Sonntag, 28. November 2021
Multimedia-Kommentar E&W 11/2021

Vom Wert und seiner Schätzung

Multimedia | Wolfgang Schalko | 14.11.2021 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Ins Spannungsfeld zwischen anhaltendem Nachfrageboom und herannahendem Black Friday Irrsinn trudelte kürzlich eine Meldung der deutschen Gesellschaft für Unterhaltungselektronik gfu mit dem verheißungsvollen Titel „Mehr Wertschätzung für Heimelektronik durch Pandemie”. Das würde dem Trend entsprechen, den man gerade allerorts festzustellen meint und sich im Griff zum höherwertigen, nachhaltigeren Produkt niederschlagen sollte.

Meine Neugier hatte die gfu-Studie, die im August 2021 gemeinsam mit der Strategieberatung Oliver Wyman weltweit durchgeführt wurde, jedenfalls sogleich geweckt. Darin heißt es unter anderem, dass in der Corona-Zeit Haushaltsgeräte und Consumer Electronics für die Bevölkerung emotional an Wert gewonnen hätten: Vor allem die Hersteller anspruchsvoller Geräte profitieren: „Konsument:innen haben in der Pandemie einen Quantensprung in Sachen Technologieverständnis und Technologieoffenheit hingelegt“, wird der Oliver Wyman-Partner Martin Schulte zitiert, der diese Entwicklung vor allem auf den „pandemiebedingt veränderten Lebensstil” zurückführt. Vieles, was das Leben und Arbeiten daheim angenehmer macht, sei „in großem Stil angeschafft” worden und habe den Consumer Electronics und Haushaltsgeräten nach gfu-Zahlen im Jahr 2020 ein Umsatzplus von 11,6 Prozent beschert. 2021 hab sich dieser Wachstumstrend fortgesetzt.„Eine große Welle von Erneuerungsinvestitionen haben wir bereits erlebt“, merkte gfu Geschäftsführerin Sara Warneke an und verwies auf weiteres Potenzial in Hinblick auf den sog. Cocooning-Trend: „Das Zuhause ist noch stärker in den Lebensmittelpunkt gerückt und auch langfristig wird Homeoffice dafür sorgen, dass wir mehr Zeit dort verbringen.“ In Folge wird das Design zu einem wichtigeren Kaufkriterium. Bemerkenswerter Zusatz: Die Studie hat auch gezeigt, dass sich mittlerweile gegenüber Unternehmen eine gewisse Anspruchshaltung in Hinblick auf gesellschaftliche Fragestellungen entwickelt hat.„Von Unternehmen wird zunehmend erwartet, dass sie ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. Drei von vier Verbrauchern berücksichtigen bei ihrer Kaufentscheidung, ob ein Unternehmen sich aktiv für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Diese Erwartungshaltung sollten Hersteller nicht ignorieren“, meint Dr. Schulte von Oliver Wyman.

So weit, so gut. All das liest sich wie Balsam auf den Wunden all jener, die sich nicht auf den schnellen Euro verlegt haben. Schon in wenigen Wochen, am 26. November, wird die Black Friday-Realität zeigen, ob die Studie hält, was sie verspricht. Oder ob bzw. in welchem Ausmaß die andere, die dunkle (in diesem Fall „schwarze“) Seite der Macht, wieder einmal munter der völlig sinnbefreiten Geldvernichtung frönt. Dazu fällt mir ein: Ich habe kürzlich eine äußerst interessante Definition von Dummheit (©Dr. Heidi Kastner) gelesen: „Dumm ist, wer anderen Schaden zufügt, ohne selbst Nutzen daraus zu ziehen.” Ich befürchte, ich werde am 26. November – dem Tag des Black Friday Sale – und in dessen Umfeld noch sehr oft an diese Worte denken müssen. So gesehenen wäre es aber von großem Wert, würde ich mich hier verschätzen.

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