Montag, 30. Januar 2023
Multimedia-Kommentar E&W 12/2022

Was sich beim Bild bewegt

Wolfgang Schalko | 11.12.2022 | Bilder | |  Meinung

Wolfgang Schalko
Der Wandel in der Medienlandschaft ist unbestritten, das geänderte Nutzungsverhalten mehr als offensichtlich. Das Fernsehen, so wie wir (gemeint ist damit die Altersklasse Ü40) es kennen, gibt es nicht mehr. Und es kommt auch nicht wieder. Das Szenario vom Fernseher als Ort der familiären Zusammenkunft verklärt sich zur analogen Romantik.

Ob man das mit einem lachenden oder einem weinenden Auge sehen will, überlasse ich jedem von Ihnen selbst. Fakt ist, dass das Streaming von Bewegtbildinhalten munter voranschreitet und damit eine tragende Säule des Elektrohandels zusehends ausgehöhlt wird. Denn der große Schirm ist für viele non-linear konsumierten Inhalte nicht das Display erster Wahl, insbesondere bei der jüngeren Zielgruppe. Zugleich sind Streaming-Anbieter und OnDemand-Plattformen weiter am Werk, den klassischen Sendern bzw. Programmanbietern den Rang abzulaufen. Verdienen lässt sich damit – im Gegensatz zu simpliTV, HD Austria oder Sky – allerdings nichts. Keine guten Nachrichten also in der vorweihnachtlichen Zeit, in der man nur allzu gerne in Nostalgie schwelgt und sich Hoffnungen hingibt, von denen man selbst weiß, dass sie sich nur höchst unwahrscheinlichen erfüllen werden.

Diesen Anschein erweckte (zumindest phasenweise) ein Interview von Astra Deutschland-CEO Christoph Mühleib mit der Plattform „Digital fernsehen”. Dort meinte Mühleib: „Wer bei der TV-Versorgung auf Satellitenempfang setzt, entscheidet sich für Fernsehen in Bestform. Denn SAT-TV ist ohne Signalkosten empfangbar und bietet neben einer unglaublichen Programmvielfalt in fantastischer Bild- und Tonqualität viele weitere Vorteile, nicht zuletzt in puncto Umweltfreundlichkeit.” Das mag soweit alles stimmen – über die Features, die Konsumenten an der non-linearen Konkurrenz schätzen (und nutzen – allen voran zeitverstetztes Fernsehen bzw. Content auf Abruf) verlor er allerdings keine Worte. Andererseits: Was soll der Chef des mit Abstand wichtigsten SAT-TV-Betreibers im deutschsprachigen Raum auch sonst sagen?

An dieser Stelle möchte ich an die zehn Thesen zur Zukunft von Streaming, Fernsehen und Kino verweisen, die Medienmanager Gerhard Zeiler beim diesjährigen Produzentinnentag im Mai präsentierte. Sol lautet gleich die erste These, dass „die Zukunft des Fernsehens mehr im Streaming als im klassischen, linearen Programm” liegt. Das würden schon die steil abwärts weisenden Kurven des TV-Konsums etwa in den USA über die vergangenen zehn Jahre zeigen , vor allem beim jungen Publikum. 2021 verbrachten die 12-24-Jährigen rund 80% weniger Zeit vor linearem Fernsehen als zehn Jahre zuvor. An diese Entwicklung knüpfte Zeiler eine weitere These: Das Streaming der Zukunft ist ein anderes als das Streaming, das wir heute kennen. Soll heißen, zu Premium-Angeboten ohne Werbung und Angeboten mit Abogebühr und Werbung komme eine dritte Schiene – werbefinanziertes Streaming ohne Abokosten. Diese dritte Variante „wird die Zukunft aller linearen TV-Angebote sein müssen“, so Zeiler. Als Gewinner aus diesem Veränderungsprozess wird Zeilers Einschätzung zufolge übrigens – nein, leider nicht der Elektrohandel – die Kreativbranche hervorgehen.

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