Donnerstag, 16. Juli 2020
Sanierungen, Sonnenstrom, Reparaturen

Gewerbe und Handwerk: Investitionspaket Klimaschutz ist „Wirtschaftsturbo“

Photovoltaik Energiezukunft | Wolfgang Schalko | 25.06.2020 | |  
(© WKÖ) Wirtschaft und Klimaschutz sind kein Widerspruch, ganz im Gegenteil: Klug eingesetzte Mittel tragen zum Erreichen der Klimaziele bei und können zugleich den Unternehmen, die nach dem Corona-Lockdown schwer angeschlagen sind, einen Weg aus der Krise weisen. „Intelligent verwirklichter Klimaschutz ist ein Investitions- und Wirtschaftsturbo“, betont Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich.

Das Investitionspaket für den Klimaschutz, das am Mittwoch den Ministerrat passierte, leistet dazu aus Sicht der Wirtschaft einen höchst willkommenen Beitrag. In den Jahren 2021 und 2022 sind nun insgesamt 750 Mio. Euro für thermische Sanierung und den Umstieg auf saubere Heizungen vorgesehen. Die Anhebung des Heizkesseltauschprogramms auf 200 Mio. Euro pro Jahr ist ein wichtiger Anreiz, um jetzt fossile Anlagen auszuwechseln. „Intelligente Sanierung ist ein Gebot der Stunde“, sagt Michael Mattes, Bundesinnungsmeister für die Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker. Mit den geplanten Finanzierungshilfen werde diese auch für einkommensschwächere Haushalte ermöglicht.

Wichtig sei freilich auch der effiziente Betrieb bei bestehenden Anlagen. Dieser lasse sich mit der thermisch-energetischen Sanierung gewährleisten. Dass dafür 250 Mio. Euro in den Jahren 2021 und 2022 vorgesehen sind, ist auch aus Sicht der Bauwirtschaft zu begrüßen. Ein wesentlicher Konjunkturimpuls wird darüber hinaus von den Investitionen in die Infrastruktur bestehender und Entwicklung umweltschonender Gebäude sowie aus dem Neubau- und Sanierungsplan für die Schulen ausgehen.

Zukunftsthemen für wesentliche Branchen im Handwerk

Auch die Förderung von Photovoltaik-Kleinanlagen mit insgesamt 80 Mio. Euro in den Jahren 2020 bis 2022 wird von den Elektrotechnikern überaus positiv bewertet. Die geförderten Projekte würden im Schnitt das Vierfache an Investitionen auslösen.

„Ein ambitioniertes Programm“, freut sich Andreas Wirth, Bundesinnungsmeister der Elektrotechniker, über den Ausbau der Photovoltaik-Anlagen mit der Eine-Million-Dächer-Initiative. Besonders begrüßt Wirth den deutlich vergrößerten Fördertopf für PV-Kleinanlagen (KLIEN-Förderung). Zugleich gibt er auch zu bedenken, dass in Zukunft Speicher- und Energiemanagementsysteme mehr an Bedeutung gewinnen werden – nicht nur für die Elektrotechniker selbst, sondern auch für alle Zuliefergewerbe und den Handel. In gleicher Weise wie die Förderung der Photovoltaik (PV) sollten daher auch Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme/intelligente Gebäudesteuerung (SmartHome) zur Eigenverbrauchsoptimierung gefördert werden. Was die Realisierung der angestrebten bis zu 69.000 neu zu errichtenden PV-Anlagen anbelangt, meint Wirth: „Das kann nur mit den richtig dafür ausgebildeten Fachkräften des Elektrogewerbes gelingen. Die rund 7.700 Elektrotechniker sind hier die richtigen Ansprechpartner für Beratung und die fachgerechte Ausführung. Seitens der Innung wird alles auf dem Gebiet der dualen Berufsausbildung sowie mit laufenden Weiterbildungen getan, damit genügend gut ausgebildete Fachkräfte dafür vorhanden sind.“

Und noch ein Aspekt spielt dem Handwerk in die Karten: „Die Unterstützung von Reparaturleistungen entspricht genau den Werten, die unsere Branche vorlebt“, so Scheichelbauer-Schuster. „Die Stichworte lauten Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung durch handwerkliches Geschick.“

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf 10 Prozent für kleinere Reparaturen wie Geräte, Fahrräder, Schuhe oder in der Änderungsschneiderei sei ein „guter erster Schritt“, sagt die Spartenobfrau. „Für Reparaturen im Wohnraum wäre die Neuauflage des Handwerkerbonus die perfekte und dringend notwendige Ergänzung. Das wäre eine Win-win-Situation für die Konsumenten und die Betriebe.“

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