Dienstag, 7. Juli 2020
Multimedia-Kommentar E&W 12/2019

Existenzfragen

Multimedia | Wolfgang Schalko | 08.12.2019 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Während im Handel gerade die heißeste, sprich umsatzstärkste Phase des Jahres läuft, herrscht in diesen Tagen aus journalistischer Sicht üblicherweise thematische Flaute. Saure-Gurken-Zeit sozusagen. Doch das sich dem Ende zuneigende 19er-Jahr hatte schon so manche Überraschung parat und auch in dieser Hinsicht ist heuer etwas grundlegend anders.

Dafür sorgten drei Branchenveranstaltungen, von denen mit den Cable-Days nur eine in dieser Form vorhersehbar war. Die anderen beiden sind zwar ebenfalls der Zukunft des Fernsehens geschuldet, drehten sich jedoch um den Themenkomplex lineares TV vs Streaming bzw 5G. Etwas überspitzt könnte man auch sagen, dass die (lineare) Bewegtbildbranche, die in ihrem bisherigen Selbstverständnis und den praktizierten Geschäftsmodellen über weite Strecken eher vom physikalischen Prinzip der Trägheit denn von beherzten Sprüngen geprägt war, nun definitiv wachgerüttelt ist und beginnt, ihrem Namen Ehre zu machen.

Schauplatz I: Salzburg.
Die Kabelbranche hat sich zu ihrem alljährlichen Treffen versammelt. Ein zentrales Thema lautet diesmal 5G – und welche Auswirkungen die neue Mobilfunktechnologie auf die „Kabler” haben wird. Möglicherweise vernichtende, mit Sicherheit aber wird der technologische Vorsprung dahinschmelzen und es im Übertragungsbereich zu einer ähnlichen Konkurrenzsituation kommen wie auf Inhalte- und Service-Ebene mit OTTs. Davon geht Fachverbandsobmann Günther Singer ebenso aus wie vom Anfang vom Ende der klassischen DVB-C-Übertragung in spätestes fünf Jahren.

Schauplatz II: Wien, APA-Pressezentrum.
Vertreter der heimischen Programmvermarkter, die – für gemeinsame Interessen – ihre Kräfte in der TV-Gattungsinitiative Screenforce bündeln, stemmen sich mit Fernseh-Fakten und gekonnter Eigenwerbung (in Form eines TV-Spots) gegen die immer mächtiger werdende Konkurrenz von Streaming-Anbietern. Dass sich diese nur wenig bis gar nicht um die etablierten Messmethoden und Bewertungs-Standards der TV-Branche scheren ist dabei ebenso ein (berechtigter) Kritikpunkt wie die Kostenexplosion auf Endkundenseite durch den Markteintritt immer neuer Player. Zwischen den Zeilen war aber auch zu vernehmen, dass die bestens geölte Marketingmaschinerie der US-Giganten und deren typisches Saubermann-Image kombiniert mit beharrlicher Gesprächsverweigerung den „Hiesigen” ein gewaltiger Dorn im Auge ist.

Schauplatz III: Wien, WKÖ.
Bei einem Symposium, zu dem RTR und ORS geladen haben, wird die Zukunft des Rundfunk im 5G-Zeitalter diskutiert, wobei der potenzielle DVB-T2-Nachfolgestandard 5G Broadcast im Zentrum steht. Wie sich schnell zeigt, liegen die Positionen von Rund- und Mobilfunkern in Punkten wie Rahmenbedingungen, Geschäftsmodelle, etc zum Teil kilometerweit auseinander. Doch bezeichnenderweise war es mit A1-CEO Marcus Grausam ein Telko-Vertreter, der meinte, dass man viel ausprobieren werde müssen und es einen Schulterschluss aller Beteiligten brauche.

Eines haben die Veranstalter der drei Events gemeinsam: Sie sehen sich mit einer immer unangenehmer werdenden Situation konfrontiert, die – im schlechtesten Fall – mittel- bis langfristig im eigenen Exodus enden könnte. Man darf also annehmen, dass es sich bei allen unternommenen Anstrengungen nicht bloß um kurzsichtigen Aktionismus der Betroffenen handelt.

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