Sonntag, 9. August 2020
Fragen im Kopf

Im Grunde egal

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 07.06.2020 | Bilder | | 2  

Stefanie Bruckbauer
Mancherorts soll es im Elektrohandel zur Zeit wirklich gut laufen. Die Leute kaufen und kaufen und blickt man nur auf die Zahlen, scheint es, als hätte es Corona nie gegeben, wie letztens jemand sagte. Ich finde das toll, frage mich allerdings, warum gerade so viel gekauft wird ...

Ich höre von einigen Seiten, dass die Leute im Elektrohandel kaufen als gäbe es kein Morgen. Der Mai soll so stark gewesen sein, wie es selten zuvor der Fall war. Das Minus, das während des Shutdowns eingefahren wurde, sei an vielen Stellen wieder aufgeholt. Ist das nicht schön zu hören? Ich frage mich nur nach dem Warum!

Geben die Konsumenten das Geld, das für den Sommerurlaub beiseitegelegt wurde, nun für ihr Zuhause aus, weil sie beschlossen haben heuer nicht zu verreisen? Nicht zu verreisen, weil die Situation rundherum zu unsicher ist? Oder nicht zu verreisen, weil sie in der Phase des Shutdowns draufgekommen sind, dass es Zuhause doch am schönsten ist?

Ich kann mir schon vorstellen, dass man in einer Zeit, in der man gezwungen wird, vorwiegend in den eigenen vier Wänden zu bleiben, auf Grund nicht vorhandener Ablenkung, plötzlich Zeit, den Kopf, den Geist und die Muse hat, sein Zuhause ganz genau in allen Einzelheiten zu betrachten und zu er“leben“, und dann draufkommt: Daham is halt Daham. Man sieht es plötzlich mit anderen Augen, und dann gibt es zwei Möglichkeiten: Man verwirklicht endlich lang gehegte Wünsche, weil man das an sich schon perfekte Eigenheim nun noch perfekter machen will mit einer tollen Ergänzung – quasi dem Tüpfelchen auf dem „i“. Oder man sieht in den Details auf einmal wo es überall happert, was man erneuern und verbessern könnte.

Oder steckt eine ganz andere Motivation hinter dem Einkaufsrausch? Dass die Leute nämlich glauben, das Ende der Welt stünde bevor und sich „die letzten Tage der Menschheit“ quasi noch so schön wie möglich machen wollen? Oder Sie glauben der Virus kommt mit voller Wucht zurück, und wenn sie dann wieder Wochen oder Monate Zuhause verbringen müssen, dann wollen sie es zumindest fein haben? Oder glauben die Leute vielleicht, dass die Wirtschaft komplett zusammenbricht und das Geld dann nichts mehr wert ist – also geben sie es gleich für Dinge aus, die sie haben wollen. Gemäß dem Motto „A scho wuascht! Des gönn i mir no.“ Oder sie gehen (wieder basierend auf dem Gedanken, dass die Welt untergeht oder zumindest ein zweiter, viel massiverer Shutdown passiert) davon aus, dass es bald nichts mehr geben wird und kaufen jetzt schon rechtzeitig alles ein – gemäß dem Motto, dass man quasi rechtzeitig d‘rauf schaut, daß man‘s hat, wenn man‘s braucht. (Das hatten wir übrigens schon. Und ich meine jetzt nicht Joki Kirschner und die Raiffeisen-Werbung, sondern die Sache mit dem Klopapier 😉 )

Vielleicht ist es aber auch einfach die Freude am Einkaufen, oder eine Art „feiern“, weil es schließlich doch nicht so schlimm war wie befürchtet und in dieser Feierlaune schmeißt man das Geld hinaus, weil man davon ausgeht, dass man seinen Job behält, die Wirtschaft sich erholt und alles gut wird? Oder ist es eine Art Belohnung, weil man die Krise bisher so gut durchgestanden hat? Und als Geschenk an sich selbst gönnt man sich etwas.

Ich weiß es nicht. Und wahrscheinlich gibt es noch viele Gründe, die das verstärkte Einkaufsverhalten der Konsumenten erklären, aber im Grunde ist es mir egal. Ich freue mich einfach, dass die Geschäfte laufen und ich hoffe, dass es so bleibt.

Bilder
(Bild: Tony Hegewald/ pixelio.de)
(Bild: Tony Hegewald/ pixelio.de)

Kommentare (2)

  1. Geld bleibt eben über, wenn sinnlose Kreuzfahrturlaube, Autos, der sechste Anzug etc. nicht gekauft werden.
    Und wenn man daheim sitzt und bemerkt, dass man technikmäßig nicht mehr auf dem letzten Stand ist.
    Das ganze Gehabe, mit dem man außer Haus protzen kann, das fällt derzeit weg.
    Und das hat immer viel Geld gekostet. Jede Branche steht auch im Wettbewerb mit anderen Branchen.
    Wusstet ihr, dass der Durchschnittswiener seine Stinkkarosse nur eine halbe Stunde pro Tag benötigt, das
    Gefährt also 23,5 Std täglich am Parkplatz steht.

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    1. Nicht zu vergessen, dass man gerne in Sachen Investiert bevor eine evtl befürchtete Geldentwertung zuschlägt. Diesen Effekt konnte man auch bei der letzten Finanzkrise beobachten. Das vielen natürlich Zuhause jetzt langweilig war oder man bemerkt hat das da lauter „veraltete“ Elektronik herumsteht ist auch klar. Nichts desto trotz können wir über dieses aktuelle blaue Augen froh sein. Könnte auch anders aussehen.

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