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Samstag, 20. Juli 2024
Aus dem Gremium (Teil 10): Salzburgs exklusive Kooperationen

„Größere Akzente setzen“

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 30.05.2022 | |  Wissen
Obmann Josef Rehrl ist ein „hoffnungsloser Optimist” und will als solcher für positive Stimmung sorgen. Obmann Josef Rehrl ist ein „hoffnungsloser Optimist” und will als solcher für positive Stimmung sorgen. Grundsätzlich steht das Landesgremium Salzburg des Elektro- und Einrichtungsfachhandels vor ähnlichen Herausforderungen wie der Rest Österreichs. Umso bemerkenswerter erscheint die personelle Zusammensetzung der Interessensvertretung und auch das „Maßnahmenpaket”, mit denen man die Mitglieder schon seit Jahren erfolgreich bei Werbe- und Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt.
Geschäftsführerin Antonia Linner-Gabriel forciert u.a. die Werbeunterstützung der Mitgliedsbetrieben, darunter exklusive Kooperationen mit dem ORF und den Salzburger Nachrichten.

An der Spitze des Landesgremiums Salzburg steht Gremialgeschäftsführerin Antonia Linner-Gabriel, die bei ihren Agenden von den Assistentinnen Manuela Lechner und Maria Rausch unterstützt wird. Auf Funktionärsseite leitet Obmann Josef Rehrl, Betreiber eines Miele Centers in der Landeshauptstadt, die Geschicke. Seine Stellvertreter sind der Elektrohändler Markus Fuchsberger sowie Harald Ebner, Geschäftsführer der Gebrüder Limmert AG. Eine insofern bemerkenswerte Konstellation, da die Einrichter auf den ersten Blick zu kurz zu kommen scheinen. „Es ist natürlich keineswegs so, dass der Einrichtungsfachhandel im Gremium keine Bedeutung hätte – dieser ist zur Mitarbeit eingeladen und wird logischerweise auch vertreten. Bis vor Kurzem war Wilfried Weitgasser vom Möbelhaus Weitgasser einer der Stellvertreter, er wollte diese Funktion aber nicht mehr ausüben und so ist Harald Ebner – der die Seite des Groß- wie auch des Einzelhandels kennt – in unseren Ausschuss gestoßen”, erklärt Rehrl. Zudem gibt es in der Besetzung eine weitere Besonderheit: Mit Herbert Sigl ist auch der Innungsmeister der Tischler vertreten. Mit dieser Berufsgruppe gebe es – neben den Elektrotechnikern – zahlreiche Überschneidungspunkte, weshalb man entsprechend eng zusammenarbeite und das Vorgehen koordiniere.

Welche speziellen Herausforderungen bestehen in Salzburg?

Linner-Gabriel: Derzeit sind die wirklich großen Herausforderungen österreichweit gleich, v.a. die Folgen der Corona-Krise und des Ukraine-Krieges mit Lieferproblemen, Teuerung von Rohstoffen und steigenden Energiekosten. Das betrifft natürlich alle und stellt die Betriebe vor große Probleme.

Mit Deutschland herrscht in der Region ja reger Austausch. Hatten die unterschiedlichen Covid-Regelungen auf den beiden Seiten der Grenze Auswirkungen?

Rehrl: Grundsätzlich ist das Einkaufsverhalten so geprägt, dass die bayrischen Konsumenten in Bayern kaufen und die Salzburger hier – zumindest bei Elektrogeräten. D.h. wir hatten weder vor Corona noch während Corona etwas von den deutschen Endkunden und werden auch nach Corona nichts von ihnen haben. Hier spielt natürlich der Umstand mit, dass sich die seinerzeitigen Preisabstände zwischen Deutschland und Österreich ja völlig nivelliert haben und der Endkunde im Fall der Fälle gerne einen Fernseh- oder Waschmaschinentechniker vor Ort haben möchte. „Online” ist ein anderes Thema…

Können Sie das näher ausführen?

Rehrl: Im Online-Bereich befinden wir uns komplett im Digitalisierungsmodus, und das nicht erst seit gestern, sondern seit vielen Jahren. Wir haben eine wunderschöne Homepage und sind im Shop top aufgestellt – wobei ich mit „wir” die Miele Center meine, aber das Gleiche gilt natürlich auch für Red Zac, Expert und ElectronicPartner, die ihren Mitgliedern allesamt eine professionelle Plattform bieten.
Ich bin ja kein Jüngling mehr und verfolge das Geschehen in der Branche jetzt schon seit über 20 Jahren. Wir müssen einfach irgendwann einmal akzeptieren: Das Online-Geschäft ist ausschließlich preisgetrieben. Ist ein Online-Shop billiger, verkauft er, ist der Preis gleich oder höher, verkauft er nichts – außer die Verfügbarkeit vor Ort ist nicht gegeben. In meinem eigenen Geschäft ist der Online-Umsatz praktisch null ist im Vergleich zum übrigen Umsatz. Die Herausforderung besteht darin, sich im Dienstleistungsbereich entsprechend aufzustellen.
Wenn man sich anschaut, wo im Online-Bereich die Reise hingeht, dann ist es sicher nicht so, dass der Jeff Bezos persönlich mit der Waschmaschine nach Salzburg kommt und diese auch noch aufstellt. Also müssen wir in Salzburg das mit entsprechender Professionalität bieten. Ich bin mir hundertprozentig sicher – völlig egal, ob es um ein Handy, einen Kühlschrank oder einen Fernseher geht –, es wird die Dienstleistung vom Kunden bewertet. So wie in der Vergangenheit auch schon. Im Prinzip hat der Preis immer eine gewisse Rolle gespielt, aber wenn dahinter nichts mehr steht, dann ist es eben nur der Preis, über den man beurteilt wird – egal ob mit oder ohne Online. Das ist somit für jeden Händler seit Jahren eine Herausforderung, die man erkennen und wo man sich entsprechende ausrichten muss. Will man sich auf Online konzentrieren, wird man kein Geschäft mit 500m2 und 12 Angestellten brauchen. Ich glaube, da werden aber auch auf Seiten der Industrie noch einige Augen machen, wohin sie diese „Online-Mania”, die da mitunter herrscht, führen wird.

Ein Highlight der Marketingunterstützung für die Salzburger Elektrohändler: das Kalender-Sponsoring bei ORF Bundesland heute.

Das Thema Direktvertrieb und D2C haben wir auch kürzlich in der E&W sehr ausführlich beleuchtet.

Rehrl: Ich glaube, da bin ich Erstbetroffener. Unser Geschäft befindet sich in der Münchner Bundesstraße, fünf Minuten von der Miele Zentrale und dem dortigen Schauraum entfernt – da hätte ich mir ja in die Hose machen müssen, als Miele vor einigen Jahren begonnen hat selbst zu verkaufen. Wenn ein Konzern eine solche Entscheidung trifft, kann man das ohnehin nicht verhindern. Also sind wir analytisch an die Sache herangegangen und haben uns genau angesehen, was von Miele eigentlich geboten wird. Dann haben wir schlicht und einfach versucht, immer besser zu sein – ein Slogan, den Miele ja selbst prägt (lacht). D.h. besser bei der Beratung, besser bei der Dienstleistung, bis hin zum Aspekt, dass hinter unserem Unternehmen eine Familie steht, die man auch am Samstag anrufen kann.
Dieses Konzept geht auf und kann im Endeffekt bei jedem aufgehen. Und es muss ja nicht ausschließlich ein Nachteil sein, denn wenn die Industrie selbst etwas verkaufen will, denn dann muss sie auch Werbung dafür machen. Als Händler muss man halt versuchen, solche Dinge, die sich nicht ändern lassen, bestmöglich in das eigene Konzept zu integrieren und entsprechende Vorteile daraus zu schlagen. Vielleicht bin ich ein hoffnungsloser Optimist, aber ich versuche dahingehend wirklich allen Händlern zuzureden.

Welche konkreten Maßnahmen setzt das Landesgremium im Sinne des Salzburger Fachhandels?

Linner-Gabriel: Wir überlegen unsere Aktivitäten grundsätzlich sehr genau, denn wir wollen lieber einige größere Akzente setzen als viele kleinere und konzentrieren uns daher auf ausgewählte Aktionen. Zuerst möchte ich hier unsere Kooperation mit den Salzburger Nachrichten nennen, wo wir ein außerordentlich kostengünstiges Angebot heraushandeln konnten und wir zusätzlich unsere Mitglieder bei Werbeeinschaltungen mit zwei Mal 700 Euro im Jahr unterstützen. Das wird sehr gut angenommen und ist einfach eine tolle Imagewerbung. Damit versuchen wir auch, den „Großen” ein bisschen entgegenzuhalten, damit unsere Fachhändler ebenfalls die Chance haben sich zu präsentieren und mit ihrem Service zu punkten.
Daneben haben wir das ORF Kalendersponsoring ins Leben gerufen: Dafür wurden beim ORF zwei ganze Monate für den Elektro- und Einrichtungsfachhandel gebucht, sodass sich pro Jahr insgesamt zehn Betriebe präsentieren können. Diese Betriebe erhalten sechs Einschaltungen hintereinander am Abend vor Salzburg heute – und immer wenn wir das ausschreiben, ist das Angebot innerhalb von zwei Tagen ausgebucht. Das bleibt nämlich wirklich in den Köpfen der Leute.

Ein weiteres Marketing-Highlight: kostengünstige Werbemöglichkeiten in den Salzburger Nachrichten, dem wichtigsten Printmedium der Bundeslandes.

Rehrl: Gerade das Kalender-Sponsoring ist eine hervorragende Werbung und ich selbst nutze das Fernsehen schon seit 15 Jahren für Werbezwecke – auch ohne Unterstützung der WK. Dieser Block vor den Bundesland-Nachrichten ist einfach die beste Werbezeit, die man in Salzburg haben kann, denn da sitzen Groß und Klein vor dem Fernseher. Ich denke daher, dass wir unseren Mitgliedern hier eine wirklich großartige Unterstützung zuteil werden lassen. Und gerade bei den TV-Einschaltungen ist es ja nicht so, dass wir nicht mehr Geld zur Verfügung stellen würden, aber wir bekommen leider nicht mehr Sendezeit.

Wie funktioniert die Kommunikation des Landesgremiums mit den Händlern?

Linner-Gabriel: Ich bin eigentlich ständig am Telefon, um Probleme und Anliegen unserer Mitglieder abzuklären. Zur Information gibt es natürlich unseren Newsletter sowie spezifische Schreiben. Momentan teilen uns beispielsweise etliche Mitglieder mit, dass sie mit Endkunden konfrontiert sind, die nicht verstehen wollen, in welcher Größenordnung sich die Preise allein seit Februar erhöht haben. Daher bereiten wir gerade ein entsprechendes Schriftstück vor, das der Händler dem Endkunden vorlegen kann und seiner Argumentation eine gewisse Plausibilität verleiht.

Rehrl: Es ist aber nicht unser Job, jedes individuelle Problem eines Händlers für ihn zu lösen. Mich hat z.B. einmal eine Dame angerufen, die wollte, dass ich als Obmann bei ihrem Lieferanten urgiere: Weil die Matratzen-Schutzbezüge, die ihr Unternehmen für die Hotellerie anfertigt, beim erstmaligen Waschen eingegangen sind und nicht mehr auf die Matratzen gepasst haben, sollte ich für den verwendeten Stoff Schadenersatz herausholen. Das war ein typisches Beispiel, dass man nicht allen helfen kann.

Linner-Gabriel: Wobei ich schon festhalten möchte, dass wir oder unsere Experten im Haus in den allermeisten Fällen eine Lösung finden.

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