Freitag, 13. Dezember 2019
Studie zeigt anhaltend großen Bedarf

WK Wien: Betriebe suchen 12.400 Techniker

Die Branche | Wolfgang Schalko | 13.11.2019 | Downloads | |  
WKW-Präsident Walter Ruck (li.) und Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky präsentierten plakativ die Kernaussage der im Zweijahresrhythmus durchgeführten Studie. WKW-Präsident Walter Ruck (li.) und Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky präsentierten plakativ die Kernaussage der im Zweijahresrhythmus durchgeführten Studie. (© WKW/Wieser) Fundiert ausgebildete Mitarbeiter sind und bleiben für Wiens Wirtschaft ein zentraler Erfolgsfaktor. „Wer über eine solide Ausbildung verfügt, findet auch künftig gute Karrierechancen in den Wiener Unternehmen vor“, sagte Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer (WK) Wien, als Resümee der Bildungsbedarfsanalyse 2019. Makam Research hat dafür 1000 der größten Wiener Unternehmen mit 65.000 Mitarbeitern (= 15% der Wiener Arbeitnehmer) befragt, wie sie die Entwicklung der Nachfrage nach Absolventen der verschiedenen Schulformen einschätzen.

„Vor allem für Techniker bleiben die Berufsaussichten hervorragend“, fasste WKW-Präsident Walter Ruck ein zentrales Ergebnis der Analyse zusammen. In den nächsten drei bis fünf Jahren suchen die Wiener Betriebe insgesamt 12.400 Techniker – und zwar aus allen Ausbildungswegen, Lehrlinge ebenso wie Absolventen von HTL, technischen Fachhochschulen und universitären Technik-Ausbildungen. An Absolventen von Fachhochschulen herrscht generell großes Interesse: Drei von zehn Betrieben wollen in den nächsten Jahren mehr davon beschäftigen.

Mehr Praxisbezug und Wirtschaftsnähe in der Ausbildung gefordert

In der Befragung wurden die Betriebe auch nach ihren Verbesserungswünschen an die Ausbildungseinrichtungen gefragt. Das Ergebnis: Die Betriebe wünschen sich mehr Praxisbezug und Wirtschaftsnähe in der Ausbildung – und zwar quer über alle Schul- und Hochschulausbildungen. Die Lehr- und Studienpläne müssten sich stärker an der Arbeits- und Lebenswelt orientieren, sagte Ruck dazu. „Nur so kann die Ausbildung in Schulen und Hochschulen mit den Anforderungen der Wirtschaft Schritt halten.“

„Die vorliegende Studie der Wirtschaftskammer Wien zeigt sehr deutlich, wo der Bedarf der Wiener Wirtschaft liegt: Sie wünschen mehr Technikerinnen und Techniker und vor allem mehr Schulen und Ausbildungsplätze mit Praxisbezug“, betonte Wiens Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky. „Dazu kommt, dass Wien eine wachsende Stadt ist: Wir haben allein in den letzten fünf Jahren 530 neue Klassen im Pflichtschulbereich geschaffen, jetzt braucht es auch neue Schul- und Ausbildungsplätze in Bundesschulen und zusätzliche Lehrstellen!“

Die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen wird in den nächsten 15 Jahren in Wien um rund 10.000 Jugendliche wachsen. „Für diese Jugendlichen braucht es Ausbildungsplätze vor allem auch in berufsbildenden Schulen: Die letzte große Erweiterung einer HTL war vor knapp 20 Jahren die HTL Rennweg. Eine komplett neue HTL hat in Wien zuletzt vor über 30 Jahren in der Ungargasse eröffnet. Wenn Jugendliche keinen Schulplatz finden und keine am Arbeitsmarkt brauchbare Ausbildung machen können, führt der Weg direkt in eine steigende Jugendarbeitslosigkeit“, so Czernohorszky. „Von der neuen Bundesregierung wünsche ich mir deshalb mehr Investitionen in Schulen und Ausbildungsplätze!“

Ausbildungsreife der Schulabgänger sicherstellen

Die Lehrlingsausbildung ist und bleibt für die Wirtschaft eine wichtige Schiene, um qualifizierte Fachkräfte heranzubilden. Die Analyse zeigt aber auch, dass Betriebe immer wieder über das unzureichende Bildungsniveau der Bewerber klagen. Im letzten Jahr konnte ein Fünftel aller ausbildenden Betriebe nicht alle offenen Lehrstellen besetzen – hochgerechnet sind das bis zu 600 Lehrstellen. Ruck ortet Defizite bei den Grundkompetenzen und erneuert die Forderung, die Ausbildungsreife der Schulabgänger sicherzustellen. „In der Lehrausbildung kann nicht nachgeholt werden, was davor versäumt wurde“, so Ruck. Die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen sei ein gemeinsames Anliegen der Wirtschaft und der Stadt. „Positive Effekte aus der bestehenden Ausbildungspflicht müssen verstärkt werden“, betonte Czernohorszky. Denn einem Jugendlichen, der das Schulsystem ohne Ausbildung und gefestigte Grundkompetenzen verlässt, bleiben viele Türen verschlossen.

Arbeitswelt wird durch die Digitalisierung verändert

Auch die Auswirkungen der Digitalisierung wurden abgefragt. 86% der Wiener Unternehmen fühlen sich davon betroffen – je größer, umso stärker. Hohen Einfluss erwarten sie von den Themen Informationsgenerierung, Datensicherheit und Digitalisierung der Arbeitsprozesse. Das wird auch zu Änderungen an die Anforderungen an die Mitarbeiterkompetenz führen. Die Betriebe sehen künftig vor allem die Bereitschaft der Mitarbeiter zur Weiterbildung, den Bereich Qualitätssicherung, die Kreativität der Mitarbeiter und ihr Umgang mit digitalen Werkzeugen gefordert. „Digitale Kompetenzen werden noch stärker zum Schlüsselfaktor. Deshalb ist es wichtig, dass die Vermittlung von E-Skills in allen Ausbildungswegen gestärkt wird“, betonte Ruck.

Die komplette Bildungsbedarfsanalyse finden Sie beigefügt als PDF zum Download.

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Bildungsbedarfsanalyse 2019

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