Donnerstag, 13. August 2020
„Eine tickende Zeitbombe“

Acredia prognostiziert weltweite Pleitewelle spätestens ab Herbst

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 20.07.2020 | | 1  
In der Acredia-Insolvenzanalyse wird von einer tickenden Zeitbombe gesprochen. Es wird eine weltweite Pleitewelle ab spätestens Herbst erwartet. Weltweit sollen die Insolvenzen bis 2021 um insgesamt +35% auf einen Negativrekord ansteigen. (Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de) In der Acredia-Insolvenzanalyse wird von einer tickenden Zeitbombe gesprochen. Es wird eine weltweite Pleitewelle ab spätestens Herbst erwartet. Weltweit sollen die Insolvenzen bis 2021 um insgesamt +35% auf einen Negativrekord ansteigen. (Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de) Acredia erwartet eine weltweite Pleitewelle spätestens ab Herbst und das sei nicht nur ein Warnruf, wie der Vorstand des Kreditversicherers, Ludwig Mertes, sagt. „Diese Zeitbombe tickt laut und deutlich! Spätestens im dritten Quartal des Jahres wird diese Zeitbombe hochgehen und die Schockwellen dürften sich ins gesamte erste Halbjahr 2021 und darüber hinaus ausbreiten."

Acredia und Euler Hermes führten eine Studie durch und kamen zu folgenden Ergebnissen: „Während sich die USA aktuell im Epizentrum der Insolvenzwelle befinden, herrscht in anderen Ländern noch die Ruhe vor dem Sturm. Allerdings dürfte spätestens ab dem Herbst überall auf der Welt die Pleitewelle einsetzen, die sich dann über das gesamte erste Halbjahr 2021 fortsetzt.“ Die Kreditversicherungs-Experten von Acredia und Euler Hermes erwarten aktuell für die beiden Jahre 2020 und 2021 (verglichen mit 2019) einen kumulierten Anstieg der weltweiten Insolvenzen um insgesamt 35% auf einen neuen Negativrekord (17% im Jahr 2020, 16% im Jahr 2021). Die Entwicklung sei allerdings sehr heterogen: In zwei von drei Ländern zeige sich bereits jetzt ein massiver Anstieg der Pleiten, im anderen Drittel wiederum findee der stärkste Anstieg zeitversetzt erst 2021 statt

„Gegen Ende 2020 geht die Insolvenzwelle überall los“

„Das ist nicht nur ein Warnrufdiese Zeitbombe tickt laut und deutlich!“, so Acredia-Vorstand Ludwig Mertes. „Spätestens im dritten Quartal des Jahres wird diese Zeitbombe hochgehen und die Schockwellen dürften sich ins gesamte erste Halbjahr 2021 und darüber hinaus ausbreiten.“

Keine Entspannung in Sicht

Eine Entspannung zeichne sich 2021 mit einem weiteren Zuwachs der weltweiten Insolvenzen also keinesfalls ab. „Vergleicht man die Prognosen von 2021 mit den Fallzahlen von 2019, ergibt dies in den beiden Jahren einen kumulierten Zuwachs der globalen Pleiten um mehr als ein Drittel (+35 %) auf einen neuen Negativrekord“, sagt Mertes. „Wenn die jeweiligen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen zu früh beendet werden, dürfte der Anstieg sogar noch um 5 – 10 Prozentpunkte höher ausfallen.“

Keine guten Nachrichten für Österreichs wichtigsten Exportmarkt Deutschland

Das sind keine guten Nachrichten für Österreichs wichtigsten Exportmarkt Deutschland, wo sich negative Entwicklungen in den Exportmärkten meist stärker auswirken als in anderen Staaten. Trotzdem komme Deutschland im Vergleich voraussichtlich besser durch die Krise als viele andere, sagt Mertes. „Gründe dafür sind neben der besseren Ausgangssituation und dem kürzeren, weniger strikten Lockdown vor allem die schnellen und sehr umfangreichen Sofortmaßnahmen der deutschen Regierung. Insbesondere der gemeinsame Schutzschirm von Bund und Kreditversicherern für deutsche Unternehmen hat den Handel erst einmal stabilisiert und Lieferketten zusätzlich geschützt.“

Österreich: Schutzschirmforderung noch in Detailverhandlung

In Österreich, wo es keinen Schutzschirm gibt und die Gespräche dazu noch laufen, erwarten die Acredia-Experten bis 2021 einen Anstieg der Unternehmens-Insolvenzen um 20% gegenüber 2019. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 war es ein Plus von 2%. Im Jahr 2009, als Reaktion auf die damals weltweite Finanzkrise, waren es 9,3%.

Acredia empfiehlt eine rasche Lösung beispielsweise nach deutschem Vorbild. „Dort übernimmt der Staat 90% bis 100% Prozent des Risikos, die Kreditversicherer geben im Gegenzug 65% der Prämieneinnahmen an den Bund ab – um entsprechend stabile Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Österreich zu schaffen.“ Ludwig Mertes ergänzt: „Hier geht es um die Ermöglichung und Sicherstellung österreichischer Geschäfte, Umsätze und Arbeitsplätze sowie den Erhalt von Lieferketten!“

USA mit stärkstem Anstieg 2020

Viele Unternehmen in anderen Ländern trifft es früher und härter, wie Acredia und Euler Hermes berechneten: „Die USA (+47% Anstieg der Insolvenzen 2020) führen das Negativranking der Länder an, die bereits 2020 unter einem massiven Anstieg der Insolvenzen leiden. Sie teilen ihr Schicksal mit zwei von drei Ländern weltweit. Darunter befinden sich neben den USA, Brasilien (+32% im Jahr 2020) und China (+21%) auch viele europäische Staaten wie beispielsweise Portugal (+30%), die Niederlande (+29%), Spanien (+20%) oder Italien (+18%).“

Kommentare (1)

  1. Acredia hat jedenfalls die Gebühren schon mal kräftig erhöht. Wer nicht einwilligt muss sich anderweitig umschauen, oder hat ab Oktober keinen Versicherungsschutz mehr. Limits werden aber nach wie vor gekürzt oder aufgehoben, da es derzeit trotz vieler Ankündigungen ja noch keinen Schutzschirm gibt.

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