Samstag, 2. Juli 2022
Debatte zur Routerfreiheit

Die Qual mit der freien Wahl

Telekom Multimedia | Wolfgang Schalko | 10.06.2022 | | 2  
Beim Thema Routerfreiheit fordern Hersteller und Endkunden endlich klare Verhältnisse in Österreich – nun ist die RTR am Zug. Beim Thema Routerfreiheit fordern Hersteller und Endkunden endlich klare Verhältnisse in Österreich – nun ist die RTR am Zug. (© VTKE) Seit der Einführung des neuen TKG vor einem halben Jahr hat die RTR die Befugnis, die Routerfreiheit in Österreich herzustellen – ist bis dato allerdings nicht aktiv geworden. Dabei würde eine große Mehrheit der Österreicher das Endgerät am Internetanschluss gerne frei wählen können und auch alle sachlichen Argumente sprechen für die baldige Einführung der Routerfreiheit, wie sich bei einer Expertenrunde der Free Software Foundation Europe und des Verbunds der Telekommunikations-Endgerätehersteller zeigte.

An der Expertenrunde nahmen u.a. Vertreter der Internet-Provider, der Politik, der Nutzer sowie der Endgerätehersteller teil, um über die weiterhin fehlende Routerfreiheit in Österreich zu diskutieren. Seit dem Inkrafttreten des neuen Telekommunikationsgesetzes hat die RTR die Kompetenz, den sog. „Netzabschlusspunkt“ per Verordnung als „Anschlussdose an die Leitung“ festzulegen und damit Verbrauchern die freie Wahl des Endgerätes an ihrem Internetanschluss zu ermöglichen. Und der Wunsch nach einem schnellen Ende des Routerzwangs in Österreich immer größer. Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage des VTKE (Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller) ist die freie Entscheidung über das Endgerät am eigenen Internetanschluss einer deutlichen Mehrheit von zwei Dritteln (67%) wichtig oder sogar sehr wichtig – 5% mehr als noch 2021.

Nationalratsabgeordneter Christian Drobits (SPÖ-Sprecher für Daten- und Konsumentenschutz), machte deutlich, dass die Regulierungsbehörde nun den nächsten Schritt gehen und eine Verordnung zur Herstellung der freien Endgerätewahl am Internetanschluss erlassen müsse. Das neue Gesetz selbst sei bezüglich der Routerfreiheit leider zu unkonkret. „Es wäre viel mehr möglich gewesen“, betonte Drobits. Umso wichtiger sei es, dass nun die RTR jedem Verbraucher in Österreich ermögliche, ein eigenes Endgerät einzusetzen. Zudem kritisierte er die Mietmodelle einiger Provider. Diese seien teils „sehr bedenklich“, da die Miete für einen Router nach einer gewissen Zeit den Kaufpreis übersteige.

Großes Eigeninteresse an hoher Kundenzufriedenheit

Als Vertreterin des Internetanbieters Hutchison Drei Austria hielt Natalie Ségur-Cabanac fest, dass ihre Kunden einen eigenen Router nutzen könnten, gab jedoch zu bedenken, dass die Netzbetreiber im Falle der freien Endgerätewahl nicht mehr zwangsläufig das beste Kundenerlebnis gewährleisten könnten.

Kira Terstappen-Richter vom VTKE entgegnete, dass die Hersteller ein großes Eigeninteresse daran hätten, die Kunden mit ihren Produkten zufrieden zu stellen und eine störungsfreie Internetnutzung zu ermöglichen. Deshalb würde u.a. die Interoperabilität der Endgeräte zuvor getestet sowie Chips mit internationalen Standards verwendet. Diverse Normen und Standards, wie z.B. die CE-Kennzeichnung, sorgten ebenfalls dafür, dass es zu keinen allgemeinen Netzstörungen komme. Außerdem seien „die Hersteller natürlich für den Support der kundeneigenen Geräte zuständig und bieten entsprechenden Service an“, so Kira Terstappen-Richter.

Sind Providergeräte sicher?

Laut Max Mehl von der Free Software Foundation Europe könne man die Gefährdung der Netzsicherheit oder einen schlechteren Kundensupport nicht als Argumente gegen die Routerfreiheit gelten lassen. Es sei beispielsweise unverständlich, wieso man bei kundeneigenen Endgeräten die Ursache etwaiger Störungen nicht finden können sollte. Zudem verwies er darauf, dass bei einem kundeneigenen Endgerät Sicherheits-Updates selbst und somit unter Umständen schneller als vom Provider aufgespielt werden könnten. Es gäbe auch heute schon Millionen von verwundbaren (Provider-)Endgeräten, bei denen Sicherheitslücken ausgenutzt werden könnten. Dies sei eine „reale Gefahr“. Aus persönlicher Erfahrung wisse er, dass manche Providergeräte nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgt würden – um ein neueres und sichereres Gerät nutzen zu können, müsse der Kunde einem anderen, höheren Tarif zustimmen.

Wahlfreiheit ist kein Wahlzwang

Natalie Ségur-Cabanac gab zu bedenken, dass ein Großteil der Kunden wohl eher ein Providergerät nutzen wolle, mit dem man sich um nichts kümmern müsse. Laut Christian Drobits, Kira Terstappen-Richter und Max Mehl stehe dies jedoch nicht im Widerspruch zur Einführung der Routerfreiheit. „Nicht jeder wird und soll ein eigenes Gerät nutzen“, so Terstappen-Richter, „man sollte aber die Möglichkeit haben“. Max Mehl bekräftigte: „Es geht um Wahlfreiheit, nicht um Wahlzwang.“ Neben den Diskutanten auf dem Panel meldeten sich bei der Diskussion auch Gäste per Chat zu Wort. So wurde etwa hervorgehoben, dass einige Provider bereits fremde Endgeräte zulassen. Dafür gab es Lob von Max Mehl: „Ich applaudiere allen Providern, die es bereits ermöglichen. Doch was spricht dagegen, es dann als Verordnung festzulegen?“

Diese Frage richtet sich nicht zuletzt an die RTR. Diese könnte mit einer Verordnung, in der der Netzabschlusspunkt an der „Dose an der Wand“ festgelegt ist, für Klarheit sorgen. Dann gäbe es auch in Österreich eine Routerfreiheit, wie es sie in anderen europäischen Ländern mitunter schon seit Jahren gibt. Probleme mit eigenen Endgeräten am Breitbandanschluss sind aus diesen Ländern übrigens nicht bekannt.

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Kommentare (2)

  1. Ich habe alles versucht um bei UPC/Magenta eine Fritzbox 6690 freischalten zu lasen, keine Chance, die haben mich so richtig auflaufen lassen. Seit Jahren quäle ich mich mit deren beschnittenen Liberty Modems, es ist eine Schande, dass die RTR es noch immer nicht per Verordnung regelt 🙁 Hoffe das hat auch in AT endlich ein Ende!

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  2. Bei uns haben die Kunden schon immer die Routerfreiheit. Da wir jedoch standardmäßig eine ordentliche FritzBox (derzeit eine 7530) mit ausliefern, nutzen nur ganz wenig Kunden diese Option (derzeit nur 1,8% unserer Kunden). Das sind dann Kunden, die zB eine DreamMachine oder professionelle Firewalls zB von Fortinet verwenden wollen.
    Die wissen in der Regel auch genau, was sie tun – das Support-Aufkommen ist dadurch nicht höher.

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