Besuchen Sie uns auf LinkedIn
Sonntag, 19. Mai 2024
Multimedia-Kommentar

Unter Zugzwang?

Über den Rand | Julia Jamy | 14.04.2024 | Bilder | | 3  Meinung
(© Pixabay) Das Interesse an DAB+ ist ungebrochen. Im Juni dieses Jahres werden bis zu 28 neue Radioprogramme über die DAB+ Plattform verbreitet, darunter auch zwei komplett neue Sender von kronehit, der bisher den Einstieg in DAB+ kategorisch abgelehnt hat. Setzt der Privatsender mit seinem Engagement über DAB+ nun die Öffentlich-Rechtlichen unter Druck?

Sechs Jahre nach der Einführung von DAB+ wächst die Digitalradiofamilie in ganz Österreich weiter. Denn die KommAustria hat der ORS grünes Licht für den nationalen und regionalen Ausbau gegeben. Insgesamt werden bereits ab 21.Juni dieses Jahres bis zu 28 neue Radioprogramme über die DAB+ Plattform verbreitet werden. Mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dem größten Privatsender des Landes, kronehit, verweigerten bislang die beiden reichweitenstärksten Veranstalter ihre Beteiligung am terrestrischen Digitalradio. Im Fall von kronehit ändert sich das aber jetzt. So werden ab Juni zwei komplett neue Sender von kronehit über DAB+ empfangbar sein: „Radio Rot Weiss Rot“ und „Super 80s“. Bisher hatte kronehit den Einstieg in DAB+ kategorisch abgelehnt. Nun also die Kehrtwende. Dass kronehit nun auch auf DAB+ setzt, ist natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn einerseits wäre auf UKW für eine derartige Expansion wenig Platz. Auf der anderen Seite kann man durch eigene Angebote natürlich verhindern, dass neue Konkurrenz entsteht.

Setzt der Privatsender mit seinem Engagement über DAB+ nun die Öffentlich-Rechtlichen unter Druck? Der ORF hält nämlich weiterhin an der UKW-Technik fest und damit fehlen auch weiterhin die ORF-Programme als Zugpferd der heimischen Radiolandschaft. Vor rund einem Jahr sollte eine Popularbeschwerde den ORF zum Sendestart auf DAB+ bewegen – getan hat sich seitdem leider wenig bis gar nichts und der Öffentlich-Rechtliche macht auch keine Anstalten, daran etwas zu ändern. Anders als die privaten Mitbewerber darf der ORF aber nicht mal eben ein neues Programm starten, das dann über DAB+ verbreitet wird. Vielleicht ist das mitunter auch ein Grund, warum das terrestrische Digitalradio für den ORF noch nicht attraktiv ist. Dennoch stellt sich die Frage, ob der ORF dauerhaft an einem Verbreitungsweg vorbeikommt, der nicht nur in Österreich, sondern auch in den Nachbarländern von immer mehr Verbrauchern genutzt wird. Denn laut der Studie „Audio Trends 2023“ wuchs die Anzahl der DAB+ Radios in deutschen Haushalten auf 28,3 Millionen Stück. Im Vergleich zum Jahr 2022 sind das 4,4 Millionen mehr (+19 %). Außerdem sank die Zahl der UKW-Radios um 5,5 Millionen verglichen mit 2022. Auch im Auto profitieren die Käufer von Neuwagen von der Digitalradiopflicht. Mit 94 Prozent DAB+ Empfängern in Neuwagen und 41 Prozent DAB+ in Gebrauchtwagen erreicht Digitalradio hier einen neuen Spitzenwert. In Deutschland ist DAB+ in allen Bundesländern die zweithäufigste Radio-Empfangsart nach UKW. Auch hierzulande hören über eine Million Menschen in Österreich mehrmals im Monat Radio über DAB+.

Zudem verfügt DAB+ über eine wichtige Sache, die im Notfall sogar Leben retten kann. So haben sich die Mitglieder des Vereins Digitalradio Deutschland zum Ziel gesetzt, ein neues Warnsystem zu definieren, das auf den DAB+ Datendiensten basiert. Im Vergleich zum Mobilfunk wird DAB+ nämlich über hoch gelegene Sendemasten verbreitet, die auch im Krisenfall verfügbar bleiben, wenn das Mobilfunknetz überlastet ist oder wegen Unwetter ausfällt. Die Norm sollte Mitte 2024 verabschiedet werden, sodass mit den zusätzlichen Warnfunktionen ausgestattete Radios Anfang 2025 im Handel verfügbar wären. Das sollte doch zumindest eine Überlegung wert sein.

Bilder
(© Pixabay)
Diesen Beitrag teilen

Kommentare (3)

  1. Wobei, die Radioprogramme des ORFs sind über DVB-T2 sogar unverschlüsselt… die TV-Programme des ORFs sind nur deshalb verschlüsselt weil man dadurch erheben kann wo terrestrisches Fernsehen noch genützt wird um ggf. paar Masten abdrehen zu können – darum funktionieren ja auch nicht die Sat-Module für DVB-T2.
    Das ganze ORF Disaster kommt halt davon wenn man meint man müsse die Sendetechnik auslagern und privatisieren.

  2. Der ORF hat doch schon digitalisiert, indem er nun alle RADIO-Programme über das grundlos-verschlüsselte DVB-T2 „Simpli“ (V steht hier für VIDEO) verbreiten lässt.
    Kann man nicht verstehen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden