Dienstag, 18. Juni 2019
Telekom-Kommentar E&W 4/2019

Dabei sein ist alles

Dominik Schebach | 07.04.2019| Bilder | |  

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Eine Frage treibt mich um: Lebt der Telekom-Fachhandel von der Kaste der familiären SIM-Karten-Manager, und was passiert, wenn diese einmal nicht mehr wollen? Da muss ich ein wenig ausholen. Den Begriff der familiären SIM-Karten-Manager hörte ich das erste Mal bei meiner Recherche zu der Registrierungspflicht – der SIM-Karten wohlgemerkt.

Als ich im Gespräch mit einem Vertreter aus den Netzbetreibern über die mit der notwendigen Identifikation heraufziehenden Schwierigkeiten für die vielen älteren Prepaid-Kunden sinnierte, erhielt ich die Antwort: „Der Handel müsse sich eben auf die familiären SIM-Karten-Manager konzentrieren.“ Gemeint ist damit, wie unschwer zu erkennen ist, jene Gruppe von Endkunden, die für ihre Eltern oder Großeltern alles rund um die Mobilkommunikation erledigen. Da ich mich in der Vergangenheit selbst immer wieder in der Rolle wiedergefunden hatte, leuchtete mir die Ratio hinter dieser Strategie sofort ein. Ganz so einfach ist es allerdings auch wieder nicht. Denn genauso, wie die IT-vertrauten Enkerln auch einmal nur des sonntäglichen Gugelhupfs wegen ihre Großeltern besuchen wollen, so sind auch die mobilfunk-betrauten SIM-Karten-Manager nicht immer verfügbar – und schließlich wollen die Altvorderen selbst nicht immer von dem Zeitbudget ihrer Verwandten abhängig sein.

Gleichzeitig zeigt sich, dass Silber-Surfer und Online-Golden-Ager durchaus mehr Interesse an Mobilkommunikation haben, als ihnen von vielen zugestanden wird. Viele Senioren wollen dabei sein, sie wollen in der innerfamiliären WhatsApp-Gruppe posten, um mit ihren Verwandten in Kontakt zu bleiben, und auf dem eigenen Facebook-Profil ihre Erlebnisse teilen. Aber sehr viele von ihnen sind mobil noch nicht online. Laut einer von Emporia durchgeführten Untersuchung sind es sogar 1,2 Millionen Österreicher über 65, die noch nicht mobil surfen oder posten können. Das ist ein Markt, wie der Linzer Mobiltelefonhersteller befindet. Natürlich stellt dieser Markt an den Handel spezielle Anforderungen, auf die man am POS auch eingehen muss. Die instinktive Vertrautheit mit allen Dingen online, die heute so oft stillschweigend vorausgesetzt wird, fehlt vielen dieser Kunden. Andererseits ist gerade die Generation 65+ fachhandelsaffin.

Jede Initiative wie jene von Emporia, die den Fachhandel in diesem langfristigen Segment stärkt und sattelfest macht, ist daher zu begrüßen (siehe auch S 53). Gleichzeitig wird damit eine Kundengruppe an die Digitalisierung herangeführt, die bisher bei diesem Thema sträflich vernachlässigt wurde. Denn immer mehr wichtige Dienstleistungen werden in erster Linie online angeboten. Ich möchte hier nicht von einem Zwang zum Smartphone sprechen, aber für viele Senioren ist auch das eine Motivation, kommunikationstechnisch nachzurüsten. Bleibt die Frage nach den familiären SIM-Karten-Managern. Ich glaube, viele von ihnen können mit ihrem Bedeutungsverlust ganz gut leben, wenn der Telekom-FH hier einspringt. Man kann endlich seine Verwandten am Wochenende besuchen, ohne lange über Smartphones, Tarife und  Apps zu sprechen, weil dies der Händler des Vertrauens bereits alles erledigt hat. Herrlich!

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