Sonntag, 19. Januar 2020
Bevölkerung bei der Energiewende weiter als Politik

Umfrage: Österreicher wollen ambitionierte Klimapolitik

Hintergrund E-Technik | Dominik Schebach | 19.12.2019 | Bilder | |  
Die Österreicherinnen und ÖSterreicher fordern eine rasche Energiewende. Die Österreicherinnen und ÖSterreicher fordern eine rasche Energiewende. (© EEÖ) Wenn es um wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz geht, verstecken sich derzeit viele Politiker hinter der „Bevölkerung“. Nach einer vom Dachverband für Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) durchgeführten Studie sind allerdings zwei Drittel der Bevölkerung unzufrieden mit der aktuellen Energie- und Klimapolitik und erwarten sich auf allen Ebenen wirkungsvolle Maßnahmen von ihren Volksvertretern.

„Es besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen dem, was die österreichische Bevölkerung wünscht, und was die heimische Politik schließlich umsetzt“, erklärt Erneuerbaren Energie Österreich-GF Florian Maringer heute vor Journlaisten in Wien. „Die Bevölkerung will Erneuerbare, und die Politik muss das ermöglichen. Erneuerbare Energien gehören zu den einfachsten und am schnellsten wirksamen Maßnahmen für den Klimaschutz. Es braucht mehr, aber bis 2030 können wir über 60% des österreichischen Energieverbrauchs mit Erneuerbaren abdecken und Österreich auf einen klimatauglichen Kurs bringen.“

Er stützt sich auf eine Online-Befragung von 1.000 Österreichern, deren Ergebnisse heute die EEÖ und das Klimavolksbegehren in Wien präsentiert wurde. Demnach ist das Thema Klimaschutz in allen Bevölkerungsgruppen und jeder Altersklasse angekommen. 78% der Österreicherinnen und Österreicher fordern demnach eine rasche Energiewende. Dabei setzen sie mehr auf Anreize und Förderungen. So wollen vier Fünftel eine verstärkte Förderung für erneuerbare Energien. Steuern auf fossile Brennstoffe wird dagegen mehr Skepsis entgegengerbacht, wie Paul Unterhuber von Umfrageinstitut Demox Research erklärte, der die Befragung durchgeführt hat. So sind 52% gegen höhere Energiesteuern, aber nur 42% dafür. Andererseits können sich mehr als 60% der Befragten ein Verbot von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl oder Erdgas vorstellen. Generell geben die Österreicher (62%) allerdings eher Instrumenten wie einem Ökobonus für klimafreundliches Verhalten (finanziert aus höheren Abgaben für klimaschädliches Verhalten) den Vorzug. „Der wahrgenommene Bedarf an Maßnahmen zeigt sich angesichts der Unterstützung eines Ökobonus sowie anhand der Ablehnung von mehr Zeit für die Energiewende“, fasst Unterhuber die Ergebnisse der Umfrage zusammen.

Maßnahmenstau abbauen

Maringer wünscht sich deswegen klare Rahmenbedingungen, für den Ausbau alternativer Energieerzeugung: „Der Maßnahmenstau bei der Energiewende muss abgebaut werden. Denn eines ist klar, je länger wir zuwarten, desto teurer wird es für die Gesellschaft. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen muss allerdings die Politik schaffen.“ Dazu gehöre ein klarer Plan für den Ausbau aller Formen der erneuerbaren Energieerzeugung und ein ebenso klarer Plan zum Ausstieg aus den fossilen Energieträgern. Mit einem rechtzeitigen Signal an die Wirtschaft könnte man auch die verschiedenen Branchen wie Elektro- und Elektroniksparte, Haustechnik oder Fahrzeugindustrie an die neue Wirklichkeit heranführen und erspare sich langfristig viel Stress im System. Auch dürfe man auch seitens der Politik den Widerspruch gegen einzelne Projekte nicht mit einem grundsätzlichen Widerstand gegen die Ziele der Energiewende verwechseln, ist Maringer überzeugt.

Klarer Auftrag

Unterstützung erhielt Maringer, von Katharina Rogenhofer, Sprecherin des Klimavolksbegehrens: „Seit einem Jahr fordern Menschen auf der Straße und durch das Klimavolksbegehren mutige Schritte in der Klimapolitik. Bisher wurden der Bevölkerung aber nur unzureichende Pläne präsentiert. Das Ergebnis dieser Umfrage ist für mich ein klarer Auftrag der Menschen an die zukünftige Bundesregierung. Ansonsten stellt sich die Frage, für wen die österreichische Politik arbeitet. Für die Bevölkerung oder die fossile Lobby?“

 

 

 

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EEÖ-GF Florian Maringer, Katharina Rogenhofer, Sprecherin des Klimavolksbegehrens und Paul Unterhuber, Demox Research stellten heute die Ergebnisse der repräsentative Umfrage zur Sicht der Österreicher auf die Energiewende vor.
EEÖ-GF Florian Maringer, Katharina Rogenhofer, Sprecherin des Klimavolksbegehrens und Paul Unterhuber, Demox Research stellten heute die Ergebnisse der repräsentative Umfrage zur Sicht der Österreicher auf die Energiewende vor.

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