Freitag, 5. Juni 2020
Multimedia-Kommentar E&W 4/2020

Zugpferd gesucht

Multimedia | Wolfgang Schalko | 05.04.2020 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Die Corona-Krise spielt uns gerade übel mit – aus medizinischer Sicht ebenso wie aus gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher. Erst recht haben haben uns die zur Eindämmung gesetzten Maßnahmen und deren Konsequenzen am sprichwörtlichen falschen Fuß erwischt. Natürlich konnte niemand eine solche Situation erahnen, geschweige denn sich darauf vorbereiten, doch gerade weil es auch eine Zeit „danach” geben wird, gilt es zumindest dafür die Weichen zu stellen.

2020 scheint für die Branche zur Berg- und Talfahrt mit besonders ausgeprägten Spitzen zu werden. Hatte das Jahr bei vielen Händlern noch vielversprechend begonnen, so folgte im März der Corona-bedingte Absturz. Aus heutiger Sicht (Stand: Anfang April) scheint sich auch keine so baldige Änderung der tristen Gesamtsituation anzukündigen. Doch eines ist gewiss: Diese Änderung wird kommen. Sie muss kommen. Denn bei allem notwendigen Schutz von Leib und Leben: Volkswirtschaftlich ist der momentane Zustand fatal und von daher nur eine sehr begrenzte Zeit aufrechtzuerhalten. „Nun – wenn Umkehren unmöglich und Stehenbleiben unerträglich ist, so bleibt kein anderer Ausweg als: Vorwärtsschreiten”, sagte schon der italienische Schriftsteller Alessandro Manzoni, zwar im 19. Jahrhundert, aber ungebrochen gültig. Doch was erwartet uns in der Zeit „danach”? Womit müssen wir rechnen? Was dürfen wir hoffen?

Man muss kein großer Prophet sein, um sagen zu können, dass es nach der Lockerung bzw Aufhebung der Notfallmaßnahmen – insbesondere des Betretungsverbots für stationäre Geschäfte – sehr rasch und sehr steil wieder nach oben gehen wird. Zwangsläufig muss es allein aufgrund des Bedarfs an Ersatzgeräten zu Nachziehkäufen kommen, die wohl noch dazu davon befeuert werden, dass die Menschen gerade sehr viel Zeit zum Nachdenken hatten – und der eine oder andere dabei sicher zähneknirschend feststellen musste, wo in Sachen Heimkino und sonstiger Unterhaltungselektronik dringender Verbesserungsbedarf besteht. Dazu kommt, dass sich die Gelegenheiten, das Geld – das trotz der angespannten Situation am Arbeitsmarkt in vielen Haushalten ausreichend vorhanden ist – anderweitig auszugeben, in den nächsten Monaten in Grenzen halten: Viele Großveranstaltungen mussten abgesagt werden und der Familienurlaub ist in der Prioritätenliste wohl auch ein ordentliches Stück nach unten gerutscht, um nur zwei Beispiele zu nennen. Da dürfte es sogar verschmerzbar sein, dass die sonstigen Zugpferde des Handels wie Fußball-EM und Olympia heuer ausfallen.

Denn dass sich selbst in der schwierigen Corona-Phase etwas bewegen lässt, haben beispielsweise all jene bewiesen, die beim Stichwort „Home Office” schnell geschaltet und die entsprechenden Produkte forciert haben. Ergo gilt es jetzt die Augen und Ohren offen zu halten bzw das eigene Oberstübchen zu bemühen, worauf der nächste Run erfolgen könnte. Bis dahin ein – wenn auch nur schwacher – Trost: Fernseher lassen sich übers Internet immer noch leichter verkaufen als Waschmaschinen.

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