Mittwoch, 23. September 2020
Editor's ChoiceFranz Schwalb-Schich über sein Leben nach der Telekommunikation

„Schneid für Veränderungen“

Telekom | Dominik Schebach | 14.08.2020 | Downloads | |  
Franz Schwalb-Schich war in der Branche viele Jahre als Vertriebsleiter von Telering bekannt - Seit 2011 ist er bei Löffler Anlagenbau für den weltweiten Vertrieb von Aufzugs-Notrufsystemen verantwortlich. Franz Schwalb-Schich war in der Branche viele Jahre als Vertriebsleiter von Telering bekannt - Seit 2011 ist er bei Löffler Anlagenbau für den weltweiten Vertrieb von Aufzugs-Notrufsystemen verantwortlich. Franz Schwalb-Schich ist niemand, der still sitzen kann und deswegen ist es wohl kein Wunder, dass er nach 40 Jahren in der Telekommunikation nun den nationalen und internationalen Vertrieb von Loeffler Anlagenbau leitet, einem der „Hidden Champions“ aus Österreich, in diesem Fall im Bereich der Aufzugsnotruf-Systeme. Die Aufgabe ist, wie er selbst sagt, ein Lebenselixier für ihn. E&W hat Schwalb-Schich für die Ausgabe E&W 7-8/2020 zu einem philosophischen Gespräch über einen Neustart nach 40 Jahren Telekom, eine außergewöhnliche Freundschaft und die Gnade einer sinnstiftenden Tätigkeit getroffen.

Jahrelang war Franz Schwalb-Schich im Fachhandel als Mr. Telering bekannt. Dabei ist dies nur die halbe Story. Denn der Telekom-Veteran ist seit 2011 auch als Berater bzw Prokurist für den Notruf-Spezialisten Löffler Anlagenbau tätig. Aber eigentlich begann die Geschichte schon vor 25 Jahren.

Franz Schwalb-Schich, Sie waren jahrzehntelang in der Telekommunikation tätig. Wie kommt es, dass man nach dieser Zeit nochmals einen Neustart macht?

Franz Schwalb-Schich: Die Telekommunikation hat immer Spaß gemacht. Man muss allerdings sagen, dass die Branche primär von internationalen Unternehmen getrieben wird. Damit war ich immer auch ein Rad in diesem Gefüge. Aus diesem System nach 40 Jahren auszusteigen und in einem Kleinstunternehmen tätig zu sein, das ist schon außergewöhnlich.

Man kann auch sagen, es gibt ein Leben nach der Telekommunikation. Und es macht wirklich Spaß. Für mich ist deswegen diese sinnstiftende Tätigkeit bei Löffler ein essenzielles Lebenselixier. Es ist fast eine kleine Gnade und nicht selbstverständlich, dass man so etwas für sich findet.

Woran machen Sie dieses Sinnstiftende fest?

Franz Schwalb-Schich: Der springende Punkt für mich ist, dass man mehr Energie herausbekommt, als dass man hineinsteckt. Ich bin nicht bei Löffler, weil ich einen Job suche oder Geld machen möchte. Ich bin seit November Pensionist mit einer schönen Pension. Ich bin bei Löffler NUR weil es mir Spaß macht und mich innerlich befriedigt. – Man kann sich verrennen, und sich etwas aus den Statussymbolen, die mit einem Job einhergehen wie großes Büro oder dickes Auto, machen. Das kann aber ganz schnell zu einem Trugschluss werden. Ich mache diese Arbeit, weil es einfach toll ist, wenn ich nachts über einem Problem sitze und mir denke „Ja, das ist es“. Damit kann meiner Ansicht nach jeder für sich überprüfen, ob er den Biss für seine Arbeit hat, weil diese für ihn einfach befriedigend ist. Dazu kommt, Hannes Nechvile, den Eigentümer von Löffler Anlagenbau, und mich verbindet eine beinahe 50jährige Freundschaft. Diese geht bis in unsere gemeinsame Ausbildungszeit zurück. Und obwohl wir sehr ähnlich ticken, sind unsere Schwerpunkte unterschiedlich: Er ist der Techniker und Tüftler – sein Motto ist „geht nicht, gibt’s nicht“. Ich bin eher auf der Marketingseite und damit kommen wir uns nicht in die Quere, sondern ergänzen uns.

Aber was ist das Spannende für Sie bei Löffler?

Franz Schwalb-Schich: Das Spannende bei dieser Tätigkeit ist, dass unsere Arbeit nicht von fernen Konzernzentralen vorgegeben wird. Wir können uns ausschließlich auf unsere Kunden konzentrieren. Alles, was wir entwickeln, testen und bauen, geht direkt auf eine Anfrage zurück. Wir sind die Wunschfabrik unserer Kunden. Unser gesamtes Produktportfolio ist in 25 Jahren so entstanden – und das ist MEGA.

Seit 25 Jahren?

Franz Schwalb-Schich: Ja. Die Wurzel der ganzen Sache war ein Anruf, den ich vor 25 Jahren vom Technikchef der UNO-City erhalten habe. Damals leitete ich bei Schrack Ericsson die Telekom-Abteilung für Sonderprojekte und die UNO-City hat eine Aufzugs-Notruf-Anlage von uns. „Herr Schich kommen‘s vorbei schauen Sie sich das an“, sagte er damals. Gesagt, getan. Ich schaute mir das an und glaubte meinen Augen nicht. Was ich in der UNO-City damals vorfand, war eine relaisgesteuerte, umgebaute Türsprechanlage.

Diese war damals in die Jahre gekommen und machte Mucken, weswegen der TÜV mit der Schließung der Aufzüge gedroht hatte. Denn dieses System hatte Mitte der 90er keiner Vorschrift mehr entsprochen. Der Technikchef wollte also ein Angebot, aber zurück in der Firma fand ich weder bei Schrack noch bei Ericsson etwas, was auch nur im weitesten Sinne die vorgeschriebenen Anforderungen erfüllt hätte – und ich musste absagen.

Ein Jahr verging, bis ich wieder einen Anruf erhielt. Diesmal war der Technikchef nicht mehr so freundlich, weil der TÜV ihm bereits zwei Aufzüge gesperrt hatte. Er wollte sofort eine Lösung. Ich habe dann nochmals recherchiert und wieder nichts Brauchbares gefunden. Deswegen bin ich zu meinem Freund Hannes Nechvile gegangen. Der hat schon damals mit seiner Firma Löffler Anlagenbau für Schrack Ericsson immer wieder Sonderaufträge erledigt. Wie er von meinem Problem hörte, sagte er nur „Nicht mehr? Das ist locker.“ Wir waren jung und haben beschlossen, das bauen wir es selbst. Zuerst hatten wir noch die Relais-Anlage repariert, damit die UNO-City zwischenzeitlich über die Runden kommt, und sechs Monate später haben wir die erste Anlage geliefert.

Dh, die Aufzugskommunikation ist aus einem gemeinsamen Projekt bei der UNO-City entstanden?

Löffler Anlagenbau-GF Hannes Nechvile und Franz Schwalb-Schich starteten vor 25 Jahren gemeinsam die Erfolgsgeschichte der Aufzugskommunikation mit einem ersten Auftrag für die Wiener UNO-City.

Franz Schwalb-Schich: Das war die Initialzündung für ein Produkt, das es heute noch gibt, das zu 90% auf- bzw abwärtskompatibel ist, und nun weltweit vertrieben wird. Seit diesem Start haben wir immer wieder tolle Projekte verwirklicht, neue Produkte entwickelt, weil irgendjemand mit einem Problem zu uns gekommen ist oder eine Anfrage gestellt hat. Das macht Mega-Spaß und inzwischen liest sich unsere Referenz-Liste wie das nationale und internationale Who is Who der Infrastrukturbauten, aber auch auf Kreuzfahrtschiffen oder in U-Bahnen finden sich unsere Notrufsysteme.

Der Markt für Aufzüge wird allerdings von einigen großen Unternehmen beherrscht. Wie kann man da mithalten?

Franz Schwalb-Schich: Diese Frage stellt uns auch so mancher Konzernvertreter. Wo ist unser Vorteil? Und da gibt es aus meinem Empfinden eine einfache Antwort: Unsere Lösung ELICOM kommt zu Gänze von uns. Die Entwicklung erfolgt bei uns, der Source- Code der Software liegt bei uns, die Fertigung aller essenzieller Teile erfolgt bei uns im Haus und es gibt mit Hannes Nechvile einen österreichischen Geschäftsführer. Aber wir liefern weltweit an die Industrie. Dh, wir verbauen nicht selbst. Dazu wären wir auch zu klein. Doch wir haben eine lange Tradition. Die Firma Löffler gibt es seit mehr als 160 Jahren. Die Aufzugskommunikation seit 25 Jahren. Wenn so eine Firma eigentümergeführt ist, dann heißt das für mich auch, der macht das nicht für seinen Bonus. Der hat eine Vision und das ist sein Baby.

Inzwischen ist es so, dass wir für manchen großen Partner Speziallösungen entwickeln, weil wir einfach schneller sind. So hat uns ein namhafter Aufzugsspezialist zuletzt gebeten, ob wir nicht eine einfache und kostengünstige Lösung entwickeln könnten, die im Rahmen unseres Notrufsystems auch gleich die Funktion der Liftkabinen-Beleuchtung überprüft. Das war vor ungefähr drei Monaten. Wir saßen dann mit unseren Entwicklern beisammen und beim zweiten Glas Wein kam uns die Idee. Gestern war der Prototyp fertig, kalibriert und an unseren Kunden übergeben – daumennagelgroß, zu einem vernünftigen Preis und einfach zu montieren – und ich bin jetzt schon gespannt, was wir im nächsten Jahr  umsetzen werden.

Was macht das System von Loeffler so einzigartig?

Franz Schwalb-Schich: Die Kompatibilität. Unser System basiert auf einem einfachen AB-Bus im Aufzugsschacht und ansonsten auf einem Cat 5 oder Cat 7-Bus im Backend. Damit können wir modular bis zu 260 Aufzüge in einem System unterstützen und dabei alle notwendigen Services vom Notruf bis zur Video-Überwachung bereitstellen; dazu kommt die Überwachung von eigenen Pulten oder mittels PC-Lösungen, bei denen bei einem Notruf auf dem Arbeitsplatz des Verantwortlichen ein Fenster samt Verortung im Gebäudekomplex zB einem Flughafen oder Einkaufszentrum aufgehen; und die Notrufe werden schließlich dokumentiert mit Sprachaufzeichnung, dokumentenfest, rechtsgültig mit mehreren Back-ups abgespeichert.

Das klingt recht technisch. Im Endeffekt geht es darum, dass wir für unsere Partner unter den Aufzugsfirmen und Kunden maßgeschneiderte, erweiterbare Systeme anbieten können, die zukunftssicher sind. Jetzt binden wir zB für einen Großkunden eine selbstentwickelte DSGVO-konforme Video-Unterstützung in unsere Lösung ein. Diese Kameras in den Kabinen werden erst mit dem Notruf aktiviert, aber das ist trotzdem aus mehreren Gründen interessant für den Kunden. Einerseits weil die Notrufzentrale bei einer Alarmierung sofort ein Bild von der Lage hat, was zB bei einem medizinische Notfall wichtig ist. Andererseits bekommt man damit das Problem der Fehlalarme in den Griff. Denn bei einer Störung müssen die Passagiere laut TÜV innerhalb von 30 Minuten befreit werden. Dh, Haustechnik-Mitarbeiter eines Einkauf-Centers oder Flughafens müssten bei einem Notruf sofort lossprinten, um die Passagiere aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Jetzt werden solche Notrufe aber oft unabsichtlich ausgelöst, weil z.B. ein Passagier an der Taste angekommen ist. Wenn man in diesem Fall die Kabine von der Notrufzentrale überprüfen kann, dann spart man sich unendlich viele Mannstunden im Jahr.

In der Telekommunikationsbranche ist die Kundengewinnung oft sehr Aktionsgetrieben. Wie kommt man als kleines Wiener Unternehmen an seine weltweiten Kunden?

Franz Schwalb-Schich: Ich kenne beide Seiten. Aus meiner Zeit in der Telekommunikation kenne ich die Aktionen und was man sonst so alles macht. Aber das ist auch eine Eigenheit von Löffler: Wir leben vor allem von den Empfehlungen unserer Kunden. Oft wissen wir gar nicht, wie die Kunden zu uns kommen. Im vergangenen Jahr erhielten wir so eine Einladung aus dem Mittleren Osten für ein Großprojekt. Wir überprüften die Pläne sowie technischen Voraussetzungen und gaben unser Angebot ab. Dann hörten wir ein halbes Jahr wieder nichts und vor ein paar Wochen kam der Auftrag über 100 Aufzüge.

Damit haben wir eine Installationsbasis von ca. 40.000 Kabinen seit dem Start von Löffler Anlagenbau in der Aufzugsbranche aufgebaut. Nun machen wir etwas mehr für unsere Sichtbarkeit. Schließlich hatten wir bis vor drei Jahren nicht einmal eine richtige Homepage und trotzdem sind wir Jahr für Jahr gewachsen. Das wirkt sich auch auf den Mitarbeiterstand aus: Im Moment suchen wir zB Software-Entwickler für unser Team.

So wie Sie die Beispiele geschildert haben, klingt das oft recht einfach und alltäglich…

Franz Schwalb-Schich: Der Aufzug ist eines der sichersten Verkehrsmittel. Aber dahinter steht ein hochkomplexes System. Alles ist bis ins kleinste Detail geregelt. Da bestehen wir, weil wir mit unseren Soft- und Hardware-Entwicklern am Küchentisch sitzen, das diskutieren und ein paar Wochen später gibt es dann schon die ersten Prototypen. Auf das bin ich schon sehr, sehr stolz. Deswegen brenne ich auch für die Firma.

Ist diese Identifikation sehr wichtig für Sie?

Franz Schwalb-Schich: Es fühlt sich an wie meine Firma. Da tut man alles, dass der Kunde mit der Lösung zufrieden ist. Und das macht mich glücklich. Wie ich noch aktiv in der Telekom-Szene unterwegs war, war ich teilweise erschüttert davon, dass es doch immer wieder Menschen gibt, die in ihrem Job unglücklich sind, aber sich trotzdem nicht verändern wollen. Natürlich gibt es wichtige Punkte wie die Bezahlung. Aber so wird man auf die Dauer nicht glücklich und man ist nicht innovativ. Die Corona-Krise zeigt, welche Veränderungen  möglich sind. Man kann hinfallen. Das stimmt. Aber das Wichtige ist, danach wieder aufzustehen und was Neues zu probieren. Ich möchte deswegen auch anderen die Schneid geben, anstehende Veränderung anzugehen. Man kann nicht alles planen und manchmal braucht man Glück, aber nichts zu tun, ist für mich keine Alternative.

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