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Donnerstag, 13. Juni 2024
Am Morgen danach

Messegedanken, brühwarm

Wolfgang Schalko | 24.09.2023 | Bilder | | 9  Meinung
Gestern und vorgestern gingen im Design Center Linz die Elektrofachhandelstage 2023 über die Bühne. Ich hatte mir im Vorfeld der Messe fest vorgenommen, meine Eindrücke taufrisch niederzuschreiben und Ihnen zum sonntäglichen Frühstück zu servieren – voilá!

Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, noch zwei kurze Bemerkungen, warum ich Ihnen überhaupt einen möglichst frischen Eindruck von den gerade zu Ende gegangenen Elektrofachhandelstagen geben will:

Erstens, weil ich mit meiner letztjährigen Einschätzung der Messe doch ein wenig daneben gelegen war: Dass die Stimmung nach der Covid-Zwangspause sehr gut und die allgemeine Erleichterung ob des physischen Zusammentreffens deutlich spürbar war, teilten zwar alle, die dort waren. Die nackten Zahlen sagten jedoch etwas anderes: Ich hätte viel darauf gewettet, dass die Besucherzahlen über dem Vor-Pandemie-Wert liegen würden, tatsächlich war aber ein rund 10%-iger Rückgang (von 1833 im Jahr 2019 auf 1679) zu verzeichnen. 

Zweitens, weil die Wahrnehmungen sehr weit auseinanderliegen können, wie sich anhand der heurigen IFA gezeigt hat. Während die neuen Messeveranstalter vom Kurs „zurück zu alter Stärke“ sprachen und auch manch Aussteller eine Lobeshymne sang, sahen andere das Stimmungsbarometer eher im Keller und vermissten die Power und den Drive, den die IFA in der Vergangenheit ausgezeichnet hatte. Nicht zuletzt deshalb, weil statt der großen Party, die im Sommergarten üblicherweise über die Bühne ging, heuer Stille herrschte. Dazu kommt, dass manche „großen“ Marken heuer praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausstellten und nur Händlern den Zugang zu ihren Ständen gewährten – allerdings auch nur dann, wenn man im Vorfeld einen Gesprächstermin vereinbart hatte. Sonst half auch das Fachbesucherticket nicht. Welches Licht das auf die Hersteller wirft und in weiterer Folge auch auf die Messe insgesamt, muss wohl nicht lang und breit erläutert werden – Werbung ist es wohl keine. Und das sage ich bewusst, weil ich heuer zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht als Besucher auf der IFA war.

Denn – und damit zurück zu den Elektrofachhandelstagen – eine Messe, bei der es neben dem Business vor allem um die Emotion und den persönlichen Austausch (Stichwort unmittelbares Feedback bzw. direkter Draht), lebt und wächst mit der Anzahl und Vielfalt ihrer Besucher – und der Außenwirkung, die damit erzielt wird. Die Besucher kamen diesmal (gefühlt) in größerer Zahl als im Vorjahr, hatten das erhoffte Leuchten in den Augen und sorgten für zufriedene Aussteller – zumindest konnte ich keine negative Stimmen ausmachen. Zwei Dinge, die das Bild ein wenig trüben, sind mir allerdings aufgefallen: Zum einen, dass die neuen Themenbereiche wie z.B. Elektromobilität leider bis zu einem gewissen Grad „Randerscheinungen“ waren – nicht, weil sich niemand dafür interessiert hätte (ganz im Gegenteil), sondern im Wortsinn, denn die Aussteller aus diesem Bereich waren zwar mit ihren Ständen am Rande bzw. den Seiten des Design Centers dabei, aber noch nicht voll integriert. Zum anderen das leidige Parkplatzthema, das heuer wieder aufkam und ein bisschen an das Jahr der Premiere erinnerte, als sich die Elektrobranche das Design Center mit einer Parallelveranstaltung teilen musste. Es würde mich nicht wundern, wenn daran die „Standortfrage“ nicht wieder auflockern würde.

Was die Zahlen angeht, so waren diese nach Auskunft der Messeleitung am ersten Tag jedenfalls vielversprechend, und ich will es vor der endgültigen Auswertung nicht verschreien, aber vielleicht konnte die 2000-er Marke ja heuer geknackt werden. Das wäre ein klares Statement der Branche für „ihre“ Messe! Natürlich ist die Qualität einer Messe, festgemacht am subjektiven Empfinden, ein wichtiger Aspekt – und aus meiner Sicht waren die EFHT 2023 summa summarum eine wirklich „gute“ Messe. Auf der anderen Seite sind die Zahlen, sprich die quantitative Perspektive, ebenfalls ein wesentlicher Indikator für den Erfolg eines Events – zumal der „zählbare“ Zuspruch die Basis für die Entscheidung, wie es mit den EFHT weitergehen soll, bildet. Anfang der neuen Woche wissen wir mehr – ich bin schon gespannt wie ein Gummiringerl…

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Kommentare (9)

  1. Im vorigen Jahrhundert gab es noch kein Internet und auf der HIT/Wiener Messe waren Neuheiten zu sehen und man konnte die ersten Prospekte ergattern. Auch die Publikumstage waren von Vorteil, nebst Jausen- und Laberständen sind die Leute auch durch die Braune und Weiße Ware marschiert und haben sich Geräte angesehen. Messeaktionen waren für Einkäufer auch immer ein Schmankerl. Dies ist nun fast alles vom Internet verdrängt worden. Schön war die Zeit! 🙂

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  2. Es war einer super Messe, einer tollen Stimmung und über 1.900 Besucher bei den EFHT in Linz!
    Aber was schrieb die E&W vor 20 Jahren über die HIT:
    Da freute man sich über ca. 6.000 Fach-Besucher.
    Ist das bei aller positiver Stimmung nicht etwas zum nachdenken?

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  3. Bei allen positiven Erkenntnissen, einer super Messe, einer tollen Stimmung und über 1.900 Besuchern:
    Was schrieb die E&W vor 20 Jahren über die HIT: da waren es ca. 6.000 Besucher. Ist das nicht etwas zum nachdenken?
    Da waren

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  4. Die EFH sollte schon am Do. starten. Einen Tag länger. Die IFA alle zwei Jahre. Der Spannungsbogen an Innovationen wäre wesentlich interessanter.

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  5. Ich habe beim Besuch der Messe oft ein Gefühl der Ablehnung wahrgenommen, besonders bei den großen Ausstellern die in einer selbstgefälligen Reserviertheit ihre Produkte ausstellten, aber im Grunde keine Besucher an ihren Ständen wollten.

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    1. Bei dem einen oder anderen großen Aussteller war das sehr wohl so.

      Merkten die, dass man ein „Kooperierter Händler“ ist, der sich für neue Produkte interessiert, wurde sehr schnell auf die Kooperation als Ansprechpartner verwiesen. Preise, Lieferzeiten.. da sind sie nicht zuständig. Die Produktvorführung viel dann gleich … gefühlt schmaler .. aus.

      Von weitem konnte man dann beobachten, dass sehr wohl Produktkataloge und Preislisten gewälzt wurden und Aufträge geschrieben wurden.
      Eben bei Händlern, die sie eh schon kannten. Wieso bezahlt man dann für einen Messestand ?

      Bei den Meisten wurde man aber herzlich willkommen geheißen.

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