Samstag, 29. Januar 2022
Editor's ChoiceJahresbilanz 2021

Gewerbe und Handwerk: Erwartete Erholung bleibt aus

Hintergrund | Julia Jamy | 14.01.2022 | |  
„Mit dem vierten Lockdown und der rasanten Ausbreitung von Omikron endete 2021 für uns mit einem sehr bitteren Beigeschmack. „Mit dem vierten Lockdown und der rasanten Ausbreitung von Omikron endete 2021 für uns mit einem sehr bitteren Beigeschmack.", so Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster. (© WKÖ) Die vielversprechende Erholung, die für Österreichs Gewerbe und Handwerk im Verlauf des Jahres 2021 eingesetzt hatte, wurde durch das neuerliche Aufwallen der Corona-Pandemie abrupt gestoppt: Das zeigt die Konjunkturumfrage, die KMU Forschung Austria vierteljährlich im Auftrag der Sparte durchführt.

„Mit dem vierten Lockdown und der rasanten Ausbreitung von Omikron endete 2021 für uns mit einem sehr bitteren Beigeschmack. Die Betriebe im Gewerbe und Handwerk starten dadurch mit extrem hoher Verunsicherung und mehrheitlich negativen Erwartungen in das neue Jahr 2022“, zieht Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), beim Jahrespressegespräch Bilanz.

Drei Milliarden Euro fehlen auf Vor-Corona-Niveau

In absoluten Zahlen wurde demnach in den ersten drei Quartalen 2021 ein Umsatz von 74,3 Milliarden Euro erzielt. Das ist ein Plus von 5,6 Prozent für das Gewerbe und Handwerk; etwas weniger als der Zuwachs der Gesamtwirtschaft (+6,0% BIP nominell) im selben Zeitraum. Zu Jahresende hin schwächte sich die Dynamik zusehends ab.

Für das Gesamtjahr 2021 erwartet KMU Forschung Austria nun auf Basis der jüngsten Umfragedaten 105 bis 106 Mrd. Euro Sparten-Umsatz. Das sind um 5 bis 6 Mrd. Euro mehr als nach dem scharfen Corona-Pandemie-Einbruch im Jahr 2020 (auf 100,4 Mrd. Euro). Der Wert bleibt aber weit von jenen 108,3 Mrd. Euro entfernt, die das Gewerbe und Handwerk im Jahr 2019 erzielt hatte. „Auf das Vorkrisenniveau fehlen somit noch zwei bis drei Milliarden Euro Umsatz“, sagt Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria.

Ernüchternde Blitzumfrage

Eine Blitzumfrage, die Ende Dezember und Anfang Jänner brandaktuell durchgeführt wurde, belegt das ernüchternde Stimmungsbild: 98% der befragten Betriebe aus den konsumnahen Branchen Friseure, Fußpflege/Kosmetik/Masseure, Berufsfotografen sowie Mode und Bekleidungstechnik waren vom Lockdown und den einhergehenden Beschränkungen betroffen.

Verglichen damit sehen sich mit 54 % deutlich weniger Betriebe in den investitionsgüternahen Branchen Bau, Baunebengewerbe, Tischler und Metallgewerbe von den Lockdown-Folgen betroffen. Hier meldeten 26 % einen Rückgang bei Aufträgen und Kunden, 5 % haben Liquiditätsprobleme. 16 % erwarten fürs erste Quartal „(sehr) gute“ Auftragseingänge (51 % „zufriedenstellend“, 6 % „(sehr) schlecht“, 27 % „nicht abschätzbar“).

Allerdings hatten ganze 80 % der Betriebe am Bau/im baunahen Gewerbe (und sogar 93 % der Tischler) in den letzten drei Monaten mit Problemen bei der Beschaffung von Materialien und Rohstoffen von Vorlieferanten zu kämpfen. Nur 14 % erwarten für das erste Quartal 2022 keine nennenswerten Zulieferprobleme.

Fünf Gründe für Abflauen

Scheichelbauer-Schuster führt somit fünf Gründe an, warum der Aufschwung im Gewerbe und Handwerk unvollendet blieb: die fünfte Corona-Infektionswelle, den vierten Lockdown, den Fachkräftemangel, die Zulieferprobleme und damit verbunden hohe Materialkosten sowie extrem stark gestiegene Energiepreise.

Erfreulich sei hingegen die Entwicklung der Lehrlingszahlen: Mit Stand Ende Dezember 2021 gab es 13.596 Lehranfänger im ersten Lehrjahr im Gewerbe und Handwerk (+4,7 %). Insgesamt absolvieren in den Ausbildungsbetrieben der Sparte aktuell 46.875 überwiegend junge Menschen eine Lehre, um 0,5 % mehr als vor einem Jahr.

„Ich freue mich über die Ankündigung von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, dass für Lehrlingsförderungen in Summe abermals 20 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Das ist hervorragend investiertes Geld, denn die Lehrlinge von heute sind unsere dringend benötigten Fachkräfte von morgen“, so Scheichelbauer-Schuster abschließend.

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