Mittwoch, 27. Januar 2021
Telekom-Kommentar E&W 12/2020

Türöffner Smartphone

Telekom | Dominik Schebach | 13.12.2020 | Bilder | |  

Dominik Schebach
In den vergangenen Jahren hat ein Dreigestirn von Smartphone-Herstellern den Markt beherrscht. Und man muss sagen, bis Mitte 2019 erschien diese Situation auch äußerst stabil. Mit Samsung, Apple und Huawei hatten drei große Produzenten den Löwenanteil des heimischen Marktes unter sich aufgeteilt. Alle weiteren Hersteller waren nur unter „ferner liefen“ zu finden. Aber wie bei jedem Dreibein gilt auch hier, sobald eine der Stützen wegfällt, wird die Sache dynamisch.

Den ersten Anstoß zur Veränderung haben die US-Sanktionen gegen Huawei gegeben. Damit rückten auf einmal weitere aufstrebende Hersteller aus dem Reich der Mitte ins Rampenlicht, die bisher unter der Wahrnehmungsschwelle dahinsegelten. Wie ein Betreiber mit dieser Situation umgeht, das finden Sie auf der Seite 38.

Die Veränderung wird allerdings auch durch andere Faktoren getrieben, die in diesem Fall nichts mit den hungrigen Tigern aus China zu tun haben. Es geht um die Konsumenten, die immer gezielter auch Aspekte der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes bei ihren Kaufentscheidungen berücksichtigen. Und diese Verschiebung bei den Endkunden wird auch seitens der Investoren wahrgenommen. Wenn das österreichische Start-up Refurbed, das ua einen Online-Marktplatz für den Verkauf von gebrauchten und aufgefrischten Smartphones betreibt, in einer Investitionsrunde 16 Millionen Euro für seine weitere Expansion einsammeln kann, dann ist das ein Zeichen. Hier wetten Investoren auf eine Veränderung der Konsumgewohnheiten. Derzeit sind das sicher nur wenig, aber die Entwicklung muss man im Auge behalten. Nicht zuletzt, weil der Handel es sich nicht leisten kann, in der Wahrnehmung der Kunden das Thema Nachhaltigkeit zu ignorieren.

Beide Entwicklungen deuten darauf hin, dass sich der Smartphone-Markt wieder stärker auffächert. Damit muss sich der Handel einerseits wieder mit mehr Marken sowie mehr Produkten und deren Besonderheiten auseinandersetzen. Andererseits bietet genau das auch die Chance für den beratenden Fachhandel seine ureigenste Tätigkeit wieder stärker ins Bewusstsein der Kunden zu rücken. Wer, wenn nicht der Profi, soll den Kunden das richtige Smartphone vermitteln. Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, wie schnell eine stabil erscheinende Situation kippen kann, wie schnell ein Hardware-Produzent wegbrechen kann. Hier kann der Fachhandel seine Kunden dabei unterstützen, durch das Angebot zu navigieren und das richtige Produkt zu finden, bei dem Preis, Qualität und natürlich auch Aftersales-Services passen. Allerdings wird der Telekom-Fachhandel langfristig verlieren, wenn er sich vor allem über den Verkauf von Smartphones definiert.Trends, wie eben Nachhaltigkeit, oder plötzliche Umbrüche bei den Herstellern und natürlich Online werden hier den Handel immer wieder unter Druck setzen. Deswegen muss das Smartphone für den Handel auch immer der Tür.ffner für den Verkauf von entscheidendem Zubehör, Versicherungen oder Services sein. Damit kann der Handel auch in Zukunft seine Position beim Kunden langfristig sichern.

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Der Smartphone-Markt fächert sich wieder stärker auf – eine Chance für den EFH.
Der Smartphone-Markt fächert sich wieder stärker auf – eine Chance für den EFH. (© gfu)

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