Mittwoch, 18. September 2019
Multimedia-Kommentar E&W 6/2019

Vorsicht, Monokultur!

Multimedia |Wolfgang Schalko | 09.06.2019 | |  
Als Waldviertler wie ich hat man – nomen est omen – jede Menge Bäume vor seiner Haustür. Trotz der enormen Anzahl offenbart sich bei näherer Betrachtung jedoch ein Problem: Es handelt sich dabei fast ausschließlich um Fichten. Ein klassisches Beispiel für eine Monokultur also, vor deren Gefahren Experten seit Jahren gewarnt hatten. Und dann kam der Borkenkäfer…

Was das für die Waldviertler Wälder (und nicht nur diese) bedeutete, dürfte aus den Medien hinlänglich bekannt sein. Einst stolze Forste und Baumkulturen mussten hektarweise abgeholzt und zu Spottpreisen verramscht werden. Für die Besitzer wahrlich kein Vergnügen.

Der Fehler liegt auf der Hand: Man hat es sich – aus durchaus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründen – zu einfach gemacht, die Zeichen der Zeit ignoriert und keinen Plan B entwickelt. Was in der Landwirtschaft – im Waldviertel im Kleinen und auf den Obst- und Gemüseplantagen dieser Welt im Großen – zu beobachten ist, findet sich in ähnlicher Form auch in der Elektrobranche. „Alles aus einer Hand” lautet das verheißungsvolle Prinzip, das mit Vorteilen für alle Beteiligten – als eine Win-Win- oder gar Win-Win-Win-Situation – für sich wirbt. Dass dieses Prinzip nicht immer ganz freiwillig zur Anwendung kommt, machen die jüngsten Entwicklungen und Übernahmen in der Branche deutlich. Was freilich nichts daran ändert, dass der Handel damit konfrontiert ist, alleine wegen der sich auch in unserer Branche fortsetzenden Marken- und Herstellerkonzentration.

Aus Sicht des Herstellers oder Lieferanten machen Zusammenführung und Zentralisierung natürlich Sinn: Neben den Skaleneffekten in Produktion, Verwaltung und Logistik profitieren die einzelnen Bereiche von gegenseitigem Wissenstransfer und dem Beseitigen von Doppelgleisigkeiten. Hier sprechen wir nicht von Peanuts, sondern von Millionenbeträgen. Auf der anderen Seite ist auch für den Händler eine verlockende Option, seinen bürokratischen Aufwand zu reduzieren, einen zentralen Ansprechpartner zu haben sowie Umsatzziele und Bonusstufen leichter zu erreichen. Daher ist es durchaus verständlich, warum viele freiwillig das „Alles-aus-einer-Hand”-Prinzip bevorzugen. Oder um bei einem landwirtschaftlichen Beispiel zu bleiben: Natürlich ist es bequem für die Kuh, immer zur selben Tränke zu trotten. Den Weg dahin findet sie bald blind und wird daher fortan weder nach rechts noch nach links blicken – blöd nur, wenn die Quelle dann eines Tages versiegt oder auch nur ein Stück weit versetzt wird…

Denn die große, vielfach existenzielle Gefahr besteht darin, dass dieses zentralistische Prinzip eine enorme Abhängigkeit erzeugt. Die noch dazu meistens einseitig ist. Anders gesagt: Man bezahlt hier Bequemlichkeit und Komfort mit Erpressbarkeit. Das sollte einem stets bewusst sein. Ein „Plan B” – zumindest in der Hinterhand – ist daher ratsam. Wenngleich ich zugeben muss, dass sich die Suche nach Optionen und Alternativen zusehends schwieriger gestaltet.

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