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Mittwoch, 24. April 2024
„Shoppen wie ein Milliardär"-aber zu welchem Preis?

Schrott oder Schnäppchen?

Über den Rand | Julia Jamy | 25.02.2024 | Bilder | | 3  Meinung
(© Pixabay) Der Online-Shop Temu aus China lockt mit absurd günstigen Preisen und sorgt deswegen immer wieder für Unmut in der Branche. Doch wie kommen diese Preise überhaupt zustande und welche Strategie steckt dahinter? Höchste Zeit sich den chinesischen Billig-Webshop mal genauer anzusehen.

Shoppen wie Milliardäre: Das Versprechen von Temu klingt zu schön, um wahr zu sein. Der Billig-Webshop aus China lockt mit absurd günstigen Preisen, wie etwa eine Herren Smartwatch um 22 Euro, eine Sonnenbrille um 3 Euro oder eine Handtasche um 6 Euro. Zurzeit bietet der Webshop Frühlingsangebote mit „bis zu 90% Rabatt“. Hauptsache billig, billig, billig, so scheint das Motto.

Zurzeit bietet Temu Frühlingsangebote mit „bis zu 90% Rabatt.

Das Herzstück von Temu ist seine App. Dort können User nicht nur einkaufen, sondern auch Glücksrad spielen, um die ohnehin schon äußerst niedrigen Preise auf der Seite noch weiter zu drücken. Das geht so weit, dass man auch komplett gratis Produkte erhalten kann, wenn man neue Kunden für Temu mit Rabattcodes anlockt. Man wird förmlich mit Rabatten, Aktionen und Geschenken bombardiert. Und es wird immer so getan, als würden die Angebote gleich ablaufen. Tun sie aber natürlich nie.

Doch woher kommt Temu überhaupt? Temu wurde 2022 in Boston (USA) gegründet, ist aber eine chinesische Firma. In den USA ging das Unternehmen im September 2022 an den Start. Seit Frühling 2023 gibt es Temu auch hierzulande. Hinter Temu steckt die Unternehmensgruppe PDD Holdings, registriert auf den Cayman Islands und gegründet vom chinesischen Milliardär Huang Zheng. Die große Frage, die sich stellt: Warum ist der Webshop so erfolgreich und was macht Temu besser als die anderen Billig-Läden aus China? Die Antwort: Es ist halt noch ein bisschen billiger.

Aber wie kommen diese absurd günstigen Preise überhaupt zustande? Die Waren werden direkt von den Herstellern verschickt. Dadurch spart sich Temu die Kosten für Lager und Zwischenhändler. Außerdem muss für Warensendungen aus China mit einem Wert von unter 150 Euro kein Zoll gezahlt werden. Das ist auch der Grund, warum es auf Temu fast kein Produkt gibt, das mehr als 150 Euro kostet. Übrigens bezahlt man auch keine Versandkosten.

Doch wenn die Endkunden so günstig wegkommen, dann geht das oft auch auf Kosten der Umwelt. So sind etwa Retouren bei Temu 90 Tage lang kostenlos möglich. Aber wo landet das T-Shirt für 3 Euro, wenn es nach China zurückgeschickt wird? Der einfachste und günstigste Weg dürfte der Müll sein. Temu schwört jedenfalls sich für die Umwelt zu engagieren und schreibt auf seiner Homepage: „Als Teil unseres ständigen Engagements für ökologische Nachhaltigkeit hat Temu eine Partnerschaft mit Trees for the Future, um Bäume in ganz Afrika südlich der Sahara zu pflanzen. Die von Temu und seinen Nutzern gepflanzten Bäume haben eine positive Auswirkung auf das Land und die lokalen Gemeinschaften und helfen gleichzeitig bei der Bewältigung globaler Umweltprobleme. „

Der rasante Aufstieg von Temu sowie der chinesische Online-Händler für Mode Shein macht sich auch in der Luftfracht bemerkbar. Logistik-Experten sprechen von einem massiven Anstieg von Frachtmengen aus China, die auf die Billig-Plattformen zurückzuführen sind. Jeweils 4.000 bis 5.000 Tonnen Waren sollen täglich von den Billighändlern aus China ausgeflogen werden. Heimische Firmen können hier natürlich nicht mithalten, weil diese sich an die deutlich strengeren Gesetze hierzulande halten müssen, wie etwa bei den Arbeitsbedingungen in der Lieferkette.

Temu ist natürlich nicht der Einzige, der Billigkonsum fördert. Fair ist Temus Vorgehen meiner Meinung nach dennoch nicht. Ich finde, eine bessere staatliche Kontrolle und mehr Transparenz in der Lieferkette ist hier dringend geboten. Natürlich freut man sich in Zeiten hoher Inflation und steigender Preise über ein wahres Schnäppchen. Es liegt aber auch an uns, auf Qualität zu setzen statt nur auf den schnellen Schnapper.

Bilder
(© Pixabay)
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Kommentare (3)

  1. Da gab es doch einmal bei uns „Geiz ist Geil“, das war nicht aus China.
    Vielleicht sollte auch mal unsere Bürokratie (die ja angeblich seit Ich lebe immer weniger werden sollte) durchleuchtet werden.

    2

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