Freitag, 5. März 2021
Telekom-Kommentar E&W 1-2/2021

Startrampe Home Office

Dominik Schebach | 07.02.2021 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Home Office kommt im Mainstream an. Selbst die Sozialpartner bewegen sich. Das macht Hoffnung, dass auch weitere Digitalisierungsschritte in der österreichischen Wirtschaft erfolgen - können.

Es ist eine Erfolgsmeldung: Regierung und Sozialpartner haben sich auf eine Regelung bezüglich Home Office geeinigt. Damit sind auch Fragen bezüglich der steuerlichen Rahmenbedingungen, Versicherungen und der notwendigen digitalen Betriebsmittel endlich gelöst. Home Office sollte so nicht mehr das Privileg einzelner leitender Angestellten, bzw das Erkennungszeichen von Selbstständigen und Freiberuflern sein, sondern in den Mainstream eindringen – und das auch für die Zukunft, wenn die jetzige Corona-Pandemie schon wieder aus dem Rückspiegel verschwunden ist. Dass Home Office eine riesige Chance für die ITK-Branche darstellt, habe ich hier schon geschrieben. Für leistungsfähige Datenverbindungen, Cloud-Services, Sicherheitslösungen sowie Endgeräte brauchen viele Unternehmen Unterstützung.

Damit die Chance der Digitalisierung aber auch in der gesamten Wirtschaft genutzt wird, braucht es zusätzlich einen Kulturwandel in den Betrieben. Bisher hatte man ja oft den Eindruck, dass die Kräfte der Beharrung jeder neuen Entwicklung der Arbeitswelt grundsätzlich einmal mit Misstrauen begegnen. Wahrscheinlich haben deswegen die Sozi-alpartner und Regierung die größte Wirtschaftskrise in der Nachkriegsgeschichte Österreichs als Anstoß gebraucht, um dieses Feld endlich zu regeln. Dass unter solchen Umständen Veränderungen in Österreich im glazialen Tempo vonstatten gehen, versteht sich von selbst. Nun aber ist der Fluss über sei-ne Ufer getreten und hat sich ein neues Bett gegraben. Manager haben gesehen, dass ihre Mitarbeiter auch dann arbeiten, wenn sie ihnen nicht ständig über die Schulter sehen. Und es hat sich gezeigt, dass so manche Besprechung in Webex, Teams oder Zoom effizienter abzuhalten ist, als durch ein persönliches Meeting. Schlussendlich hat sich aber gezeigt, dass gut ausgebildete Mitarbeiter die Möglichkeit zu Home Office auch zu einem Kriterium bei der Auswahl ihres Arbeitsplatzes machen. Damit ist die Bereitschaft in vielen Unternehmen gestiegen, neue Kommunikationslösungen einzusetzen.

Deswegen wächst bei mir die Neugierde, welche positiven Veränderungen in Österreich durch den Einsatz von Kommu-nikationstechnologien noch möglich werden. Da möchte ich mich nicht auf den B2B-Bereich beschränken. Wenn Menschen im Beruf vermehrt die Tools der Digitalisierung nutzen, dann werden sie diese auch im privaten Bereich vermehrt anwenden. Damit eröffnen sich auch dort neue Möglichkeiten. Kommt jetzt vielleicht wirklich einmal der Durchbruch von Virtual Reality, wechselt das gesamte Entertainment-Angebot ins Internet, werden Smart Homes bzw Smart Companies zur Regel, werden Internet-Streams das klassische Fernsehen ablösen oder wird Videokommunikation zum Standard für den Anruf bei den Großeltern? Zumindest beim Home Office hat die Corona-Krise eine bereits bestehende Entwicklung massiv beschleunigt – und ich hoffe, dies lässt sich bei anderen An-wendungen wiederholen. Ich glaube, die Pandemie hat die Bereitschaft zum Experimentieren sowie die notwendigen Kompetenzen bei den Anwendern gefördert. Deswegen sollte die Branche nach der Krise auf keinen Fall in den alten Trott zurückfallen, sondern den Schwung für neue Anwendungen nutzen und sich so neue Umsatzfelder erschließen.

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Wird Home Office den Anstoß zum notwendigen Kulturwandel liefern?
Wird Home Office den Anstoß zum notwendigen Kulturwandel liefern? (© Magenta)

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