Mittwoch, 18. September 2019
Editor's ChoiceHot![UPDATE] Namenlos und „ausgeblutet”

Loewe stellt (vorübergehend?) den Betrieb ein

Multimedia |Wolfgang Schalko | 25.06.2019 | | 8  
Herber Rückschlag für die Sanierungspläne von Loewe: Die TV-Schmiede muss ins Regelinsolvenzverfahren wechseln und per 1. Juli den Betrieb – zumindest vorläufig – einstellen. Herber Rückschlag für die Sanierungspläne von Loewe: Die TV-Schmiede muss ins Regelinsolvenzverfahren wechseln und per 1. Juli den Betrieb – zumindest vorläufig – einstellen. (© Loewe) Beim Kronacher Traditionsunternehmen zieht sich die Schlinge immer enger: Heute hat die Geschäftsführung eine Mitteilung veröffentlicht, dass die Sicherungsgläubiger ein notwendiges Massedarlehen nicht gewährt hätten – mit der Konsequenz, dass man vom Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung in das Regelinsolvenzverfahren wechselt und mit 1. Juli den Geschäftsbetrieb ruhend stellt. Die Investorensuche soll aber weitergehen.

„Leider konnten wir, anders als bei unseren Kunden und Lieferanten, den für eine Aufrechterhaltung des operativen Geschäftes erforderlichen Rückhalt in Form der Gewährung eines Massedarlehens bei unseren Sicherungsgläubigern nicht finden. Wir sind daher aus insolvenzrechtlichen Gründen zum Schutz unserer Gläubiger verpflichtet, den Geschäftsbetrieb voraussichtlich zum 01.07.2019 vorläufig bei geringster Kostenlast ruhend zu stellen. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass der initiierte Investorenprozess fortgesetzt werden kann“, betont der Vorsitzende der Loewe Geschäftsführung Ralf Vogt in der Aussendung.

Die Loewe Geschäftsführung habe sich in Abstimmung mit der Sachwaltung – auch aus haftungsrechtlichen Gründen – in der vergangenen Woche dazu entschlossen, den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zurückzunehmen und in das Regelinsolvenzverfahren zu wechseln. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rüdiger Weiß von der Kanzlei WallnerWeiß bestellt. Bis zum 01.07.2019 sind sowohl die Zahlungen der Löhne und Gehälter im Rahmen von Insolvenzgeld, wie auch die Aufrechterhaltung des operativen Geschäftes sichergestellt.

Ein Hauch von (Zweck-)Optimismus

In der Mitteilung wird ausdrücklich nochmals auf das im Rahmen der Eigenverwaltung erarbeitete Zukunftskonzept hingewiesen, das auch die Grundlage für den Investorenprozess bildet. Man habe neue Entwicklungs-Partnerschaften im Audio- und TV-Bereich aufgebaut, die Grundlagen für den Aufbau des Online- und Omni-Channel-Vertriebs gelegt, die spezifischen Maßnahmen zur Stärkung des klassischen Fachhandelsgeschäftes weiterentwickelt, die weltweite Auslizenzierung der Marke für smarte Produkte vorangetrieben und überdies die notwendigen Grundlagen für den Aufbau eines Fulfillment-Centers für Elektronik- und Softwarelösungen in Kronach geschaffen (das aus dem heutigen Produktionsbereich entwickelt werden soll).

„Wir haben sehr hohen positiven Zuspruch bei unseren Partnern auf Kunden- und Lieferantenseite erhalten. Unsere Partner haben uns für die Zukunft vollste Unterstützung zugesagt und diese in den letzten Wochen bereits unter Beweis gestellt“, so Vogt weiter. „Unabhängig von der Verfahrensart wird die Geschäftsführung auch im Regelverfahren den anstehenden Investorenprozess unterstützen und an der Umsetzung des beschriebenen Zukunftskonzeptes arbeiten.“

Dazu ergänzt Peter Nortmann, Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing: „Loewe wird weiterhin alles daransetzen, für unsere langjährigen Distributionspartner und Endkunden eine starke und überzeugende Marke zu bleiben, schnell wieder in die volle Lieferfähigkeit zurückzukehren und sich im Markt attraktiv zu positionieren. Zudem werden wir zusammen mit Partnern beginnen, im internationalen Bereich die Stärken der Premiummarke Loewe über Lizenzgeschäfte mehr als bisher zu nutzen.“

[UPDATE] Namenlos und „ausgeblutet”

Neben finanziellen Mittel fehlt Loewe offenbar noch etwas Grundlegendes für die Fortführung des Unternehmens: der Markenname. Laut Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß hat Loewe den Zugriff auf seine Markenbezeichnung verloren, da diese an den Finanzinvestor RiverRock verpfändet wurde. Die britische Investmentgesellschaft ist demnach mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag Hauptkreditgeber bei den Kronachern und zugleich der mit Abstand größte Gläubiger. Der Kreditzins soll übrigens bei rund 20 Prozent liegen – was Weiß aufgrund der der schwierigen Lage bei Loewe als „durchaus angemessen” bezeichnete. Schließlich habe es von den Banken kein Geld mehr gegeben, da sei RiverRock eingesprungen.

Heftige Kritik an dem Vorgängen bei der TV-Schmiede kam von der IG Metall. „Es deutet einiges darauf hin, dass der Finanzinvestor RiverRock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen”, erklärte Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. Und der Coburger IG Metall-Chef Jürgen Apfel sagte in einem Zeitungsinterview auf die Frage, ob für Loewe in Kronach das endgültige Aus drohe: „Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch.” Durch das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, dessen Genehmigung vom Amtsgericht ihm ohnehin „völlig unverständlich” sei, habe man „wertvolle Zeit verloren, die ein echter Sanierer in einem richtigen Insolvenzverfahren gut hätte nutzen können.” So stehe man nun vor der „absurden” Situtaion, dass Investorensuche nicht vorankomme, obwohl fast zehn Anfragen vorliegen würden.

Kommentare (8)

  1. Warum im Header „vorübergehend“?
    Schade um Loewe aber die Aussage erinnert mich an die Falschaussagen wie „Wir schreiben Gewinne“, „Das Geschäft läuft toll“etc…..
    Wir haben jetzt andere Probleme und die Ehrlichkeit sollte mal im Vordergrund stehen.

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    1. Lieber Händler. WERTGARANTIE übernimmt für Kunden mit dem WERTGARANTIE Komplettschutz die Gewährleistungs- und Garantiekosten die LOEWE nicht übernimmt.
      Der WERTGARANTIE Komplettschutz kann sowohl für Neu-als auch Gebrauchtgeräte abgeschlossen werden.
      Bei Fragen stehen die WERTGARANTIE Aussendienst Mitarbeiter gerne zur Verfügung.

      E&W Presselink:
      https://elektro.at/2019/07/04/loewe-gewaehrleistung-wertgarantie-springt-ein/

  2. Die Geräte sind nicht blöd gemacht – vor allem für das ältere Publikum.
    Wer z. B. Kombiempfang aus Sat, Kabel, Antenne hat braucht nicht lang umschalten, nein, alles in einer Liste. Außerdem fragen die Geräte nicht nach irgendwelche Updates.

    Natürlich sind die Geräte für die meisten zu teuer, nichtsdestotrotz sehr niederschmetternd, da hier echte Qualität verloren geht.

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  3. Selbstüberschätzung und Platituden des Managements verkaufen halt keine Fernseher … wer hätte das geglaubt.
    Ich wünsche der Marke (ohne dem katastrophalen Management) alles Gute und hoffe für alle Kunden und Händler das bestmöglich … dann aber unter neuer Führung …. einer Führung die der Marke gerecht wird.

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