Samstag, 20. Juli 2019
Ungleiche Verteilung der Last

Online: Wiener Handel macht Druck für Steuergerechtigkeit

Dominik Schebach | 13.05.2019 | | 2  
WKW Handelsobmann Rainer Trefelik fordert eine gerechte Verteilung der Steuerlast: „Wir stellen uns dem Wettbewerb, fordern aber faire Rahmenbedingungen, und die kann es nur geben, wenn auch ausländische Online-Händler ihre in Österreich erwirtschafteten Gewinne voll versteuern“ WKW Handelsobmann Rainer Trefelik fordert eine gerechte Verteilung der Steuerlast: „Wir stellen uns dem Wettbewerb, fordern aber faire Rahmenbedingungen, und die kann es nur geben, wenn auch ausländische Online-Händler ihre in Österreich erwirtschafteten Gewinne voll versteuern“ (© WKW) Seit vergangener Woche fährt die Wirtschaftskammer Wien eine Kampagne für mehr Steuergerechtigkeit. Jetzt meldet sich auch der Wiener Handel zu Wort. In einer Aussendung forder Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien, einen fairen Steuerbeitrag von ausländischen Online-Händlern.

Derzeit wachsen die Umsätze im Online-Handel acht Mal schneller, als die Umsätze in der Fläche. Für den Handel in der Bundeshauptstadt sei diese Entwicklung gravierend, befindet der Wiener Handelsobmann Rainer Trefelik: „Die heimischen Händler kommen immer stärker unter Druck. Sie nutzen die Chancen der Digitalisierung, so gut sie können, aber im Kostenwettbewerb mit ausländischen Online-Händlern haben sie die schlechteren Karten.“

Als Ursache für den Durchmarsch der Online-Händler macht Trefelik die ungleiche Verteilung der Steuerlast aus: Während heimische Händler die volle Steuerlast tragen, räumen ausländische Online-Händler den österreichischen Markt ab, zahlen aber hierzulande wenig bis gar keine Steuern. „Wir stellen uns dem Wettbewerb, fordern aber faire Rahmenbedingungen, und die kann es nur geben, wenn auch ausländische Online-Händler ihre in Österreich erwirtschafteten Gewinne voll versteuern“, so Trefelik.

Kritik an Digitalsteuer

Die von der Politik angekündigte Digitalsteuer auf Online-Werbung sei dafür aber kein geeigneter Weg. Ganz im Gegenteil, so Trefelik: „Sie macht Werbung für unsere Betriebe teurer, besteuert aber weiterhin nicht den Gewinn der ausländischen Online-Multis.“ Die fehlende Steuergerechtigkeit führe dazu, dass laufend heimische Händler aufgeben und schließen müssen, wie aktuelle Statistiken belegen. „Heimische Jobs, Wertschöpfung und Steuerbeiträge werden damit vernichtet“, sagt Trefelik. „Wenn wir wirklich zu mehr Steuergerechtigkeit kommen wollen, kann das nur heißen: Österreich muss international zum Treiber werden und die Länder engagierter unterstützen, die ebenfalls mutig vorangehen wollen”, fordert Trefelik.

Große Online-Konzerne genießen Steueroasen

Trefelik verweist in diesem Zusammenhang auf Daten der EU-Kommission. Demnach drücken sich die internationalen Online-Konzerne nicht nur in Österreich vor den Abgaben. Ihren Gewinn versteuern sie am Ende des Tages mit durchschnittlich 9,5%, während vergleichbare Unternehmen mit traditionellen Geschäftsmodellen im Schnitt 23,5% zahlen. Dieser Problematik sind sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und die OECD bewusst. Initiativen einiger Länder, daran gemeinsam etwas zu ändern, wurden bisher allerdings von jenen Staaten blockiert, die den Konzernen steuerliche Zuflucht bieten, kritisiert Trefelik in diesem Zusammenhang.

Kommentare (2)

  1. Wäre schon mal ein Fortschritt, wenn man sicher gehen könnte, dass die ausländischen Onliner wenigstens die kassierte Mehrwertsteuer abführen würden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.