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Sonntag, 19. Mai 2024
Hintergrund-Kommentar E&W 04/2024

Wir wollen‘s wissen

Wolfgang Schalko | 14.04.2024 | Bilder | |  Meinung
Zwangsläufig stößt jeder von uns mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf Dinge, Vorgänge oder Aspekte, bei denen man sich fragt, wie das zusammenpasst – und dann doch vergeblich nach einer Antwort sucht. Nachdem ich vor Kurzem das Branchenevent des NÖ Landesgremiums des Elektro- und Einrichtungsfachhandels besuchen durfte und dort das Vergnügen hatte, einem Vortrag des Politikexperten Thomas Hofer zu lauschen, möchte ich Ihnen ein solch „Dreigestirn” vorstellen, das mir bis dato ein Rätsel bleibt.

Dazu ein kurzer Exkurs zu Thomas Hofers Ausführungen – eine rund halbstündige Analyse der heimischen Politlandschaft, die pointiert jene Mechanismen offenlegte, mit denen heute politisches Kleingeld gemacht wird und die zugleich das System zusehends unterwandern und aushöhlen. Etwa das Phänomen des „Agenda-Surfings”, wo jeder die aktuelle „Welle” so gut es geht für seine Zwecke nutzt und das Tagesgeschäft dominiert, während langfristige Strategien außer Acht gelassen werden. Oder die „Emokratie” (für die Donald Trump als Paradebeispiel steht), was soviel bedeutet wie die Dominanz emotionaler Zuspitzungen mit Populismus in alle Richtungen – eng verbunden mit einer neuen Form des „Turmbau zu Babel“, die sich heute v.a. in gesellschaftlicher Fragmentierung äußert und durch immer kleiner werdende Untergruppierungen dazu führt, dass jegliche gemeinsame Fakten- und Debattenbasis verloren geht. Aus diesen Entwicklungen resultiert eine „Ho-Ruck-Orientierung” und lässt die Wirtschaft zum politischen Spielball bzw. zur Zielscheibe werden – kurzum, die Planbarkeit geht verloren. Zumal das Narrativ der 2. Republik (das Wohlstandsversprechen als Leistungselexier) zusehends ins Wanken gerät und mittlerweile selbst die Marktwirtschaft als erstrebenswertes Wirtschaftssystem angezweifelt wird.

Das eingangs erwähnte Dreigestirn besteht aus Online-Shopping, Nachhaltigkeit und (gesundem?) Patriotismus. Alle drei Begriffe bzw. inhaltsähnliche Varianten davon sind heute quasi omnipräsent in unserem Lebensalltag, im medialen Diskurs und eben im (gesellschafts-)politischen sowie wirtschaftlichen Geschehen. Welche Auswüchse das fernöstlich getriebene Online-Shopping mittlerweile nimmt, können Sie in der Coverstory der E&W-Ausgabe 4/2024 nachlesen. Dass diese Billigst-Mentalität in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten eine erkleckliche Zahl an „Fans” findet, kann ich aus der Kostenperspektive ja noch verstehen. Weniger nachvollziehbar ist da für mich schon, wie das mit dem oft propagierten lokalen Kaufverhalten und einer – gerade in unteren Einkommensschichten oft sehr ausgeprägten – „Österreich-Orientierung” zusammenpasst. Zumal unsere Heimat – Stichwort Nachhaltigkeit/Umwelt – ja auch geschützt werden soll, wofür der über Temu, Shein & Co. importierte Elektro-Schrott allerdings nicht gerade dienlich sein dürfte. Ich frage mich, wo da der oft und gerne bemühte „Hausverstand” bleibt – und wo die politsichen Stimmen, die dieses emotional wie rational bestens verwertbare Thema auf ihre Agenda setzen. Und gerade weil mich (und wohl auch einige andere) interessiert, möchte ich Sie an das E-Players Event Mitte Mai in Linz erinnern: Dort veranstalten das Bundesgremium und E&W einen prominent besetzten Branchen-Round Table (mehr dazu ebenfalls in der neuen E&W-Ausgabe sowie in Kürze auf elektro.at), der genau solche Fragen beantworten soll.

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