Samstag, 14. Dezember 2019
Telekom-Kommentar E&W 10/2019

Den Markt aufbrechen

Telekom | Dominik Schebach | 13.10.2019 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Wie wechselfaul sind Österreichs Breitbandkunden? Sind sie wie Bankkunden, die ob des ähnlichen Angebots keinen wirklichen Anstoß zum Wechsel haben, oder warten sie schon sehnsüchtig auf eine schnellere Verbindung an ihrem Standort, um dem lahmen Zugang vor Ort zu entkommen. Drei geht davon aus, dass die Österreicher durchaus wechselwillig sind. Nicht zuletzt deswegen, weil – zumindest laut Netzbetreiber – die durchschnittliche Übertragungsrate hier zu Lande bei einem Breitbandzugang magere 22 Mbit/s beträgt.

Das bisher eher träge Verhalten sei demnach den mangelnden Alternativen geschuldet. Mit dem kommerziellen Start seines 5G-Angebots, flankiert von 4G/Hybrid und Glasfaser-Angebot, will Drei den Breitband-Markt nun weiter aufbrechen und die Wechselbereitschaft der Endkunden steigern. Das Mittel zum Zweck in der Kommunikation ist die Internet-Wette des Providers. Dass der Anbieter gleichzeitig alle Tarife in ein Schema packt, unabhängig von der dahinterstehenden Übertragungstechnologie, sollte für den Telekom-Fachhandel die Beratung und für den Endkunden die Entscheidung weiter vereinfachen.

Ich bin jedenfalls schon sehr darauf gespannt, wie weit die Konsumenten auf diese Wette eingehen werden. Gleichzeitig darf man eines nicht außer Acht lassen, mit der kommerziellen Verfügbarkeit von 5G können die Kunden einfach den Router kaufen, nach Hause mitnehmen, einstecken und mit hoher Geschwindigkeit lossurfen. Vorausgesetzt, sie befinden sich in einem der 5G-Versorgungsgebiete von Drei. Diese sind ja noch auf wenige Gemeinden begrenzt. Allerdings kann man davon ausgehen, dass das Unternehmen sein 5G-Netz nun so schnell wie möglich ausrollen wird, um das Feld zügig zu besetzen. Und damit wird ein spontaner Umstieg auf eine schnellere Internetverbindung sehr viel leichter möglich.

Dass die anderen Betreiber dabei tatenlos zusehen werden, ist unwahrscheinlich. Sie werden wohl mit ihren eigenen Angeboten kontern. Dabei hat A1 das größte Handicap. Schließlich stehen die 5G-Frequenzen von diesem Anbieter erst im kommenden Jahr zur Verfügung. Trotzdem verspricht das ein dynamisches Weihnachtsgeschäft im Daten-Bereich zu werden. Was soll dem Handel schlimmeres passieren?

Was alles passieren kann – im negativen Sinn – zeigt derzeit der Tanz um Huaweis Nutzung von Googles-Anwendungen. Das jüngste Top-Modell des Herstellers, das Mate 30 Pro, wurde aufgrund des Bannes der US-Regierung ohne Google-Dienste und ohne Zugang zum Google Play Store ausgeliefert. Damit sitzt das von der Hardware-Seite her gut ausgestattete Smartphone vorerst auf dem Trockenen. Wenn es eines Beweises für die Wichtigkeit der Software in der heutigen Zeit bedurfte, hier hätte man die Bestätigung. Für den Hersteller ist es bitter, andererseits kommt damit wieder Bewegung in einen Markt, der zuletzt von drei Herstellern dominiert wurde. Es wird spannend, ob andere Produzenten diese Schwäche nutzen können, oder ob der Konflikt zu einer weiteren Konzentration im Smartphone-Sektor beiträgt. Ich persönlich hoffe auf mehr Wettbewerb

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