Sonntag, 9. August 2020
Multimedia-Kommentar E&W 6/2020

Bleiben wir am Boden!

Multimedia | Wolfgang Schalko | 07.06.2020 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Das neue Zauberwort heißt „Cocooning”. Gemeint ist damit der Trend, sich zuhause einzuigeln und die eigenen vier Wände aufzuhübschen und wohnlich zu gestalten. Die Corona-Ausgangssperren und -Maßnahmen haben hier für viel Rückenwind gesorgt und dementsprechend groß sind die Hoffnungen, die in der Krise erlittenen Umsatzverluste auf diese Weise kompensieren zu können – von unserer Branche, allerdings auch etlichen anderen Branchen.

Um einordnen zu können, wie es um die Unterhaltungselektronik in der aktuellen Situation bestellt ist, erweist sich ein Blick auf das „Auswirkungsspektrum”, das die Corona-Krise bedingt hat, als hilfreich. Zwischen den Durch-Verbote-Geplagten und den Von-Notwendigkeiten-Beglückten an den beiden äußeren Enden der Skala sind die Unterschiede enorm, und das allein innerhalb der Elektrobranche: Während beispielsweise für die Beleuchter und Beschaller die politische „Stopp-Taste”gedrückt wurde und deren Erwerbsmöglichkeiten von hundert praktisch auf null gesetzt wurden, sorgte plötzlich allerorts praktiziertes Home Office (Notebooks, Drucker, Kameras, Kopfhörer, Netzwerkprodukte, etc) für regelrechte Um- und Absatzexplosionen am IT- und Multimediasektor.

Irgendwo zwischen diesen Extremen ist nun die klassische Unterhaltungselektronik angesiedelt: Die gesellschaftlichen Einschränkungen haben den TV-Konsum in die Höhe schnellen lassen, die bewusste und intensive Nutzung den Wunsch nach (und damit in weiterer Folge die entsprechende Investition) hochwertigen, dauerhaften Lösungen geweckt. Damit gehen oft auch neue Sound-Ausstattungen (bis hin zum Multiroom-System) und Erweiterungen, die den Nutzungskomfort erhöhen (Heimvernetzung) einher. Ebenso ist durch das erzwungene Dauer-Miteinander auf mehr oder weniger engem Raum ein Trend zum Dritt- und Viert-Fernseher erkennbar. All das birgt Chancen für den Fachhandel. Auf der anderen Seite aber auch der Run auf die (bekanntlich größtenteils von ausländischen Großkonzernen bedienten) Online-Shops nicht von der Hand zu weisen, ebenso wie eine gewisse (vorübergehende?) Kaufzurückhaltung, die der momentanen Unsicherheit und dem Nicht-Genau-Wissen-Wie‘s-Weitergeht geschuldet ist. Dazu kommt massive Konkurrenz aus den „eigenen” Reihen: Viele Menschen haben während der Krise eine Leidenschaft für das Kochen und Backen entwickelt, was nicht nur in der Anschaffung entsprechender Elektrogeräte, sondern nicht selten gleich ganzer neuer Küchen niederschlägt. Damit kann der neue OLED-TV schnell ausgebremst werden…

Selbst wenn es also gelingt, ein größeres Stück vom Kuchen zu ergattern, so wird der Kuchen insgesamt doch nicht größer – im Gegenteil, er wird in den nächsten Wochen und Monaten (vielleicht Jahren?) tendenziell weiter schrumpfen. Darin sind sich die Wirtschaftsforscher einig, lediglich über Ausmaß und Dauer des Einschnitts gehen die Meinungen auseinander. Gewisse Abstriche scheinen unvermeidlich und deshalb sind wohl alle gut beraten, nicht in überschwänglichen Optimismus zu verfallen, sondern mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu bleiben.

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