Dienstag, 28. September 2021
Multimedia-Kommentar E&W 9/2021

Fischen im Trüben

Multimedia | Wolfgang Schalko | 12.09.2021 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Wissen ist Macht. Dieses geflügelte Wort geht auf den englischen Philosophen Francis Bacon zurück und hat seither (immerhin mehr als 400 Jahre) weder an Gültigkeit noch an Aktualität eingebüßt. Davon zeugen alleine die Datensammelwütigkeit, Überwachungsgelüste & Co. mit denen wir alle uns heutzutage konfrontiert (oder besser: auf Schritt und Tritt verfolgt) sehen.

Nichts wissen macht auch nichts – dieser Zusatz, der dem eingangs genannten Spruch gerne zwecks allgemeiner Belustigung hinzugefügt wird, sollte in Zeiten wie diesen jedenfalls tunlichst vermieden werden. Denn etwas zu wissen oder nicht (Stichwort Informationsvorsprung) macht definitiv eines: einen Unterschied. Oftmals jenen über geschäftlichen Erfolg oder Misserfolg, in Extremfällen jenen über das (wirtschaftliche) Überleben. Und lustig ist weder das eine noch das andere.

Was natürlich eine Frage aufwirft: Woher soll man die relevanten Informationen bekommen? Und genau hier beginnt das Problem – was mich auch auf das Thema dieses Kommentars gebracht hat. Die deutsche Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) sendet regelmäßig Presse-Infos zu aktuellen Branchenentwicklungen aus (etwa zur Smart Home-Nutzung sowie der Geschichte des LCD-TVs) und stellt zudem den Home Electronics Markt Index (HEMIX) kostenlos zur Verfügung. Dieser wird in Zusammenarbeit mit GfK quartalsweise erstellt und bietet einen Überblick über alle Segemente und Produktbereiche der IT, Telekom, Weiß- und Braunware. Österreich vergleicht sich bekanntlich gerne mit den deutschen Nachbarn (besonders, wenn wir die Nase vorn haben): In diesem Fall bedeutet der Vergleich jedoch eine Niederlage auf ganzer Linie – in puncto brauchbarer Information für den Handel aus einer herstellerübergreifenden Quelle wird in Österreich nämlich nichts Vergleichbares geboten. Aber das wissen Sie vermutlich ohnehin selber…

Warum die Situation so ist, wie sie ist, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Nur soviel: Gerne wird in solchen Fragen damit argumentiert, dass Österreich bzw. der hiesige Markt „zu klein” sei. Vielleicht handelt es sich aber auch um ein institutionalisiertes Problem: Die gfu hat als Gesellschafter zahlreiche namhafte Unternehmen der Consumer und Home Electronics, die unter diesem gemeinsamen Dach die positive Entwicklung der Branche erreichen wollen – zB durch Öffentlichkeitsarbeit oder das Veranstalten der IFA. Dazu kommt, dass hierzulande viele der im HEMIX aufgeführten Produktkategorien von GfK gar nicht erhoben werden. Ergo ist auch der GfK TEMAX (der den Markt für technische Konsumgüter in Österreich beschreibt) – von den unregelmäßigen Publikationsintervallen einmal abgesehen – nur bedingt aussagekräftig. Es scheint also, als sei der österreichische Handel bis zu einem gewissen Grad zum Fischen im Trüben verdammt und müsse mit Daumen-mal-Pi-Vergleichen und den von einzelnen Unternehmen bereitgestellten Informationen das Auslangen finden. In Zeiten wie diesen eigentlich unglaublich.

Bilder
(Bild: Barbara Eckholdt/ pixelio.de)
(Bild: Barbara Eckholdt/ pixelio.de)
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