Mittwoch, 1. April 2020
Zum Abschied ein letztes Editorial

Danke, schön war´s!

Die Branche | Andreas Rockenbauer | 08.03.2020 | Bilder | | 9  

Andreas Rockenbauer
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...” Diese Zeile des Gedichts „Stufen” von Hermann Hesse ist vielen Menschen bekannt, weil sie uns in den verschiedensten Kontexten immer wieder um die Ohren gehauen wird. Den Rest kennt man kaum. Das ist schade, denn da heißt es etwa auch: „Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise, und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen. Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.” Und am Ende: „Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden... Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!” Allerdings gebe ich zu, dass es nicht Hesse war, der mir als erstes eingefallen ist, als ich über dieses – mein letztes(!) – Editorial nachgedacht habe. Es war eher ein profanes Stück Pop/Rock-Geschichte, das es mir diesbezüglich angetan hat.

In Bob Segers Song  von 1978 „Still the same” kommt eine Textzeile vor, die mir schon seit Jahren nicht aus dem Kopf gehen will, weil sie auf ganz unprätenziöse Weise eine tiefe Wahrheit enthält. „The trick you said, was never play the game too long”, heißt es dort.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Dies hier ist mein allerletztes Editorial. Und jetzt, wo ich diese Worte vor mir auf dem Bildschirm sehe, scheinen sie eine Ungeheuerlichkeit auszudrücken, die ich noch vor gar nicht so langer Zeit für völlig ausgeschlossen gehalten hätte. Was ist passiert? Was wird passieren? Die Antwort auf diese Fragen möchte ich gerne geben und gleichzeitig einen Blick über die Schulter werfen – auf fast 30 Jahre Branchenerfahrung. Mir aber auch das Aktuelle vergegenwärtigen, zum Drüberstreuen ein paarmal Danke sagen und gleichzeitig mit meiner Enttäuschung über die eine oder andere Entwicklung nicht hinter dem Berg halten.

Meine Familie und meine Freunde wissen, dass der Journalismus nicht meine erste Berufswahl war. Ich wollte Physiker werden, kippte aber, wie es das Schicksal haben wollte, mit 15 Jahren so richtig in die Computer-Technik. Für die Physik wäre meine mathematische Begabung wohl nicht ausreichend gewesen, aber das Informatik-Studium schien wie gemacht für mich.

Allerdings besserte ich mir nebenbei mein Taschengeld mit Geschichten für die E&W auf. Für eine ganz besondere Fachzeitschrift, die mein Vater, meine Mutter und der gemeinsame Freund Fritz Knöbl aus Frust über die schlecht gemachten Magazine, die sich Anfang der 1980er am österreichischen Markt tummelten, mutig aus der Taufe gehoben hatten.

Da fällt mir ein prägendes Erlebnis von der Funkberater-Tagung in Innsbruck ein, irgendwann in den späten achtziger Jahren. Die Marke Red Zac war noch nicht mal eine vage Idee und Chef war damals ein gewisser Mag. Ingolf Gruber. Ich sollte für Philips den Händlern „Multimedia-PCs” präsentieren. Das war ganz lustig, aber mit der Zeit auch etwas langweilig.

Im Laufe der Tagung bekam ich mit, dass plötzlich immer mehr Händler in einen großen Vortragssaal verschwanden. Nachdem ich neugierig geworden war, mischte ich mich unter die Funkis und suchte mir ebenfalls einen Platz. Was ich nicht wusste war, dass ich mich in die Generalversammlung geschmuggelt hatte und die Kooperationen damals noch sehr darauf bedacht waren, sich eher wie Geheimbünde als Einkaufsgenossenschaften zu verhalten.

Nach ein paar einführenden Worten von Gruber wurden Mappen mit wichtigen Unterlagen ausgeteilt. Dabei kam eine der Mitarbeiterinnen auf ihrem Weg durch die Reihen auch zu meinem Platz. Während ich schon die Hand nach den begehrten Informationen ausstreckte, hielt diese plötzlich inne, machte auf dem Absatz kehrt, hastete zu Gruber und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Daraufhin unterbrach dieser seine Ausführungen, um die Anwesenden in dramatischem Tonfall vor der Infiltration der Veranstaltung zu warnen.

Es seien, so der Funki-Chef, Menschen im Raum, die hier nichts zu suchen hätten. Industrie oder Presse, das sei noch nicht klar. Jeder solle sich bitte seine beiden Nachbarn anschauen und sofort Alarm schlagen, wenn da jemand Unbekannter hockte. Ich nützte den folgenden kurzen Tumult, um mich schleunigst aus dem Staub zu machen und mit klopfendem Herzen wieder meinen Philips-Computern zu widmen. Das war wohl eine Art Initiationserlebnis für mich und hatte eine Neugier geweckt, wie sie noch heute in mir steckt.

Dennoch war es eher Familienräson und auch ein wenig Enttäuschung über das desillusionierende Konzernleben in meinem ersten Job nach dem Studium als Software-Entwickler bei Alcatel, die mich schließlich dazu bewogen, meine geliebte Beschäftigung mit dem Computer gegen das Verlagsgeschäft einzutauschen. Am Anfang etwas widerwillig, dann – spätestens mit der Ära der Mobilfunker Mitte der 1990er und nach einem legendären Erlebnis mit dem ersten max.mobil-Chef Hansjörg Tengg – mit großer Begeisterung. Zum Journalisten wurde ich in der (harten) Praxis von meinem Vater ausgebildet, das kommerzielle Handwerk hat mir meine, stets im Hintergrund für eine gesunde Unternehmensbasis sorgende Mutter beigebracht.

Branche und Medium sind mir über die Jahre ans Herz gewachsen und haben mein Leben bestimmt. Unzählige Kontakte mit Händlern, Industriemanagern und Branchenvertretern möchte ich nicht missen, viele menschlich und fachlich schöne Begegnungen sind daraus hervorgegangen. Ebenso wie einige enge Freundschaften, die bis heute halten und gewiss noch viele Jahre halten werden.

Während meiner ersten journalistischen Gehversuche passierte – fast möchte ich sagen – etwas Magisches, das mich nachhaltig geprägt hat:  Ich spürte, dass nahezu jede Beschäftigung und jedes Thema, wenn man bereit ist, sich voll und ganz darauf einzulassen und sein bestes zu geben, unglaublich interessante Facetten hat und einen rasch in seinen Bann ziehen kann. Plötzlich fesselten mich Dinge, von denen ich mir nie hätte vorstellen können, dass sie mich einmal interessieren würden. Es war eine schöne Zeit.

Im September 2002, bekam ich plötzlich die Chance, mein erstes Editorial zu verfassen. Ich glaube, das war einer der größten Vertrauens- und Wertschätzungsbeweise meines Vaters, der – sagen wir´s mal so – Zeit seines Lebens vieles grandios gemacht hat, das Zeigen von Gefühlen jedoch nicht eine seiner Kernkompetenzen war. Meine anfängliche Scheu vor den übermächtig scheinenden Schuhen, in die ich schlüpfen musste, wich rasch echter Begeisterung. Ich hatte Spaß daran, Monat für Monat jenen Platz zu füllen, den mein Vater mit seinen stets pointiert geschriebenen Analysen zur Befindlichkeit der Branche geadelt hatte, und genoss es, auf sehr persönliche Weise preiszugeben, was mir gerade durch den Kopf ging.

Wieviele Menschen meine Editorials tatsächlich gelesen haben, weiß ich bis heute nicht. Aber jeder einzelne, der mir in den vergangenen 18 Jahren zu verstehen gegeben hat, meine Gedanken ernst zu nehmen und „meine” Seite 3 mit Interesse – vielleicht sogar mit ein wenig Genuss – zu lesen, hat mich motiviert und mir viel Kraft gegeben. Ich weiß noch, wie mir ein Händler aus dem Westen Österreichs, während wir beide nebeneinander das Urinal einer Toilette des Linzer Design Centers benutzten, mitteilte, dass ihm mein letztes Editorial sehr gut gefallen und ihm aus der Seele gesprochen habe. Ich glaube, ich war derart verblüfft, dass ich ihm gar nicht sagen konnte, was er gerade mit meiner Seele gemacht hatte…

Fast unmerklich zunächst, schließlich unübersehbar, hat sich unsere Branche bis zur Unkenntlichkeit verändert. Ab den 2010er Jahren, so will es mir scheinen, gar mit rasender Geschwindigkeit. Das hat Spuren hinterlassen. Als ich angefangen habe, bei Interviews immer öfter die Antworten meiner Gegenüber zu erraten, noch bevor ich die Frage gestellt hatte, weil immer mehr Manager begannen, mit hohlen Phrasen und vielen Worten immer weniger zu sagen, begann ich mir die Frage zu stellen, ob es das nun gewesen war. Die Antwort lag auf der Hand: Nein! Das durfte nicht das Ende vom Lied sein.

Was paradoxerweise mit den tendenziell substanzloser werdenden Gesprächen einherzugehen schien (Ausnahmen bestätigen die Regel), waren die häufigen Interventionsversuche á la „Aber bitte nicht schreiben”. Damit mich niemand falsch versteht: Die motivierende Vertrauensbasis, die ich und mein mir liebgewonnenes Team uns zusammen über all die Jahre mühsam aufgebaut haben, führt zwangsläufig dazu, dass einem immer wieder Dinge erzählt werden, die Der- oder Diejenige aus naheliegenden Gründen nicht veröffentlicht sehen möchte. Das ist auch völlig okay so. Denn diese Art der Hintergrundinformation ist das Lebenselixier für jeden guten Journalisten. Und das Medium dahinter…

Übrigens warne ich seit zwei Jahrzehnten jeden frisch eingestellten E&W-Redakteur, dass – wer immer eine vertraulich gegebene Information gegen den Wunsch des Informanten veröffentlicht – sich in der Sekunde einen neuen Job suchen muss.

Was mich aber in diesem Zusammenhang richtig nervt ist, dass dieses „Aber bitte nicht schreiben” mittlerweile als fast automatischer Zusatz zu völlig alltäglichen Bramchen-Informationen daherkommt und mit der kurzsichtigen Unsitte einhergeht, immer nur Jubelmeldungen über sich, seine Marke und seine Produkte veröffentlicht wissen zu wollen. Dabei wird jedoch übersehen, dass ein Medium, das bloß ungefilterte (und oft völlig unglaubwürdige) Jubelmeldungen bringt, um gnadenhalber ein paar Werbe-Euros einstreifen zu dürfen, für die Leser ganz rasch nicht mehr interessant ist und am Markt nichts mehr zu suchen hat. Das Ende des Liedes: Jede Menge frei flottierender Gerüchte, die sich nicht kontrollieren lassen und auch nicht redaktionell „eingefangen” und versachlicht werden können, weil ja dann kein Medium mehr da ist, das ernsthaft und substanziell darüber berichten könnte.

Es ist eine Mär, dass nur „bad News” „good News” sind. Diese Fehleinschätzung hält sich derart hartnäckig, weil Menschen im Allgemeinen mit guten Nachrichten  bloß solche assoziieren, die durch Interessen gesteuert – also plumpe Gefälligkeits-News – sind. Dabei sind das einzige, was wirklich zählt, interessante(!) Nachrichten. Das können „good News” genauso sein wie „bad News” – relevantes Kriterium ist allein das Maß der Überraschung beim Leser. Leider ist diesbezüglich schlaue Professionalität die Ausnahme.

In jüngster Vergangenheit hat es mich darüber hinaus in einigen Fällen auch menschlich getroffen, dass uns Unternehmen, mit denen uns eine jahrzehntelange Partnerschaft verbindet, verstärkt als Selbstbedienungsladen zu sehen scheinen, in dem Lohnschreiber allzeit bereit zur Verfügung stehen, um die konzerneigenen Jubelmeldungen gekonnt in Szene zu setzen. Parallel dazu, und das ist das Perfide daran, von eben diesen Unternehmen Marketingbudgets bis zur Lächerlichkeit zusammenkürzt werden. Ja, ich spreche auch von einem Marktführer mit großem Österreichbezug und Tradition, der drauf und dran ist, sich bis zur Unkenntlichkeit zu transformieren.

Im Herbst 2013 – unter dem Eindruck der beschriebenen Entwicklungen und des Todes eines mir nahestehenden Menschen – habe ich spontan einen Schritt getan, den ich erst für die Zeit meiner Pension ins Auge gefasst hatte und der rückblickend betrachtet vieles in eine neue Richtung gelenkt hat: Ich begann mit dem Philosophie-Studium. Zunächst noch ohne zu wissen, was mich erwarten würde, dann von Semester zu Semester immer faszinierter von dieser ganz eigenen Welt der intellektuellen Auseinandersetzung mit allen Facetten von Mensch und Gesellschaft. Manchmal ziemlich abgedriftet in abstrakten Überlegungen, oft jedoch auch überraschend praxisnah.

Wenn mir die offensichtlichen Hirnrissigkeiten unserer Branche, die Respektlosigkeiten einiger Industriemanager und die ewig gleichen Forderungen ohne jede Gegenleistung zuviel wurden, dann bin ich immer öfter in die philosophische Welt eines Uni-Hörsaals oder Seminarraums abgetaucht. Und habe mich dort nach und nach etwa auf die Zusammenführung von Informatik und Philosophie in Fragen der künstlichen Intelligenz und der Möglichkeit von maschinellem Bewusstsein sowie auf damit zusammenhängende ethische Fragen spezialisiert.

Mir war immer bewusst, dass Routine für einen Unternehmer ebenso toxisch ist wie die Überzeugung, dass früher alles besser war. Journalist Thomas Vasek schreibt ganz richtig: „In einer komplexen Welt kann nur der überleben, der die ständige Bereitschaft zur Umkehr und Neuorientierung hat.” Neuorientierung dürfe jedoch niemals nur etwas Oberflächliches sein, sondern müsse mit einer inneren Veränderung einhergehen.

Da E&W seit der Gründung Anfang der 1980er Jahre stets ein – konzeptionell wie redaktionell und auch technisch – unglaublich innovatives Medium war, habe ich schon seit längerem gefühlt, dass sich wieder etwas tun muss. Ich wusste: Wir müssen uns neu orientieren, kreativ sein, mit unseren Lesern noch enger zusammenrücken, um unsere Zukunft und jene unserer Branche aktiv mitzugestalten. Immer öfter kamen mir dabei allerdings Zweifel, ob ich dafür noch der Richtige wäre. Zu weit wollten meine Gedanken immer wieder abschweifen zu Fragestellungen, die nur sehr indirekt etwas mit den drängenden Problemen unserer Branche zu tun haben.

Folgerichtig ging mir monatelang eine Idee im Kopf herum, deren Zeit noch nicht gekommen schien. Unter anderem, weil ich für ein paar praktische Probleme zunächst noch keine Lösung hatte: Ich wollte E&W und elektro.at in die Hände meiner Mitarbeiter entlassen. Wollte sie jenen in Eigenverantwortung übergeben, die zehn Jahre lang und mehr – Domink Schebach fast 17 Jahre – hart für den gemeinsamen Erfolg gearbeitet hatten. Irgendwann im vergangenen Jahr schien mir der rechte Zeitpunkt gekommen und ich begann, an der Umsetzung meiner Vision zu arbeiten. Das ist nun abgeschlossen.

Konkret werden Domink Schebach, Wolfgang Schalko und Mario Ernst ab 1. April sowohl E&W als auch elektro.at in Eigenregie führen und Steffi Bruckbauer wird ihnen dabei engagiert und kompetent zur Hand gehen. Im Zuge dessen werden die beiden Titel in ein neues Unternehmen – die E.P.I.K. Media GesmbH – ausgegliedert und sind dann mit mir und meinem Unternehmen nur noch lose verbunden.

Eine Frage bekam ich in den vergangenen Wochen von engen Freunden oft gestellt: „Was machst du ab dem 1. April?” Die kurze – vielleicht etwas schnoddrige – Antwort darauf lautet: Mir wird mit Sicherheit nicht langweilig. Die etwas ausführlichere ist, dass mein Unternehmen noch andere Standbeine hat, die mich auf absehbare Zeit weiterhin tüchtig beschäftigen werden. Außerdem habe ich einige Projekte im Kopf, die ich schon seit langem realisieren möchte und die ich aus Zeitmangel immer wieder auf die lange Bank schieben musste.

Selbstverständlich stehe ich den neuen Chefs von E&W und elektro.at jederzeit gerne zur Verfügung, sollten sie meinen Rat wollen. Außerdem werde ich mit großem Vergnügen das künftige Ediorial lesen und mich über die Umsetzung der vielen neuen und kreativen Ideen des neuen alten E&W/elektro.at-Teams freuen.

Lange habe ich überlegt, ob und gegebenenfalls bei wem ich mich bedanken sollte für eine wunderschöne, bereichernde und spannende Zeit. In fast 30 Jahren finden sich naturgemäß viele Menschen, mit denen man ganz besonders gute Gespräche geführt hat, mit denen man durch blindes Vertrauen verbunden war, die einem immer wieder geholfen haben, wenn es mal eng wurde oder die bloß durch ihre offene Wertschätzung für die wichtige Motivation gesorgt haben, Projekte wie E&W und elektro.at über so lange Zeit mit Freude zu führen. Das ist allerdings sehr glattes Parkett, weil man dabei unweigerlich jemanden vergisst und das nicht mehr wiedergutzumachen ist. Daher möchte ich mich, exemplarisch für die vielen mir ans Herz gewachsenen Mitstreiter und Freunde, auf nur fünf Menschen in ganz besonderen Positionen beschränken, die über einen langen Zeitraum wichtig für mich und E&W waren.

Einer davon ist Wolfgang Krejcik, dessen Engagement für die Branche von vielen zu gering geschätzt wird. Er ist ein herausragender, ausgesprochen menschlicher und mit erfrischendem Humor gesegneter Unternehmer, der sowohl meinem Vater als auch mir gegenüber stets Wertschätzung entgegengebracht hat und mit dem jedes Gespräch über die Branche nicht nur vergnüglich, sondern auch informativ war.

Manfred Müllner ist mir über all die Jahre ein enger und guter Freund geworden, mit dem ich nicht nur ganz hervorragend über die Branche, sondern auch über sehr Persönliches, die Welt und das Universum philosophieren konnte und dessen Scharfsinn mich jedesmal beeindruckt hat.

Franz Schlechta steht wohl exemplarisch für all das, was die Branche im vergangenen Jahrzehnt verloren hat und noch verlieren wird: Für den Top-Manager, der seine Händler ebenso wertschätzte wie seine Mitarbeiter, der aus seinem Herzen keine Mördergrube machte und hinter dessen Lockerheit und Humor sowohl großer Verstand als auch erfrischende Pragmatik steckte. Und der meinem Vater und mir immer ein Partner war, auf den wir uns 100%ig verlassen konnten.

Fritz Sobol ist wohl einer der Top-Handelsmanager in der Elektrobranche, mit dem ich mich unzählige Abende lang nicht nur der Völlerei hingegeben habe, sondern auch richtig gute Gespräche führen konnte. Ich kenne kaum jemanden, der sich derart akribisch über alles und jeden informiert, der gleichzeitig voller Visionen steckt und diese auch erfolgreich umsetzt(!).

Schließlich Anton Schalkamp, der begnadete Geschichtenerzähler, der mit seiner Hingabe, der Liebe zum Job, der Branche und dem Handel, jedes Gespräch zu einer spannenden Lehrstunde machte. Und der auch noch um drei Uhr Morgens an der Hotelbar bei einem Glas edlen Whiskys Weisheiten von sich gab, die ich nicht müde wurde, in einen meiner kleinen orangefarbenen Notizblöcke zu kritzeln. Dass sowohl Bose, als nun auch Revox auf seine Dienste verzichten ist eine Schande.

Einer meiner engsten Freunde, Alois Tanzer, hat mich vor vielen Jahren gebeten, mich beim Schreiben des Editorials etwas kürzer zu fassen, weil er, so gab er damals freimütig zu, die Seite 3 leidenschaftlich gerne auf dem Klo lesen würde, und er mittlerweile Angst hätte, durch meine ausufernden Texte Hämorrhoiden zu bekommen. Mein lieber Loisi, wenn du diesmal bis zum Schluss ausgeharrt hast, bin ich ehrlich stolz auf dich.

Aber jetzt ist es vorbei und du musst dich, was Wünsche bezüglich deiner Klolektüre betrifft, in Zukunft an Wolfgang Schalko oder Dominik Schebach wenden. Aber das können wir gemütlich bei einem Gläschen besprechen. Zusammen mit Hannes. Und Gerhard, Reini, Franz, Richi, Rudi, Horst, Erich, Thomas, Michael, Martin, Christian Uli, Jürgen, Alexander, Wolfgang, Peter usw. Also mit jenen Menschen, die ich hier zwar nicht groß erwähnt habe, die aber in meinem Herzen gespeichert sind – und in meiner Favoriten-Liste im Handy.

Während ich das schreibe, fällt mir gerade ein saugutes Editorial-Thema ein. Tja, zu spät. Dass mir einmal vor den Themen die Möglichkeit zur Veröffentlichung ausgehen würde, hätte ich mir auch nicht gedacht. Das Leben ist schon eine komische Sache. Unsere Branche auch… 😉

Bilder

Kommentare (9)

  1. lieber andreas,
    mögen alle deine wünsche – für dich und deine familie – in deinem „leben danach“ in erfüllung gehen. mach´s weiterhin guat !
    dein alter freund dieter (der vom moonlake)

    2
  2. Lieber Andreas !

    Der Name Rockenbauer wird in der Elektrobranche sehr fehlen !

    Aber so wie Du es auch schreibst, „es hat sich unsere Branche bis zur Unkenntlichkeit verändert“. Und auch wenn es vor einigen Jahren unvorstellbar gewesen wäre, dass ein „Rockenbauer“ mit E&W nicht mehr verbunden ist, so hätte sich dies niemand vorstellen können.
    Aber Veränderung ist der Grund, der uns jeden Tag vor neue Herausforderungen stellt, und uns als intelligente Wesen fordert, diese zu lösen.
    Es ist die Evolution, die es für jeden von uns zu meistern gibt, an jedem Tag in unserem Leben.
    Ich wünsche Dir persönlich, dass Du diese Evolution in der Zukunft zu deiner Zufriedenheit meistern wirst, und in deinem neuen Aufgabengebiet glücklich wirst.

    Danke für deinen tollen Einsatz und Deine Zeit für diese Branche, die Du und Deine Familie entscheidend mitgestaltet hast in den letzten 30 Jahren !

    Dem neuen – alten Team wünsche ich viel Erfolg für die Zukunft !

    Ich hoffe wir sehen uns mein Freund

    lg Christian Blumberger

    2
  3. Lieber Herr Röckenbauer. Ich hatte nur kurz das Vergnügen, aber sie werden mir immer als seriöser Medienprofi in Erinnerung bleiben. Die hohlen Phrasen kamen damals sicher auch aus meinem Munde, eine Schande eigentlich.
    Alles Gute und viel Erfolg weiterhin.
    Alois Schöninger

    2
  4. Gratulation dir und deinem Vater für das , was ihr aufgebaut habt und die guten Gespräche die dein Vater mit meinem Vater und wir beide führten!
    Alles Gute und wir sehen uns sicher wieder!

    4
    1. Lieber Alexander,
      herzlichen Dank für deine Wertschätzung – von Generation zu Generation sozusagen!
      Das nächste Gespräch wird nicht lange auf sich warten lassen… 😉

      2
  5. Ich begrüße den Philosophen in der anderen, auf stille Art womöglich intensiveren Welt, in der Verantwortung und Freiheit zwei gleiche Freunde sind.

    4
  6. Lieber Herr Rockenbauer,
    vielleicht ist es nicht ganz unpassend wenn ich als Erster meinen allerersten Kommentar zu Ihrem letzten Editorial verfasse.
    Ich verfolge schon seit einigen Jahrzehnten als stiller Leser die E&W und bin sogar in den letzten Jahren in die erfreuliche Situation gekommen mit Ihnen und Ihren Kollegen einige (für uns neue) Projekte umzusetzen.
    Die Gespräche und Diskussionen waren nicht bloß nett, sondern stets tiefgründig, informativ und auch unterhaltsam. Der ständige Termindruck hat leider nicht viele Treffen zugelassen, aber vielleicht ergeben sich zukünftig bessere Gelegenheiten…
    Ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute auf Ihrem weiteren Lebensweg und Ihren Nachfolgeteam trotz der zu erwartenden sehr arbeitsreichen Monate viel Erfolg und persönliche Erfüllung!
    Alles Liebe und Gute!!
    Christian Bairhuber

    6
    1. Lieber Herr Bairhuber,
      vielen Dank für Ihre lieben Worte! Das Kompliment kann ich nur zurück geben: Die Gespräche mit Ihnen haben mich mit Sicherheit nicht jobmüde gemacht 😉 – die waren immer wieder eine Bereicherung für mich! Das sind auch jene Dinge, auf die ich sehr gerne zurückblicke und die mir in Zukunft mit Sicherheit fehlen werden…
      Ich wünsche Ihnen auch alles Gute und viel Erfolg mit all Ihren Projekten!
      Andreas Rockenbauer

      2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.