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Mittwoch, 24. April 2024
„Zwei statt drei Schichten im Werk Gütersloh“

Miele: Weitere Stellen sollen abgebaut werden

Die Branche | Stefanie Bruckbauer | 25.11.2023 | | 10  Unternehmen
(Foto: Miele) (Foto: Miele) Erst 2019 kündigte Miele an, bis Ende 2021 weltweit rund 1.070 Stellen zu streichen. Wegen des Nachfragerückgangs scheint der Hausgeräte-Hersteller seinen Personalabbau nun aber zu verschärfen. Betroffen sei das Waschmaschinen-Werk in Gütersloh, wo mit Jahreswechsel von drei auf zwei Schichten umgestellt werden soll, wie deutsche Medien berichten.

Miele Deutschland teilte letzte Woche mit, dass „die Produktionsplanung angepasst“ werden müsse, und bezog sich dabei auf die Waschmaschinen-Fertigung am Stammsitz in Gütersloh. Schon zuvor sollen deutsche Medien wie u.a. der WDR darüber berichtet haben. In einem Teilbereich des Waschmaschinen-Werks, in dem rund 1.300 Menschen arbeiten, werde mit Jahreswechsel von drei auf zwei Schichten umgestellt.

Beim Stellenabbau werde seitens des Managements auf Freiwilligkeit gesetzt, wie auch der Spiegel schreibt. So soll der Personalabbau in dem Werk unter anderem über Abfindungen erfolgen (einigen der Angestellten seien Abfindungsangebote gemacht worden), außerdem werden befristete Verträge nicht verlängert. Wie viele Jobs wegfallen sollen, wurde nicht mitgeteilt.

2019 und jetzt

Erst 2019 gab Miele einen gröberen Stellenabbau (im Umfang von mehr als 1000 Arbeitsplätzen) bekannt (elektro.at berichtete). Dies, um „den tiefgreifenden Veränderungen der Märkte durch die Digitalisierung und dem immer preisaggressiveren Auftritt anderer Mitbewerber Rechnung zu tragen“, wie es damals hieß. Kritiker behaupten, dass die Vorgehensweise von Miele in den letzten Jahren auf den Einfluss von Unternehmensberatern zurückzuführen ist. Erstmals in der Firmengeschichte hat das 1899 gegründete Familienunternehmen Ende 2018 Berater ins Haus geholt, konkret von der Firma McKinsey, die den Ruf als scharfer Sanierer hat. Schon recht bald danach wurde von einem Stellenabbau gesprochen. Das sorge für Ängste im Betrieb, schrieben deutschsprachige Medien Anfang 2019 – „unbegründet“, wie Markus Miele damals im Interview mit dem Handelsblatt betonte.

Gute Jahre

Miele hat drei richtig gute Geschäftsjahre hinter sich. 2022 stieg der Umsatz um 12,2% (oder 591 Millionen Euro) auf 5,43 Milliarden Euro – ein neuerlicher Rekordwert. Die positive Entwicklung lag in erster Linie an den Folgen der Coronapandemie, Cocooning war angesagt, die Menschen konnten nicht reisen und investierten ihr Geld stattdessen in ein schönes Zuhause. Das kam den Hausgeräteherstellern – und auch Miele – natürlich zugute.

Doch seit 2022 sind die Märkte rückläufig, die Folgen der hohen Inflation und der schwächelnden Konjunktur wurden stark spürbar. Da 2022 die Auftragsbücher noch voll waren, lief es zunächst noch weiter gut beim Hausgerätehersteller, die Vorzeichen waren aber negativ – schließlich traf die allgemeine Konsumzurückhaltung der Verbraucher auch Miele. In der ersten Jahreshälfte 2023 wurden die Produktionen etwa von Waschmaschinen, Trocknern und Staubsaugern vorübergehend gedrosselt – „punktuell auch unter Nutzung von einigen Tagen Kurzarbeit“, wie der Kurier im März dieses Jahres schrieb. Für das laufende Jahr rechnete Miele damals aber noch mit stabilen Geschäftszahlen oder sogar einem kleinen Plus.

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Kommentare (10)

  1. Hab 19 Jahre fuer das „tolle“ Unternehmen gearbeitet, am Ende hat die ganze langjährig dort arbeitende Abteilung gekündigt, weil man uns die Arbeit von zig Leuten zusätzlich aufs Auge drücken wollte. W@re ein Fall f<r die Arbeiterkammer gewesen, war aber zu k. O. Kaufe nie wieder deren überteuerte Produkte.

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  2. Vielleicht kann man mal bei den extrem überteuerten Miele Ersatzteilpreisen etwas machen.
    Dann könnte man Miele Geräte wieder mit gutem Gewissen verkaufen, so leider nicht.

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  3. Sehr geehrter Lean-Coach,
    ich bin nicht Ihrer Meinung und vertrete auch nicht Ihre Sichtweise.
    Natürlich können Sie mit großen Worten schwingen, kritisieren und mit dem Finger zeigen aber dies muss gesagt sein, Sie haben keine Erfahrung seitens der Industrie.
    Möge die Ansicht seitens des Handels vielleicht Zustimmung finden, so ist doch das Große und Ganze zu sehen.
    Die internationale Verflechtung von Lieferketten, Forecast von über 6 Monate in der Produktion, Entwicklungsimpulse, Zinspolitik…etc. etc..und jetzt noch die Lohnabschlüsse.
    Ich mache mir um Miele keine Sorgen und in der Wirtschaft gibt es kein Wunschkonzert. Liebe Grüße 😃

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    1. Ich würde gerne ehrliche Zahlen in Bezug auf Ausfallhäufigkeit der neuen Miele Geräte sehen, wenn schon ein Nachhaltigkeits Preis vergeben wird. (Von wem auch immer)

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  4. Mich wundert das nicht. Eigentlich ein Klassiker.
    Wenn man sich so umhört, sinken sowohl Kunden- als auch Mitarbeiter-Zufriedenheit bei Miele.
    Oft ist es das gleiche Muster: Von großen Beraterfirmen werden großartige Verbesserungen versprochen, die dann meistens mit (blindwütiger) Kostenreduktion oder Veränderungen am System (z.B. geringere Qualität, Umgehung des Fachhandels, etc…) umgesetzt werden. Meistens handelt es sich um kurzfristige Schein-Verbesserungen oder schnell verpuffende Einmaleffekte. Selten sind diese Veränderungen zu Ende gedacht (um nicht den Begriff „Ganzheitlich“ zu strapazieren). Übrig bleiben die Mitarbeiter, Händler und Kunden.
    Und es wird noch schlimmer – denn viele (Fehl)Entscheidungen wirken sich stark zeitverzögert aus. Wenn Kunden unzufrieden werden, dauert das fast einen durchschnittlichen Lebenszyklus der Geräte, bis das voll durchschlägt, beim Handel funktioniert diese Feedback-Schleife etwas schneller, muss aber erst ernst genommen werden. Bis dahin sind mehrere Jahre vergangen, kaum jemand bezieht die Ursache noch auf die Vorgänge von damals, die tollen Berater werden wieder gerufen und verkaufen den Zustand von vor 10 Jahren als neue Idee…

    Es gibt Unternehmen, die langfristig und ganzheitlich denken, sich ständig (wirklich) verbessern, eine hohe Qualität halten, darauf schauen, dass die Menschen und alle Beteiligten ein gutes Auskommen haben und sich noch in die Augen sehen können, dann kommt man auch wesentlich besser durch alle Krisen. Miele war einmal ein solches Unternehmen.

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