Dienstag, 15. Oktober 2019
Immer ausgefeilter

Internetbetrug: Fast jeder vierte Österreicher betroffen

Hintergrund |Dominik Schebach | 28.05.2019 | |  
Betrugsfallen für Konsumente: Die Hitliste der Betrugsversuche im Internet gegenüber Endkunden wird von gefälschten Zahlungsaufforderungen, Schadsoftware und Abo-Fallen, gefolgt von vermeintlichen Gratis-Angeboten sowie keiner Lieferung trotz Zahlung. Betrugsfallen für Konsumente: Die Hitliste der Betrugsversuche im Internet gegenüber Endkunden wird von gefälschten Zahlungsaufforderungen, Schadsoftware und Abo-Fallen, gefolgt von vermeintlichen Gratis-Angeboten sowie keiner Lieferung trotz Zahlung. (© Österreichisches E-Commerce-Gützeichen) Wie eine Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens zeigt, war bereits jeder vierte Österreicher zumindest einmal Opfer eines Internetbetrugs. Aber nicht nur Endkonsumenten, sondern auch Unternehmen sind zunehmend von kriminellen Aktivitäten im Netz betroffen. Die häufigsten Konsumentenfallen im Netz betreffen falsche Zahlungsaufforderungen, Schadsoftware und Abo-Fallen, bei Anbietern seien es dagegen vor allem Identitätsschwindel und Zahlungsunfähigkeit, die besondere Probleme verursachen.

Insgesamt hat das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen 1.000 Konsumenten und 229 Online-Anbieter aus Österreich zum Thema Betrug im Netz befragt. Dabei zeigt sich, dass die Betrugsversuche dabei immer ausgefeilter werden. „Betrügerische Aktivitäten gibt es online wie offline. Uns geht es nicht darum, Panik vor Online-Handel zu machen, sondern das Bewusstsein hierfür zu schärfen und sich mit möglichen Gefahren auseinanderzusetzen“, erklärt deswegen Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce Gütezeichens und Projektleiter der Watchlist Internet.  „Die Betrugsmaschen werden immer ausgereifter und können für Konsumenten wie für Unternehmer teils einen erheblichen finanziellen Schaden bedeuten. Deshalb sind Vorsicht und ein Bewusstsein für unseriöse Angebote unerlässlich.“

Laut Studie wurden 22 % der befragten Online-Einkäufer, also fast ein Viertel, schon einmal Opfer eines Internetbetrugs. Die Top 3 Betrugsarten sind gefälschte Zahlungsaufforderungen, Schadsoftware (Virus, Trojaner etc.) und Abo-Fallen. Auch mit vermeintlichen Gratis-Angeboten und nicht gelieferten Bestellungen waren viele der Befragten bereits konfrontiert.

Betrugsfallen für Unternehmen zählen die Angabe falscher Namens- oder Adressdaten und Identitätsmissbrauch, Zahlungsunfähigkeit von Kunden, das Abstreiten des Warenerhalts und die Angabe falscher Zahlungsdaten.

Aber nicht nur Konsumenten kämpfen mit betrügerischen Aktivitäten im Netz. Auch Unternehmen werden Opfer von Betrug: Mehr als ein Viertel der befragten Online-Anbieter (26,6 %) musste bereits entsprechende Erfahrungen machen. Zu den häufigsten Betrugsarten zählen die Angabe falscher Namens- oder Adressdaten und Identitätsmissbrauch. Zahlungsunfähigkeit von Kunden, das Abstreiten des Warenerhalts und die Angabe falscher Zahlungsdaten sind weitere Betrugsfallen für Unternehmen. Laut der befragten Untenrehmen nehmen dabei die Betrugsversuche zu.

Aufmerksamkeit schützt

Um sich gegen Bestellbetrug zu schützen, ergreifen 83% der befragten Online-Anbieter Maßnahmen: So bieten sie nur sichere Zahlungsarten (z. B. Paypal) an oder prüfen verdächtige Bestellungen manuell. Auch Bonitätsanalysen und Sperrlisten betrügerischer Kunden werden eingesetzt. Wie die Studie zeigt, ist auch auf Konsumentenseite das Bewusstsein für unseriöse Angebote gestiegen: Wenn den Befragten Angebote seltsam oder unseriös vorkommen, dann kaufen 61 % dort nicht ein und jeder Zweite (51 %) recherchiert über den Anbieter und sucht nach Kundenbewertungen. Ein Drittel (34 %) verifiziert außerdem das Impressum des Anbieters und ein Viertel (25 %) überprüft ob der Anbieter ein Gütezeichen hat.

„Diese Zahlen sind ein durchaus positives Zeichen und zeigen, dass das Bewusstein für Internetbetrug bei Österreichs Online-Konsumenten gestiegen ist. Zusätzlich zu den oben genannten Kriterien empfehlen wir auch immer, sich nicht von extrem günstigen Angeboten in die Irre führen zu lassen und auf den Hausverstand zu hören“, so Behrens und verweist die Website www.watchlist-internet.at. Dort finden Konsumenten aktuelle Online-Fallen und Tipps, wie man unseriöse Angebote erkennt.

Kleine Online-Anbieter können mit Vertrauen punkten

Konsumenten achten beim Kauf oder bei der Buchung eines Online-Angebots besonders auf sichere Zahlungsmittel (64 %), gute Bewertungen anderer Kunden (55 %), den Preis (51 %), die Bekanntheit des Anbieters (47 %), Storno– und Retourenbedingungen (40 %) und ob der Anbieter ein Gütezeichen hat (32 %). „Für kleine und mittlere Online-Händler ist es besonders wichtig, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Zum einen, um Kunden zu überzeugen, auch bei kleineren Anbietern zu kaufen, zum anderen aber auch, um sich deutlich überprüfbar von immer besser werdenden Fake-Angeboten abzugrenzen“, so Behrens.

Um sich vor Online-Betrug zu schützen achten Konsumenten besonders auf sichere Zahlungsmittel, Bewertungen, Preis, Bekanntheit des Anbieter, Storno- und Retourenbedingungen sowie Anbieter Gütezeichen.

Maßnahmen wie gut auffindbare und vollständige Kontaktdaten, ausreichende Beschreibung der Produkte/Dienstleistungen, vollständiges Impressum, Einhaltung der Datenschutzanforderungen, Preistransparenz und professionelle Produktfotos steigern dabei das Vertrauen der Kunden. Auch ein professionelles und nutzerfreundliches Shop-Design ist den Betrieben wichtig. Allerdings werden diese Punkte auch von Betrügern immer besser umgesetzt, wie Behrens einräumt, und verweist auf ein überprüfbare Zertifizierung – wie eben das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen – als einen Ausweg aus diesem Dilemma.

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