Montag, 28. November 2022
Hintergrund-Kommentar E&W 10/2022

Nach dem kalten Entzug

Dominik Schebach | 09.10.2022 | Bilder | |  Meinung
Die allgemeine Erkenntnis, dass sich viele Besprechungen oder Termine online erledigen lassen, war einer der großen Durchbrüche der vergangenen zwei Jahre. Aber irgendwann einmal im Laufe dieser vielen Zoom-Konferenzen und Teams-Meetings fragte man sich doch, ob man nicht in einer großen Simulation lebe. Schließlich hatte man das Gegenüber seit Monaten nicht mehr im realen Leben getroffen. Daher waren die vergangenen zwei Jahre auch ein kalter Entzug.

Ein Entzug von vielen Dingen, die wir bisher als selbstverständlich angesehen haben. Dazu zählen auch Messen und andere informelle Treffen, bei denen man sich mit seinen Partnern einmal an einen Tisch setzen konnte, um über die großen und kleinen Dinge zu sprechen, die für einen störungsfreien Ablauf der Geschäfte sorgen.Dieser Kontakt von Angesicht zu Angesicht – nicht eingerahmt von einem Bildschirm – ermöglicht es uns erst, unseren Gesprächspartner wirklich als Mensch zu sehen, zu wissen, wie dieser tickt, und seine Prioritäten zu kennen. Das ist sehr viel wert, denn es schafft Sicherheit. Und mit dieser Sicherheit als Fundament tut man sich auch im täglichen Business viel, viel leichter.

Nach zwei Jahren erzwungener Einsiedelei haben deswegen viele Menschen aus der Branche die Möglichkeit der Elektrofachhandelstage genutzt, ihre Kontakte aufzufrischen. Selbst das Wetter spielte mit, im Glashaus des Design Centers war es nicht zu heiß und nicht zu kalt. Da stellte sich in Linz das bekannte Messefeeling ein. Die gute Stimmung war ansteckend. Ein Händler sprach gar von Aufbruchstimmung. Man sah viele bekannte Gesichter und man konnte sich davon überzeugen, dass man einer innovativen und vor allem auch realen Branche angehört, mit lebendigen Menschen. Jeder Besucher der Messe konnte sehen, dass man eben kein Einzelkämpfer sei, der allein gegen die widrigen Rahmenbedingungen ankämpft, sondern Mitstreiter hat, welche denselben Herausforderungen und Schwierigkeiten gegenüberstehen. So gesehen hat die Veranstaltung wieder die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt.

Zu dem Erfolg der Veranstaltung haben viele beigetragen. Die Aussteller haben wieder für eine informative und ansprechende Präsentation gesorgt, die Kooperationen haben ihre Mitglieder motiviert, die Händler sind gekommen, und Veranstalter RX hatte die Organisation im Griff. Zum Erfolg der EFHT hat aber sicher auch das schlanke, überschaubare Format beigetragen, womit ein Besucher innerhalb eines Tages die gesamte Messe bewältigen konnte. Die Plattform EFHT hat sich in dieser Hinsicht auf ihre Kernaufgaben – Kontaktpflege und die Präsentation der wichtigsten Neuheiten – konzentriert. Damit wurde verhindert, dass sich nach dem kalten Entzug der Corona-Jahre nach dem ersten Überschwang gleich wieder ein Kater einstellt. Denn eines muss uns auch klar sein, wir haben zwar jetzt den Vergleich, wie es der Branche ohne einer offenen Kommunikationsplattform geht, die Elektrofachhandelstage müssen sich dennoch immer wieder beweisen. Nach den Eindrücken von der Veranstaltung in Linz bin ich jedoch sehr optimistisch, dass der Handel, die Hersteller und die Veranstalter nun das richtige Format für die Branche gefunden haben.

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