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Donnerstag, 25. Juli 2024
Telekom-Kommentar E&W 1-2/2024

Mode oder Gamechanger?

Telekom | Dominik Schebach | 11.02.2024 | Bilder | | 1  Meinung
Mit der Galaxy S24 Serie setzt Samsung ganz auf das Thema Künstliche Intelligenz. Nun hat diese in den vergangenen Monaten tatsächlich einige spektakuläre Durchbrüche gefeiert und die Entwicklung nimmt derzeit erst so richtig Fahrt auf. Trotzdem drängt sich die Frage auf, ob das ausreicht.

Denn Samsung preist Künstliche Intelligenz als Helfer im Alltag an, als Übersetzer, künstlerischen Assistenten oder Sekretär. Und tatsächlich lieferten viele der Funktionen beim Hands-on während des Launchevent gute Ergebnisse. Beim oberösterreichischen Dialekt des Journalisten-Kollegen neben mir war dann aber Schluss. Und auf solche Einschränkungen trifft man immer wieder. Damit oszilliert KI derzeit zwischen einem ernsthaften Tool und einem Gimmick – nice to have, die Erwartung wird allerdings nicht erfüllt.

Das birgt die Gefahr, dass die Kunden Künstliche Intelligenz, nachdem der Reiz des Neuen verflogen ist, als nutzlosen Firlefanz abtun. Dabei sind wir schon von zahlreichen KI-Anwendungen umgeben. Wenn der Autofokus einer Kamera sich an den Augen der Person oder des Tieres im Sucher orientiert, dann ist das KI. Wenn der Texteditor ganze Passagen vorwegnimmt, dann ist das KI, und wenn die Bildbearbeitung praktisch von alleine abläuft, weil das Smartphone die Motive automatisch ins rechte Licht rückt usw., dann ist das KI. Samsung ist nun allerdings einen Schritt weiter gegangen und hat die Funktionen ausdrücklich benannt. Anstatt die Hardware oder die weiterentwickelte Kamera in den Mittelpunkt zu stellen, wird KI der roten Faden in der Story. Das finde ich mutig.

Andererseits besetzt Samsung damit einen Platz. Der Hersteller spielt seine Rolle als Technologievorreiter aus. Andere Produzenten werden über kurz oder lang nachziehen müssen. Das wird vor allem für die Marken schwierig, welche keine eigene Server-Farmen für Cloud-Lösungen betreiben können, denen die Entwicklungskapazitäten in der IT fehlen oder die nicht das Geld haben, die Services von z.B. Google oder Microsoft zuzukaufen. Damit laufen Smartphone-Produzenten Gefahr, endgültig austauschbar zu werden. Währenddessen sammelt Samsung Erfahrungen mit dem Thema, bestimmt die Entwicklung mit, treibt die Integration von KI und Hardware weiter voran und setzt wohl auch darauf, dass der Fortschritt weiterhin so rasant vonstatten geht, wie es derzeit der Fall ist. Weitere Verbesserungen der Funktionen lassen sich dann über Updates einspielen.

Damit kommen wir zur entscheidenden Frage: Ist Künstliche Intelligenz auf dem Smartphone eine Modeerscheinung oder ein Gamechanger? Persönlich neige zu Zweiterem. Dafür habe ich mehrere Gründe: Erstens, das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Als solches bietet sich die Plattform beinahe zwingend für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz an, denn wir können die Anwendungen und Assistenzsysteme im täglichen Einsatz ständig auf unsere Bedürfnisse trainieren. Daraus ergibt sich zweitens, dass wir die in Smartphones integrierte KI spielerisch auf Anwendungsbereiche ansetzen können, an die wir heute vielleicht noch nicht einmal gedacht haben. Das Problem ist der Zeitraum bis dahin. Denn in dieser Zeit besteht die Gefahr, dass die Endkunden zum Beta-Tester werden – die ihren Frust am POS ablassen.

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Kommentare (1)

  1. Meine digitalen Tätigkeiten, u.a. als Entwickler diverser Anwendungen ist eine Rolle.
    Die Hauptrolle im Leben ist aber eher: Endkunde und seit ewig (oft unfreiwilliger) Beta-Tester. (Jeder MS Kunde kennt das, oder?)
    Neuerdings auch noch „AI / KI Trainer“, denn mit jedem Prompt arbeiten wir alle am (unglaublich rasanten) Lernfortschritt der künstlichen Intelligenzen mit.

    Somit sehe ich hier nichts Neues, sondern eine Tendenz unserer Zeit, welche aber vllt. schon zu den Zeiten der großen Weltausstellungen begann und noch lange so sein wird. (*)
    Glaube, viele andere sind ebenfalls wieder alles zugleich: Endkunden, Konsumenten, Tester, aber auch Hersteller, Anbieter, Vermittler, Supporter usw.

    * PS: Sobald wir Menschen nicht mehr als Tester gebraucht werden, wenn z.B. die Scripts sich selbst testen, weiterentwickeln, dann sind wir … hmmm … was? Nur mehr Nutzer und Finanzier deren Plattformen.
    So gesehen bin ich gerne Tester, wenn ich damit vllt. auch nur einen winzigsten Teil mitgestalten kann.

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