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Freitag, 23. Februar 2024
Alarmierende Studie

Unterstützung für Klimaschutz und Erneuerbaren-Ausbau in Österreich sinkt

Photovoltaik Energiezukunft | Wolfgang Schalko | 05.02.2024 | Downloads | |  Wissen
Gerhard Marterbauer (Deloitte Österreich), Michael Strebl (Wien Energie) und Nina Hampl (WU Wien) präsentierten die – wenig erbaulichen – Ergebnisse der Studie „Erneuerbare Energien in Österreich 2024”. Gerhard Marterbauer (Deloitte Österreich), Michael Strebl (Wien Energie) und Nina Hampl (WU Wien) präsentierten die – wenig erbaulichen – Ergebnisse der Studie „Erneuerbare Energien in Österreich 2024”. (© Wien Energie/Deloitte/Christian Hofer) Eine aktuelle Studie von WU Wien, Deloitte Österreich und Wien Energie zeigt, dass aufgrund der enormen Teuerung in vielen Bereichen die Maßnahmen für den Klimaschutz bei der österreichischen Bevölkerung an Priorität einbüßen. Die Unterstützung für erneuerbare Energieprojekte ist deutlich abgeflacht und auch der E-Auto-Markt verzeichnet ein rückläufiges Interesse.

Seit 2015 erheben die WU Wien, Deloitte Österreich und Wien Energie Jahr für Jahr die Einstellung der Österreicher zu erneuerbaren Energien. Die repräsentative Studie unter rund 1.100 Befragten offenbart heuer jedoch erste Ermüdungserscheinungen bei diesem Thema: Zwar wird der Klimawandel weiterhin als zentrales Problem in den kommenden zwei Jahrzehnten gesehen, aber bei den dafür notwendigen (Gegen-)Maßnahmen, insbesondere nachhaltigen Energieprojekten, wird die Haltung zunehmend kritisch.

„Wir sehen, dass die Zustimmungswerte für Windkraftprojekte im eigenen Umfeld auf unter zwei Drittel gesunken sind. Und auch die eigentlich sehr beliebte Photovoltaik erreicht mit 83% den niedrigste Akzeptanzwert seit Beginn der Studienreihe – das ist ein besorgniserregendes Ergebnis“, betont Nina Hampl, Studienautorin an der WU Wien.

Das gilt ebenso für PV-Freiflächenanlagen, wo die Zustimmung mit 61% zwar weiterhin hoch ist, aber deutlich niedriger als in den letzten beiden Jahren (je 71%). Trüb sind auch die Aussichten, welche erneuerbaren Energieträger in Österreich in Zukunft stark ausgebaut werden sollen: Hier rangiert die PV auf Fassaden und Dächern mit 72% auf Platz 1, gefolgt von Kleinwasserkraft (57%) und Windkraft (52%). Dahinter liegen Biomasse (48%), große Wasserkraft (45%) und PV-Freiflächenanlagen mit 44% – wobei die Zustimmung durch die Bank um fast 10% gesunken ist.

Schwindender Rückhalt für Verbote

Die Zustimmung zum forcierten Ausbau von erneuerbaren Energien sowie entsprechenden klimapolitischen Maßnahmen ist im letzten Jahr deutlich gesunken, berichteten Gerhard Marterbauer, Nina Hampl und Michael Strebl (v.l.n.r.).

Die getrübte Stimmung zeigt sich auch in einem Rückgang der Unterstützung für energie- und klimapolitische Maßnahmen: Befürworteten im Vorjahr noch 66% der Österreicher, dass der Gesamtstromverbrauch bis 2030 aus 100% erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden soll, sind es aktuell nur mehr 55%. Dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 stimmen nur noch 51% (Vorjahr: 60%) zu. Und lediglich ein Drittel der Befragten spricht sich für ein generelles Verbot von Gasheizungen ab 2040 bzw. Ölheizungen ab 2035 aus.

„Die Österreicherinnen und Österreicher sind immer weniger dazu bereit, für die Energiewende persönliche Veränderungen hinzunehmen. Zwei Drittel sind dementsprechend der Meinung, dass mehr auf Anreize statt auf Verbote gesetzt werden sollte“, ergänzt Hampl. Die Bereitschaft, durch persönliche Einschränkungen einen Beitrag zum Energiesparen zu leisten, ist von 68% auf 57% gesunken, den beschleunigten Ausbau von erneuerbaren Energietechnologien befürworten aktuell 65% (nach 77% im Vorjahr).

Energiesparen liegt dennoch weiter im Trend. Fast die Hälfte (47%) setzt in diesem Zusammenhang auf eine Verhaltensänderung. Weitere beliebte Maßnahmen sind das Senken von Raum- und Warmwassertemperatur sowie der Tausch von alten Glühbirnen zu LED. Der Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel war hingegen nur bei 13% ein Thema. Der Großteil der Befragten will diese Maßnahmen auch in den kommenden 12 Monaten beibehalten, wenngleich hier primär die Inflation (89%) sowie die gestiegenen Energiekosten (88%) als Gründe genannt werden und nur sekundär Klimaschutz (71%) oder die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern (61%).

E-Auto-Markt stockt

Doch nicht nur die Energiewende, gerade auch die Mobilitätswende verläuft hierzulande schleppend. So hat das Kaufinteresse an E-Autos nach jahrelanger Stagnation nun sogar abgenommen (von 43% auf 38%). Vor allem die zu geringe Reichweite und die hohen Anschaffungskosten sprechen laut den Befragten gegen ein Elektroauto. Insbesondere bei den unter 40-Jährigen ist das Interesse gesunken. „Die Etablierung des E-Autos geht nur schleppend voran, obwohl es mittlerweile schon ein breites Angebot gibt. Gerade für die jungen Generationen wirkt der Kostenfaktor noch zu abschreckend“, so Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich.

Die Top-Gründe für die Anschaffung eines Elektroautos sind in erster Linie finanzieller Natur. Die geringen Betriebskosten und die öffentlichen Förderungen stehen laut Studie an oberster Stelle. Nachhaltigkeitsbezogene Argumente wie emissionsfreies Fahren, die Unabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen und der Umweltschutz haben hingegen im Vergleich zum Vorjahr an Überzeugungskraft verloren. „Die Umfrage zeigt klar, dass sich öffentliche Förderungen positiv auf die Kaufentscheidung auswirken. Das ist ein zentraler Hebel, um den Ausbau nachhaltiger Mobilität in Österreich voranzutreiben – und sollte unbedingt beibehalten werden“, unterstreicht Marterbauer.

Gemischtes Bild

Immerhin der Trend zur Installation einer Photovoltaikanlage setzt sich weiter fort: Auf fast jedem vierten Haus bzw. Wohngebäude (23%) befindet sich mittlerweile eine PV-Anlage, über die Hälfte der Anlagen wurde innerhalb der vergangenen zwei Jahre installiert. Gut ein Drittel der PV-Anlagenbesitzer hat auch einen Stromspeicher. Nach dem Rekordwert des Vorjahres, als fast 60% der Planer innerhalb von zwei Jahren in eine PV-Anlage investieren wollte, ist dieser Zeithorizont nun wieder gestiegen: Aktuell will noch die Hälfte innerhalb von zwei Jahren investieren (zum Vergleich: vor fünf Jahren lag dieser Wert gerade einmal bei einem Drittel). Für mehr als ein Drittel ist die aktuelle Teuerung der Grund, nicht oder erst später in eine PV-Anlage zu investieren.
Ein deutlicher Rückgang ist auch bei der Investitionsbereitschaft in Stromspeicher zu verzeichnen: Lediglich 19% (Vorjahr: 28%) sind dafür – bei weiteren 45% ist eine diesbezügliche Entscheidung noch offen.

Beim Thema nachhaltige Wärmeversorgung tritt Österreich ebenfalls auf der Stelle: Der Anteil von fossilen Energieträgern wie Erdgas oder Heizöl im privaten Wohnbau hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Die Bereitschaft zum Umstieg auf eine erneuerbare Form der Wärmebereitstellung ist von 24% auf 19% gesunken, wobei Brennholz/Hackschnitzel (44%) das Ranking vor Luftwärmepumpen (22%) anführen.

„Die Wärmewende wird eine der zentralen Herausforderungen in naher Zukunft, doch laut Umfrage verlangsamen auch hier die aktuellen Teuerungen den wichtigen Fortschritt. Es wird sich zeigen, wie sich die bereits präsentierten Förderungen hier in den nächsten Monaten auswirken“, erklärt Michael Strebl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Wien Energie. „Erfreulich ist jedenfalls, dass die Bereitschaft der Österreicherinnen und Österreicher, sich an Bürgerprojekten zur Nutzung erneuerbarer Energien zu beteiligen, weiter leicht zunimmt.“

Das Interesse an Energiegemeinschaften ist anhaltend hoch. Knapp die Hälfte der Befragten kann sich eine Beteiligung vorstellen (Vorjahr: 55%), jeder Zehnte ist bereits an einer Energiegemeinschaft beteiligt. Der finanzielle Anreiz ist hier ebenfalls ausschlaggebend. „Wir sehen, dass die Themen Klimaschutz, Leistbarkeit und Versorgungssicherheit eng zusammenrücken. Der Kostenfaktor ist gerade im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld für die Bevölkerung entscheidend. Der Weg ‚raus aus Gas‘ und damit in eine umweltfreundliche und auch preisstabilere Zukunft kann nur gelingen, wenn wir alle auf diesem Weg mit- und die Sorgen ernst nehmen“, so Strebl abschließend.

Die gesamte Studie finden Sie als PDF beigefügt zum Download.

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Studie „Erneuerbare Energien in Österreich 2024”
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