Dienstag, 11. August 2020
„Dramatische Veränderung im Kaufverhalten“ – [UPDATE] Schleichender Rückzug aus Österreich!?

Bose schließt seine Läden in Europa

Die Redaktion | 16.01.2020 | | 6  
Bose will in den kommenden Monaten seine Shops in Europa, Nordamerika, Japan und Australien schließen. Bose will in den kommenden Monaten seine Shops in Europa, Nordamerika, Japan und Australien schließen. Audio-Spezialist Bose schließt seine Läden in Europa, Nordamerika, Japan und Australien. Wie US-Medien berichten, sollen von der Entscheidung in den kommenden Monaten 119 Stores betroffen sein. Im Gegenzug will Bose verstärkt in seine Online-Präsenz investieren.

Der Schritt wird mit der „dramatischen Veränderung im Kaufverhalten“ in den betroffenen Märkten begründet. „Ursprünglich ermöglichten es unsere Stores den Endkunden, unsere Produkte zu erleben und zu testen, mit uns in Kontakt zu treten und über CD- und DVD-basierte Home Entertainment-Systeme zu sprechen. Das war damals eine radikale Idee“, erklärte Colette Burke, Vice President of Global Sales, Bose Corporation. „Aber wir haben uns damals darauf fokussiert, was unsere Kunden benötigen – und das tun wir jetzt ebenfalls.“

Bose hat vor 27 Jahren in den USA mit dem Aufbau einer eigenen Shopkette begonnen. In Europa ist das Unternehmen damit oft in direkte Konkurrenz zu seinen Partnern im Fachhandel getreten. Von der jetzigen Schließung sollen mehrere hundert Mitarbeiter betroffen sein. Ganz werden die Bose-Shops allerdings nicht verschwinden: In Zukunft soll es demnach noch rund 130 Shops in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten geben. Zusätzliche Standorte sind daneben in Indien, SüdostAsien sowie Südkorea geplant.

[UPDATE] Schleichender Rückzug aus Österreich!?

Es war etwa Mitte Mai, als die E&W-Redaktion eine Nachricht mit dem Betreff „Bose Chaos” erreichte – inklusive der Anregung, dieses doch näher zu beleuchten. Gesagt, getan. E&W richtete eine Anfrage an Bose, zur Situation in Österreich Stellung zu nehmen, denn offenbar sei die komplette Außerndienstmannschaft sowie der Sales Support gekündigt und die Zusammenarbeit mit den langjährigen Partnern in den Bereichen Support, Installation und Promotion beendet worden – VL Bernhard Brunner repräsentiere die Marke hierzulande somit nur noch als „One-Man-Show”. Die Antwort (der deutschen Pressestelle, wohlgemerkt) erfolgte prompt: Da in UK heute ein Feiertag sei, müsse man „um ein wenig Geduld” bitten und werde sich melden, sobald man Feedback erhalten habe. Es dürfte viel zu feiern gegeben haben auf der Insel, denn es dauerte knapp zwei Wochen bis zur eigentlichen Beantwortung der Anfrage – die dann bezeichnenderweise so ausfiel: „Leider kann Bose die von Ihnen genannten Punkte zum aktuellen Zeitpunkt nicht kommentieren.”

Warum man sich wohl bei Bose bedeckt halten wollte, förderte ein Rundruf im heimischen EFH rasch zutage: „Schade” und „traurig” waren die Wörter, die am öftesten fielen, das Stimmungsbild ist mit einem Wort: trist.
Jan Schalie etwa, als Inhaber von Schalie Electronic und Katzenbeisser langjähriger Bose-Partner, hat seinen Vertrag Ende 2019 gekündigt. „Bei Bose wollte keiner mehr den Fachhandel vernünftig unterstützen, es ist einfach unpartnerschaftlich geworden. Wir hatten in den letzten zwei, drei Jahren keine Freude mehr am Produkt und auch nichts mehr daran verdient, ja oft sogar selbst noch draufgelegt”, begründet er seine Entscheidung. „Wirtschaft ist letztlich immer ein Kreislauf und diesen kann man nicht durchbrechen bzw beliebig verkürzen. Die direkte Verbindung vom Hersteller zum Endkunden führt zum Kurzschluss. Der Versuch, den Fachhandel auszuschalten, funktioniert nicht – und es ist einfach peinlich für Bose, wenn man nicht mehr im Fachhandel vertreten ist.“

Das bestätigt auch der „Store Locator” auf der Bose Website, der quer durch Österreich fast ausschließlich Media-Saturn-Standorte und A1-Shops auswirft, dazwischen spärlich gesät Fachhandelspartner sowie den (immer noch geöffneten) Bose-Store in Wien Mariahilf. Dass sich die Marke de facto vom Fachhandel verabschiedet hat, zeigen überdies die stark rückläufigen Marktanteile: Im ohnehin schwächelnden Segment Audio Home Systems hielt sich Bose zuletzt gerade noch im zweistelligen Bereich, ebenso bei Lautsprechern, wo man im Jahresvergleich Umsatzeinbußen von rund 60% (!!) hinnehmen musste. Eine mögliche Erklärung hat Bundesgremialobmann Wofgang Krejcik parat: „Es hat sich gezeigt, dass solche Geräte beratungsintensiv sind und sich ohne Demo, Hörprobe, etc nur schwer verkaufen lassen. Obwohl das Produkt und die Technik einen ausgezeichneten Ruf haben, war ein anderer Weg bei den Vertriebsschienen nicht von Erfolg gekrönt. Diese Entwicklung verdeutlicht einmal mehr, dass es ohne Vor-Ort-Beratung nicht geht.

„Bose hatte schon bessere Zeiten, das wissen wir alle”, attestiert auch Paul Puschacher, GF von EP:Mayrhofer, der für Bose das Service in Österreich erledigt – ein Ausnahmefall, denn üblicherweise wickelt Bose in Europa das Service zentral über Belgien ab. „Hier kommt uns zu Gute, dass Media-Saturn uns als Servicepartner will und mit unserer Arbeit zufrieden ist.” Bose sei momentan überhaupt völlig im Umbruch begriffen: Es fehle an tollen neuen Produkten, es würden zT unverständliche Entscheidungen getroffen und in Österreich sei alles bis auf das äußerste Minimum reduziert worden. Bezeichnend: Selbst er als Servicepartner werde nicht direkt von VL Bernhard Brunner betreut, sondern von der Schweiz aus – per Mail und Telefon, gesehen hat Puschacher seinen Betreuer noch nie. „Ich will das Bose Service natürlich weiterführen, aber die Situation ist nicht lustig – und ich weiß auch nicht, ob sich in Zukunft etwas zum Positiven ändert.”

Kommentare (6)

    1. Darum gibt es in der EU den sogenannten Fernabsatz. Damit kann man ohne Angabe von Gründen die online bestellten Artikel spätestens nach 14 Tagen zurückschicken. Im schlimmsten Fall muss man die Kosten der Rücksendung tragen.

      Was aber nicht heißt, dass man die Geräte 14 Tage nutzen darf. Man das sie ausprobieren, ähnlich den Probehören bzw Vorführen beim Händler.

  1. Ich bin kein Freund von Bose, deshalb auch kein einziges Bose Gerät in meinen 45 Jahren in diesem Geschäft verkauft.
    Doch, die werden schon wissen was sie machen, und wenn die sich doch irren sollten dann lernen Andere dazu.
    Bose war sicherlich ein gutes Geschäft für Händler was aber auch bedeutet, die Kunden haben mehr bezahlt wie nötig.

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  2. Zuerst wurden die Händler rausgeworfen, nun fliegt man selbst hinaus. Zu glauben, dass so ein beratungs- und erlebnisreiches Produkt nur über das Internet vertrieben werden kann ist der Aprilscherz des Jahres.

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  3. Ich bezweifle stark, dass das der richtige Weg ist. Sogar Amazon drängt ins stationäre Geschäft weil sie draufgekommen sind, dass die Leute was erleben wollen – „in echt“ und nicht am Bildschirm …

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