Mittwoch, 29. September 2021
Hintergrundkommentar E&W 9/2020 - Wie hält es der Konzern mit der URA

Samariter Amazon?

Hintergrund | Dominik Schebach | 13.09.2020 | Bilder | | 6  

Dominik Schebach
Am Anfang stand ein Tipp eines aufmerksamen Lesers auf ein Angebot von Amazon bei Geizhals. Dort fand sich eine 25er Spindel mit leeren BluRay-Disks um wohlfeile 15,11 Euro. Rechnet man die gesetzlich vorgeschriebene URA von 27 Euro mit ein, dann legt der Konzern hier 11,89 Euro drauf – und da sind noch keine weiteren Kosten berücksichtigt. Schließlich ist der Konzern der Inverkehrbringer der Produkte und muss daher die URA abführen. Ein vergleich- bares Angebot bei Conrad kostet dann auch rund 60 Euro. Das ließ uns recht konsterniert zurück, weswegen wir auch bei der Pressestelle von Amazon Deutschland nachgefragt haben, wie es denn der Konzern so mit der URA halte.

Leider haben wir bisher keine Antwort bekommen.* Eine Recherche bei der heimischen Austromechana/AKM war da schon erfolgreicher. Dort erfuhren wir, dass der Onliner sehr wohl Vertragspartner der Verwertungsgesellschaft sei und auch die Urheberrechtsabgabe für nach Österreich gelieferte Produkte abführe. Dies gelte auch für BluRay-Discs, wie das oben an- geführte Produkt. Das bedeutet in weiterer Folge, der Konzern legt drauf. Und das nicht zu knapp. Das ist erstaunlich, weil als Samariter habe ich Amazon bisher noch nicht eingeschätzt.

Wie man es dreht und wendet, der Umstand ist problematisch – um es einmal vorsichtig auszudrücken. Ob der Konzern dank einer Mischkalkulation die URA über einen europäischen Durchschnittspreis erwirtschaftet oder einfach das Produkt stützt, ist dabei egal. In beiden Fällen hätte der Konzern nicht nur eine entsprechend hohe Einkaufsmacht, um beste Konditionen bei seinen Lieferanten durchzusetzen, der Onliner könnte es sich dann auch leisten, strategisch vorzugehen und seine Konkurrenz Schritt für Schritt aus einzelnen Segmenten des Marktes zu drängen. Wenn in diesem Fall dann noch die anderen europäischen Kunden die URA für Österreich bezahlen, ist das ironisch, aber dem Konzern egal.

Für die heimischen Unternehmen ist es allerdings tödlich. Denn Amazon macht allein mit seiner Reichweite den Preis. Damit etabliert der Konzern nicht nur ein Monopol in einem Bereich, er zieht auch die Kunden großflächig von den anderen Marktteilnehmern ab. Schließlich vergleichen die Kunden kaum bei jedem einzelnen Produkt. Sobald eine Plattform ihren Ruf als Preismacher hat, der Traffic auf der Seite landet, bleibt auch der Umsatz beim Konzern. Und wenn man dank seiner Umsätze oder Investoren den not- wendigen langen Atem hat, kann man sich so ein Segment nach dem anderen vornehmen.

Anders ausgedrückt: Amazon kann in diesem Fall eine Besonderheit des österreichischen Marktes nutzen, um sich langfristig seiner Konkurrenz im Bereich der Speichermedien zu entledigen und damit auch benachbarte Marktbereiche zu besetzen. Dass ein anderes Unternehmen bei diesen Produkten hier zu Lande auf die Dauer dagegenhalten kann, ist kaum vorstellbar. Damit kommen wir zu einem spezifisch österreichischen Problem: Die Verwertungsgesellschaften halten hier an einem Modell fest, dass im EU-Binnenmarkt dem österreichischen Fachhandel einen handfesten Nachteil beschert, weswegen wir hier über dieses Thema sicher nicht zum letzten Mal geschrieben haben. Denn es bleibt eine Story für die Branche.

 

*Inzwischen haben wir eine Antwort von Amazon Deutschland erhalten. Amazon zahlt alle anwendbaren Abgaben in Ländern, in denen wir agieren“, erklärte uns ein Amazon-Sprecher und wies in diesem Zusammenhang auf die Zusammenarbeit mit der AKM (für die URA) und Reclay Österreich (für Verpackungsabfall) hin. Zudem wies der Konzern auf Informationen bei Auslandsbestellungen (außerhalb Deutschland) hin.

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Kommentare (6)

  1. Als österreichischer Importeur von Speichermedienprodukten werden unsere an die Austro Mechana gemeldete Mengen regelmäßig von PWC oder einem anderen, von AM ernannten Auditor geprüft. Dazu kommen Prüfer ins Haus und sind berechtigt, in die Buchhaltung entsprechend tiefe Einsicht zu nehmen. Werden Abweichungen zuungusten der AM festgestellt, werden zusätzliche Strafaufschläge fällig. Diese Kontrolle fällt bei Amazon weg, somit ist hier ein zusätzlicher massiver Wettbewerbsnachteil für den österreichischen Handel gegeben. Entweder wir erfinden uns wieder einmal neu oder wir können die Jobs unsere 35 Mitarbeiter nicht mehr halten. DIe digitale Zeit war reif für ein Unternehmen wie Amazon und Bezos macht seinen Job sehr gut – er ist der Meteor und wir leider die Dinosaurier, die in einem steuerlichen, gesetzlichen und behördlich überregulierten Reservat dem Einschlag hilflos ausgeliefert sind…

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  2. Wenn es konkrete und belegbare Vermutungen gibt, dann sollte derjenige Amazon auch anzeigen. Amazon ist ja nicht wegen der super tollen Preise (die es zu Beginn natürlich gab) erfolgreich sondern aus folgenden Gründen.

    – Man bekommt dort einfach alles
    – Die Lieferung ist rasch und unkompliziert
    – Rückgaben sind problemlos
    – Man bekommt sein Geld sofort aufs Konto zurück
    – Richtig gutes Kundenservice auch nach dem Kauf, man fühlt sich weiterhin gut betreut
    – …..

    Preislich ist der Unterschied sehr oft marginal, vielfach ist Amazon auch teurer, jedoch wiegt das Service eben vieles auf und wo bekommt man sonst genau das gesuchte Produkt und nicht eine selektierte Auswahl, weil ein Einkäufer Präferenzen hat. Versuchen Sie einmal in Österreich aktuell einen BR Player der etwas höherwertigen Kategorie (+400,-) ab Lager zum gleich Mitnehmen in einem Geschäft zu finden. Meist gibt es die nicht und müssen bestellt werden, da kann man gleich online bestellen und hat eben den Komfort bei Nichtgefallen, keine Diskussionen zu haben. Der Handel in Österreich hat seine Vielfalt verloren, überall bekommt man die gleichen Produkte. Das ist, zu dem oftmals schlechten Service ein Grund, weshalb man zu Amazon geht. Der Preis ist eher zweitrangig und diese Spindel sowieso ein Nischenprodukt, die kaum jemanden reich machen wird, oder umbringt.
    Preisvergleich mit Conrad würde ich nicht anstellen, die Firma hat wirklich hohe Preise am POS und lebt eigentlich vom Geschäft mit elektronischen Bauteilen. Wenn man schnell etwas braucht super, aber einen Preisvergleich sollte man als Konsument aus meiner Sicht doch vorher machen, denn vielfach ist etwas anderswo wesentlich billiger, auch im stationären Handel. Aber auch hier, Auswahl schlägt vielfach den Preis.

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    1. Der Preis ist eher zweitrangig
      und dann
      aber einen Preisvergleich sollte man als Konsument aus meiner Sicht doch vorher machen

      Das der Preis eine wichtige Rolle spielt das ist so sicher wie das Amen im Gebet.

    2. Den meisten Argumenten muss man (neidvoll) zustimmen.

      Vor allem die 30 Tage Rückgabe ohne wenn und aber, sowie das schier unednliche Portfolio sind schon exzellente Argumente.

      Wo es allerdings meiner persönlichen Erfahrung nach sehr krankt ist bei der Garantieabwicklung. Telefonnummern sind auf der 799-sten Unterseite versteckt und über die Support-Email bekommt man tagelang keine Antwort. Vielleicht ein Einzelfall, aber meine Lehre daraus ist, nichts mehr bei Amazon zu kaufen, wo es vom Hersteller selbst keine direkte Garantieabwicklung in _Österreich_ gibt. Wobei ich aus Prinzip schon immer bei Amazon nur dann etwas gekauft habe, wenn es das in Österreich nicht gab, oder es dort lagernd war und hier keiner hatte.

  3. Ich glaube nicht dass der Kistenschieber die URA in der richtigen Höhe abführt.
    Er wird auch nicht kontrolliert werden können. und wollen.
    Gleiches gilt für die sonstigen Steuern.

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    1. Ja, die Vermutung habe ich auch.

      Das Beispiel mit den BluRays ist besonders extrem, aber auch bei Druckern, vor allem Multifunktionsgeräten spielt sichs grausam ab. Wobei es hier spannenderweise auch einige österreichische Händler gibt, die von dern Herstellern ganz spezeille Konditionen bekommen müssen, damit man den Preis im Geizhals darstellen kann.

      Wäre halt super, wenn da die Verwertungsgesellschaften etwas mehr Ambitionen zeigen würden. das theoretische Recht dazu hätten sie ja. Aber es ist anscheinend einfacher kleine österreichische Händler mit der Anforderung von präzisen Listen zu traktieren, als sich um das wirklich große Geld zu kümmern.

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