Mittwoch, 18. September 2019
Editor's ChoiceBlockchain-Vorzeigeprojekt im steirischen Heimschuh

Premiere: 20 Haushalte testen „Insel-Handel“ von PV-Strom

Photovoltaik |Wolfgang Schalko | 25.04.2019 | |  
In der Steiermark startet ein europaweit aufsehenerregendes Blockchain-Vorzeigeprojekt: Wer mit der eigenen Photovoltaikanlage zu viel Strom erzeugt, kann den Überschuss zukünftig direkt an seine Nachbarn verkaufen. Der Gemeinschafts-Speicher in Heimschuh ist die Drehscheibe für den „Insel-Handel“ mit Sonnenstrom. In der Steiermark startet ein europaweit aufsehenerregendes Blockchain-Vorzeigeprojekt: Wer mit der eigenen Photovoltaikanlage zu viel Strom erzeugt, kann den Überschuss zukünftig direkt an seine Nachbarn verkaufen. Der Gemeinschafts-Speicher in Heimschuh ist die Drehscheibe für den „Insel-Handel“ mit Sonnenstrom. (© Energie Steiermark) Seit Herbst 2017 ist die südsteirische Gemeinde Heimschuh Schauplatz eines außergewöhnlichen Test-Projektes, das den Energiemarkt komplett verändern soll. Unter dem Titel „LEAFS“ steht hier ein „zentraler Gemeinschafts-Speicher“ für Photovoltaik-Strom im Einsatz. In Zukunft können die teilnehmenden Haushalte ihren selbst eingespeisten Strom nicht nur wieder zurückholen, sondern auch untereinander handeln.

Bei „LEAFS“ speisen neun Haushalte ihren selbst erzeugten Sonnen-Strom ein und holen ihn dann zurück, wenn sie ihn brauchen. Diese grüne „Strombank“ steigert den Nutzungsgrad der Photovoltaik-Anlagen von 30 auf über 70 Prozent und senkt damit die Stromkosten drastisch. Gleichzeitig wird das lokale Stromnetz entlastet.

Nun folgt der nächste Schritt: Ab sofort läuft der nächste Feldversuch im Rahmen dessen die Haushalte ab Herbst den gewonnenen Sonnen-Strom auch untereinander handeln können. Wer mit der eigenen Photovoltaikanlage zu viel Strom erzeugt, kann den Überschuss also direkt an seine Nachbarn verkaufen. Möglich wird das durch den Einsatz der Blockchain-Technologie. Der Versuch ist für eine Dauer von zwei Jahren angelegt, bis zu 20 Haushalte machen mit.

Heimschuh wird dadurch zu einer der ersten „Citizens Energy Communities“ (CEC) in Europa, also zu einer lokalen Energiegemeinschaft. Das Ziel solcher „Energie-Inseln“ ist es, lokal erzeugte Energie auch lokal zu verbrauchen und somit weitgehend unabhängig von externen Stromquellen zu werden.

Das hat einen weiteren positiven Effekt: „Wir erwarten einen Zuwachs an privaten Photovoltaik-Anlagen, deren Anschaffung sich durch die positiven Effekte der Energiegemeinschaft noch schneller rentiert als bisher. So haben Bürger und Kommunen nicht nur die Chance Geld zu sparen sondern auch aktiv zur grünen Energiewende beizutragen“, so Energie Steiermark Vorstandssprecher Christian Purrer. Derzeit sind in der Steiermark weit über 25.000 Photovoltaik-Anlagen in Betrieb.

Die Einrichtung solcher lokalen Energiegemeinschaften wird übrigens auch in den neuen Energie-Richtlinien der EU verankert sein. „Die Energienetze Steiermark nehmen hierbei gemeinsam mit den Projektpartnern Siemens und dem Austrian Institute of Technology (AIT) eine europaweite Vorreiterrolle ein. Wir analysieren konkrete Strategien bereits jetzt direkt im Feld, noch bevor wir es müssen. Dadurch erarbeiten wir uns wertvolles Wissen und haben dann einen immensen Startvorteil“, erklärt Martin Graf, Vorstandsdirektor der Energie Steiermark. Die Deutsche Energieagentur (dena) hat in ihrer jüngsten Studie der Blockchain-Technologie im Rahmen der Energiewende eine zentrale Wachstumsrolle zugeordnet.

„Durch die Nutzung von lokal erzeugtem Strom wird das ansonsten immer stärker beanspruchte Stromnetz entlastet. Dadurch können wir als Netzbetreiber die Gebühren für alle Beteiligten verringern“, merkt Franz Strempfl, Geschäftsführer der Energienetze Steiermark GmbH, abschließend an.

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