arbeiten und die für sie verfügbaren Daten maximal ausnutzen, um zusätzliche Geschäft zu generieren. Die Tugenden des Handels wie Kundennähe, Beratung, Service oder Ausstellung und Verfügbarkeit müssen deswegen auch beim Kunden einen klaren Wert erhalten, den sie letztendlich auch zu bezahlen bereit sind.

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