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Sonntag, 21. Juli 2024
„Kein Bedarf zur Änderung der derzeitigen Rechtslage feststellbar”

RTR schließt Evaluierung der „Routerfreiheit“ ab

Telekom Multimedia | Wolfgang Schalko | 20.11.2023 | Downloads | | 7  Wissen
Nachdem sich die RTR in den vergangenen Monaten „intensiv mit dem Thema Routerfreiheit und der Frage der Lage des Netzabschlusspunktes auseinandergesetzt” hat, steht aus Sicht der Regulierungsbehörde fest, dass momentan keine Notwendigkeit besteht, „zusätzlich regulierend in einen grundsätzlich funktionierenden Markt einzugreifen”. Beim Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller VTKE stößt diese Entscheidung auf Unverständnis: Es sei „eine große Chance vertan” worden.

„Wir haben uns in den letzten Monaten intensiv mit dem Thema Routerfreiheit und der Frage der Lage des Netzabschlusspunktes auseinandergesetzt und evaluiert, inwieweit es einer konkreten Regulierung durch Verordnung bedarf oder ob es andere Möglichkeiten gibt, hier für mehr Transparenz und besserer Berücksichtigung von Konsument:inneninteressen zu sorgen. Im Zuge dieser Arbeiten wurden umfangreiche Gespräche mit Telekom-Betreibern und Vertretern der Routerfreiheit geführt. Es wurde auch die Lage in anderen Ländern der EU qualitativ erhoben und die bei der RTR eingelangten Schlichtungsanträge und Anfragen von Nutzer:innen im Detail analysiert. Das hat einige Zeit in Anspruch genommen. Unser Fazit aus dem, was wir dabei feststellen konnten: Derzeit hat nur ein sehr geringer Teil österreichischer Endkund:innen wirklich Interesse daran, eigene Endgeräte zu kaufen und ans Netz anzuschließen. Der überaus größte Teil vertraut hier auf seinen Provider. Viel wichtiger ist es, ordentliches Kundenservice zu bekommen, wenn einmal etwas nicht funktionieren sollte“, informierte Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR-GmbH für den Fachbereich Telekommunikation und Post, und ergänzte: „Daher sehen wird aktuell vorläufig keine Notwendigkeit, hier mittels einer Verordnung zusätzlich regulierend in einen grundsätzlich funktionierenden Markt einzugreifen. Wichtig ist aber auch, dass seitens der Betreiber die für die Verbraucher:innen notwendige Transparenz des Leistungsangebotes zu jeder Zeit vorhanden ist. Das werden wir uns laufend genau ansehen.“

Hintergrundinformation zu diesem Thema und der stattgefundenen Evaluierung sind auf der Website der RTR veröffentlicht: https://www.rtr.at/TKP/was_wir_tun/telekommunikation/konsumentenservice/information/informationen_fuer_konsumenten/Routerfreiheit_und_die_Lage_des_NAP.pdf

„Bridgemodus“ ermöglicht Verwendung eigener Geräte im Netz

Österreichische Anbieter würden ihren Endkunden heute bereits vielfach eine größere Auswahl an Routern bzw. Modems anbieten. Weiters könnten die Router der Betreiber in den Bridge-Modus versetzt werden, sodass Endkunden dahinter ihren eigenen Router verwenden können. „Damit besteht bei Festnetzinternetanschlüssen eine Wahlfreiheit bei Endgeräten und die Routerfreiheit ist in Österreich sichergestellt“, stellte Steinmaurer klar. Zugleich kündigte er aber an: „Dennoch werden wir hier die Entwicklungen weiterhin genau beobachten und die Nutzung von Bridgemodus und privaten Endgeräten monitoren sowie die internationalen Entwicklungen berücksichtigen. Neue Entwicklungen werden von uns laufend in eine kritische Überprüfung unserer aktuellen Rechtsansicht einfließen.“

Zur Erhöhung der Transparenz stellt die RTR Informationen zu Einrichtung des Bridgemodus bei verschiedenen Internetserviceanbietern bereit: https://www.rtr.at/nap

Große Enttäuschung beim VTKE

Auf wenig Verständnis stieß die Entscheidung der RTR beim Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller VTKE: „Die Entscheidung der RTR, den Status Quo beizubehalten, ist für uns unverständlich. Es wurde eine große Chance vertan, die Situation im Sinne der österreichischen Verbraucherinnen und Verbraucher sowie des Wettbewerbs und der Innovation deutlich zu verbessern. Indem die RTR den Bridge-Modus als ‚Routerfreiheit‘ verkauft, verkennt sie das Potenzial einer echten Endgerätefreiheit, bei der die Nutzerinnen und Nutzer das Endgerät ihrer Wahl direkt an ihren Breitbandanschluss (egal ob Glasfaser, DSL oder Kabel) anschließen und vollumfänglich nutzen können. Mit einem Bridge-Modus sind die Verbraucherinnen und Verbraucher nun weiterhin gezwungen, sowohl doppelte Anschaffungs- als auch Energiekosten zu zahlen, wenn sie ihr eigenes Endgerät nutzen wollen; gleichzeitig besteht doppelt so hoher Bedarf an Rohmaterialien zur Geräteherstellung und es entsteht am Ende doppelt so viel Elektroschrott”, heißt es in einer Stellungnahme.

Und weiter: „Eine objektive technologische Begründung, warum Österreich Ländern mit freier Endgerätewahl nicht folgt, findet sich in der Erklärung der RTR nicht. Dabei besteht das Interesse an einer echten Endgerätefreiheit in Österreich weiterhin: Umfragen im Auftrag des VTKE zeigen, dass die freie Endgerätewahl 67% der Befragten wichtig oder sehr wichtig ist.”

Downloads
Routerfreiheit-Evaluierung der RTR
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Kommentare (7)

  1. Mein Kabelanbieter hat ein Standardmodem, das sich zwar in den Bridge-Modus optieren lässt, aber dann halt mit nachgeschaltetem Router doppelt Strom frisst.
    Neuerdings gibt es auch eine Kabel-Fritzbox zur monatlichen Miete – die ist aber softwaremäßig kastriert worden.

    Dass dies von der RTR so durchgewunken wurde, ist frustrierend.

  2. Wenn jeder mit irgend einem Kastel herumspielt ist anzunehmen das mehr Probleme entstehen. Und nachdem die Provider ja die def. Geräte tauschen werden die bemüht sein verlässliche Geräte aus zu geben.

    1. Das ist schlicht falsch. Die Routerfreiheit besteht zum Beispiel in Deutschland und die Probleme dort sind nicht wirklich mehr geworden. Wer will, kann ja weiter auf das Gerät des Anbieters setzen, wird keiner gezwungen einen eigenen Router einzusetzen.

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      1. Deutschland würde ich nicht als vergleich nehmen, die haben genug Probleme mit vernünftigen Internet. Dort hilft auch kein selbst ausgesuchter Router.

        1. Ich weiß ja nicht wie oft Sie in Deutschland sind, ich bin dort wirklich sehr oft weil ich Verwandte dort habe und beruflich viele Menschen besuche. Dort klagt niemand über diese Probleme und ja, viele haben einen selbst ausgesuchten Router, weil es eben keinen Sinn macht einen zweiten Stromverbraucher für eigentlich nichts zu betreiben. Geschrieben wird viel, die Praxis sieht oft ganz anders aus.

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          1. Ich bin überhaupt nicht viel in Deutschland, ich kenne das von Kollegen in einem Forum wo hauptsächlich Deutsche schreiben.
            Es sind Fachhändler.

  3. Das war ja zu erwarten, hatte selber einmal Kontakt zur RTR und deren Antworten lassen tief auf die Denkstruktur blicken. In Zeiten wo es darum geht Ressourcen zu sparen ist die Antwort mit dem Bridge Modus einfach sagenhaft. Ich muss also zwei Router verwenden, davon einen im Bridges Modus betreiben um das gleiche Ergebnis wie mit einem Router zu erzielen. Mehr ist dazu eigentlich nicht mehr zu sagen, diese eine Argumentation der RTR sagt einfach alles.

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