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Freitag, 19. April 2024
Zusätzliche finanzielle Anreize zu neuen Ausbildungsschwerpunkten ab 2024

Metallgewerbe-KV: +8,2% für Elektrotechniker

Energiezukunft E-Technik | Wolfgang Schalko | 19.12.2023 | |  Wissen
(© Knoll) Anders als im Handel haben sich die Sozialpartner im Metallgewerbe nach sachlichen und unaufgeregten Verhandlungen auf einen neuen Kollektivvertrag für die rund 123.000 Arbeiter und 19.000 Lehrlinge geeinigt: Gemäß der Vereinbarung steigen die Ist-Löhne ab 1.1.2024 um 8,2% und die Mindestlöhne um 8,5%. Zudem wurde ein Zweijahresabschluss vereinbart. Zufrieden zeigt sich Bundesinnungsmeister Christian Bräuer, zumal mit dem Verhandlungsergebnis ab 1.1.2024 auch eine finanzielle Attraktivierung des modernisierten Lehrberufs Elektrotechnik einhergeht.

„Ich bin froh, dass ein massiver Personalabbau im Handwerk und Gewerbe vermieden werden kann. Die überproportionale Erhöhung bei den Lehrlingen im ersten Lehrjahr soll ein Signal an die Jugend sein, eine Lehre in einem der vielfältigen Berufe des Metallgewerbes zu beginnen. Ein Start in eine Berufsausbildung im Metallgewerbe ist eine Garantie für Karriere und beruflichen Erfolg“, erklärte Arbeitgeber-Verhandlungsleiter Andreas Lahner zum KV-Abschluss im Metallgewerbe.

Die Lehrlingseinkommen betragen nunmehr je nach Lehrjahr monatlich zwischen 932 und 1.886,50 Euro. Zusätzlich erhalten die Lehrlinge in den ersten drei Lehrjahren – wie im Vorjahr – das Österreich-Klimaticket, das alle Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln österreichweit abdeckt. „Damit soll auch heuer ein Zeichen gesetzt werden, dass Klimaschutz ein wichtiges Anliegen der Betriebe ist“, so Lahner, der darin ein zusätzliches positives Signal in Richtung Aufwertung der Lehre sowie auch in Richtung Bewusstsein für den Klimaschutz sieht.

Weiters wurde ein Zweijahresabschluss vereinbart. Die Höhe der Ist-Löhne liegt per 1.1.2025 um 0,5 Prozentpunkte über der durchschnittlichen Inflation zwischen Oktober 2023 und September 2024. Die Mindestlöhne steigen mit 1. Jänner 2025 lediglich um die durchschnittliche VPI-Rate.

„Elektrikerausbildung ab 2024 am letzten Stand der Technik“

Mit der Verordnung des Lehrberufspaketes und der entsprechenden Kundmachung treten ab dem 1. Jänner 2024 einige Änderungen in Kraft. „Mit der Fokussierung und Umbenennung zentraler Aufgabenstellungen der modernen Elektrotechnik wird damit zugleich auch die enorme Bedeutung der Branche sichtbar“, erklärt Bundesinnungsmeister Christian Bräuer.

Im Zentrum stehen dabei neue Bezeichnungen und inhaltliche Schwerpunktsetzungen bei den Spezialmodulen Gebäudetechnik, Smart Home, erneuerbare Energien und Elektromobilität sowie Netzwerktechnik. „Ohne unsere Arbeit steht die Welt still. Das gilt heute in Zeiten von Digitalisierung, Mobilität und Klimawandel mehr denn je – für all diese globalen Herausforderungen ist die Elektrotechnik der entscheidende Hebel, da ihre Rolle in immer mehr Lebensbereichen, egal ob privat oder in der Wirtschaft, weiter an Bedeutung zunimmt“, betont Bräuer. Mit der Neustrukturierung in der Ausbildung wird nun auf diese großen Veränderungen reagiert. „Junge Menschen, die sich für eine Elektrotechnikausbildung entscheiden, können wesentlich zur Weiterentwicklung der Automatisierung, beim Einsatz gegen den Klimawandel, beim effizienten Energieverbrauch und dem Ausbau der E-Mobilität beitragen. Damit können Elektrotechniker heute zu echten Gamechangern werden – nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt.“

Schon jetzt erfreut sich die Elektrotechnikausbildung großer und ständig steigender Beliebtheit. „Die Zahlen bei den Anfängern wachsen aktuell um ca. 20% im Jahr. Die weitere Attraktivierung und Modernisierung der Ausbildung wird mit Sicherheit dazu beitragen, dass unsere Betriebe auch in Zukunft ausreichend geschultes Personal vorfinden, um die umfangreichen und immer vielfältigeren Aufgaben professionell und qualitätvoll erfüllen zu können“, so Bräuer, der im Abschluss der Kollektivvertragsverhandlungen weitere Anreize ortet: „Die Erhöhung um 16,5% auf 932 Euro im ersten Lehrjahr sowie das Gratis-Klimaticket für Jugendliche während der ersten drei Lehrjahre sind weitere starke Signale.“

Bundesminister Kocher: Lehrberufspaket wirkt hohem Fachkräftebedarf entgegen

Durch das zweite Lehrberufspaket, das Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher im Jahr 2023 verordnet hat, treten ab 1.1.2024 insgesamt fünf neue Lehrberufsbilder und zwei Regellehrberufe in Kraft.

Kernstück des neuen Lehrberufspakets ist die oben genannte Neugestaltung des Modullehrberufs Elektrotechnik. Elektrotechnik ist mit österreichweit mehr als 10.000 Lehrlingen bereits heute ein beliebter Ausbildungsweg für Fachkräfte in der Energiewende. Das neue Berufsbild besteht, aufbauend auf dem zweijährigen Grundmodul, aus den vier Hauptmodulen „Elektro- und Gebäudetechnik“, „Energietechnik“, „Anlagen- und Betriebstechnik“ und „Automatisierungs- und Prozessleittechnik“ sowie zehn weiterführenden optional zu wählenden Spezialmodulen. Die Spezialmodule vermitteln erweiternde Kompetenzen zu den Bereichen „Gebäudetechnik“, „Smart Home“, „Erneuerbare Energien und Elektromobilität“ und „Netzwerktechnik“ sowie sechs eisenbahnspezifische Ausbildungen.

Darüber hinaus wurden die Lehrberufe Kosmetik und Fußpflege, die Kombination der beiden Berufsbilder sowie der Lehrberuf Fleischverarbeitung überarbeitet und neu konzeptioniert. Die Überleitung in Regellehrberufe betrifft die bisher als Ausbildungsversuche geführten Lehrberufe „Tierärztliche Ordinationsassistenz“ und „Zahnärztliche Fachassistenz“, mit jeweils steigenden Lehrlingszahlen in den vergangenen Jahren.

„Mit dem neuen Lehrberufspaket schaffen wir eine weitere Grundlage für nachhaltige Ausbildungen in der Lehre, die aktuellen Gegebenheiten und Erfordernissen am Arbeitsmarkt und in den Unternehmen entsprechen. Gleichzeitig wurden auch neue fachübergreifende Kompetenzen, wie nachhaltiges oder digitales Arbeiten in alle neuen Berufsbilder aufgenommen. Dieses Fach- und Praxiswissen ist am Arbeitsmarkt sehr gefragt und leistet einen Beitrag, um dem hohen Fachkräftebedarf zu entsprechen“, betonte Minister Kocher.

Mit Ende November wurden in Österreich über 109.000 Lehrlinge ausgebildet, mehr als 103.000 in Unternehmen und rund 6.000 in im Auftrag des AMS tätigen überbetrieblichen Einrichtungen. Die Zahl der Lehrlinge in Unternehmen ist damit gegenüber dem Vorjahr um 1,1% gestiegen. Die Lehrlingsquote, d.h. der Anteil der Lehrlinge im ersten Lehrjahr an der Anzahl der 15-Jährigen, lag im Jahr 2022 bei 40,7%.

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