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Samstag, 15. Juni 2024
Das Geheimnis der verschollenen Socke

Einem Rätsel auf der Spur

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 26.05.2024 | Bilder | |  Meinung
Wissen Sie was der 9. Mai für ein Tag ist? Also welcher Tag sich Jahr für Jahr am 9. Mai wiederholt? Nein, ich spreche nicht vom „Tag des Orgasmus“ (den es tatsächlich gibt – laut diverser Quellen eben am 9. Mai), sondern vom „Tag der verlorenen Socke“. Dieses Mal gehe ich einem Mysterium auf die Spur ...

Wohin gehen wir, wenn wir sterben? Was ist der Sinn des Lebens? Wieso laufen Nasen, während Füße riechen? Es gibt Fragen, die der Menschheit schon lange Kopfzerbrechen bereiten – dazu gehört auch die Frage, warum einzelne Socken immer wieder verloren gehen.

Man kennt die Situation: gestresst öffnet man morgens die Sockenschublade, will sich ein Paar Socken greifen und merkt, dass die beiden gar nicht zusammengehören. Eine ist quasi neu, die andere schon sichtlich vom Leben im Schuh gezeichnet. Verdünnter Stoff im Zehenbereich ist ein erster Hinweis auf Lochbildung und ab da ist es nur eine Frage der Zeit, bis es um Leben oder Wegwerfen geht. Der Griff nach einem anderen Paar scheint keine Lösung zu sein, denn keine zwei Socken wollen wirklich zusammenpassen. Stattdessen liegt da ein armseliger Haufen einsamer Sockenwaisen in verschiedensten Farben, Längen und Lebensphasen.

Es verschwinden immer wieder einzelne Socken. Länder- und kulturunabhängig sind unzählige Menschen weltweit mit diesem Problem, um nicht „Mysterium“ zu sagen, konfrontiert und die allermeisten davon hatten SIE schon mal unter Verdacht: Die Waschmaschine – die Socken verschwinden lässt, wenn nicht sogar frisst. Anlässlich des „Tages der verlorenen Socke“, der sich Jahr für Jahr am 9. Mai wiederholt und übrigens auf den „Ohne Socken Tag“ am 8. Mai folgt, habe ich mich auf die Spur der verlorenen Socken begeben bzw. versucht herauszufinden, was hinter dem mysteriösen Verschwinden steckt.

Netzfunde

Im Netz findet man ja ganz unterschiedliche Erklärungen für dieses Phänomen. Sie reichen vom berühmten Bermuda-Dreieck, wo ja auch hin und wieder mal ganze Flugzeuge einfach so vom Radar verschwinden sollen, bis hin zu schwarzen Löchern, in denen die Socken einfach so entschwinden sollen. Manche Theorien sind so schräg, dass ich Ihnen diese nicht vorenthalten möchte.

Theorie 1: Wenn sich zwei Socken total liebhaben, dann verschmelzen sie beim Waschgang zu einer Einzigen.

Theorie 2: Es gibt eine Welt hinter der Waschmaschine. Das wissen nur wenige Socken. Sie klopfen dann in der Waschmaschine an eine spezielle Tür und nehmen im Socken-Center–Parcs ein paar Tage oder auch Wochen Urlaub. Einige Waschmaschinen später steigen die meisten davon wieder ein.

Theorie 3: Die zweite Socke ist nur Zigaretten holen.

Theorie 4: Socken haben die Fähigkeit, sich woanders hin zu beamen. Und da einige von ihnen richtig Panik vor Wasser, also eine ausgeprägte Aquaphobie haben, verschwinden sie bevor man sie in die Maschine stecken kann.

Theorie 5: Socken verschwinden nur, wenn sie zusammen mit Hosen in eine Waschmaschine gesteckt werden. Die Hosen rempeln und prügeln die Socken nämlich immer Mal wieder recht gerne während des Waschgangs und davor haben manche Socken Angst.

Theorie 6: Socken hassen Schaumpartys.

Theorie 7: Die Socken sind im falschen Körper geboren und wollen lieber ein Unterhemd sein. In der Waschmaschine findet dann die Verwandlung statt. Man sollte also beim nächsten Mal genauer hinsehen, ob da nicht plötzlich ein Unterhemd mehr drin ist.

Theorie 8: In der Waschmaschine leben kleine Monster, deren Leibspeise Socken sind. Da die kleinen Monster aber nicht so schnell sind und sich die Waschtrommel ja dreht, erwischen sie immer nur eine Socke bis der Waschgang fertig ist.

Theorie 9: Die Textilfirmen verwenden bei jedem zweiten Socken ein bestimmtes Garn, das sich bei einem hohen Feuchtigkeitsgrad und einer bestimmten Erwärmung auflöst, damit der Umsatz gesteigert wird.

Theorie 10: In Waschmaschinen leben Außerirdische, die sich von Socken ernähren. Die Außerirdischen stammen vom Planeten Struhumph, dieser ist aber bedauerlicherweise vor vielen Jahren (etwa zu der Zeit als auf der Erde die ersten Waschmaschinen auftauchten) explodiert und so wanderten die Struhumphianer aus und fanden in den Waschmaschinen auf unserer Erde eine neue Heimat. Als Nahrungsquelle nutzen sie die dort reichlich vorhandenen Socken, wobei sie aus religiös-spirituellen Gründen nie beide Socken eines Paares verzehren.

Theorie 11: Wenn man zwei Socken in die Waschmaschine gibt und nur ein Socken herauskommet, dann hat sich die fehlende Socke in Energie umgewandelt. Es ist so, dass Aufgrund der Form und Affinität des Sockens sich dieser gemäß der Einsteinschen Masse – Energie Äquivalenz gemäß E=mc^2 in Energie umwandelt. Sehr beängstigend ist dabei die entstehende Energie. Wenn man davon ausgeht, dass ein Socken 50 g wiegt dann gilt E=0,05kg(300.000.000ms-1)^2=4500000000000000 kgm^2s^-2=7,209e+34 eV. Aus dem Socken müsste eine solch extrem hohe elektromagnetische Strahlung emittiert werden, dass man sich der laufenden Waschmaschine nur mit einem Spezialanzug nähren dürfte, um keine gesundheitlichen Schäden davonzutragen … diese Theorie ist also – obwohl sie gut klingt – eher unwahrscheinlich.

Theorie 12: Durch die Rotation der Waschmaschinentrommel kommt es regelmäßig zu Unregelmäßigkeiten im Raum/Zeit Kontinuum und durch die so entstandenen Strudel werden die einzelnen Socken eingesogen. Ebenso regelmäßig werden sie an anderer Stelle im Universum wieder ausgestoßen. Sollten sie dabei zufällig in die Erdumlaufbahn geraten, verglühen sie natürlich beim Eintritt in die Atmosphäre (es sei denn es handelt sich um Asbestsocken). Der Wissenschaft ist dieses Phänomen seit langem bekannt, wird aber konsequent unter dem Hinweis auf Meteoritenschauer („Sternschnuppen“) verharmlost.

Theorie 13: Es sind gar nicht die Waschmaschinen, die es auf Socken abgesehen haben. Es sind Aliens, die auf die Erde kommen, um gebrauchte und im besten Fall stinkende Socken zu klauen, weil sie diese als Treibstoff für ihre Raumschiffe brauchen (Fans von El Bundy wissen das spätestens seit den 1990-iger Jahren).

Der Socken-Verlust-Index

Fast witziger als die einzelnen Theorien finde ich ja, dass es so viele Menschen gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Ganze Studien wurden zu diesem Thema durchgeführt. Eine davon besagt, dass jeder britische Bürger pro Monat 1,3 Socken in der Waschmaschine verliert. Wenn man nun von rund 67 Millionen Menschen ausgeht, die in Großbritannien leben, dann wären das 87,1 Millionen Socken im Monat, also 1.045.200.000 Socken im Jahr – alleine in Großbritannien!!! Eine andere Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach verlieren wir im Durchschnitt 15 Socken pro Jahr. Aufgerundet auf ein Leben sind das 1.125 Socken!

Zwei (auch britische) Wissenschaftler haben übrigens den sogenannten „Socken-Verlust-Index“ erstellt. Dieser zeigt auf, wie hoch das Risiko ist, nach dem Waschvorgang nur noch mit einem Strumpf dazustehen. Die Wahrscheinlichkeit eines Sockenverlusts kann – laut den britischen Forschern – mit folgender Formel berechnet werden:

(L(p x f) + C(t x s)) – (P x A)

  • L = Umfang der Wäsche (L = p x f)
  • p = Im Haushalt lebende Personen
  • f = Ladungen pro Woche
  • C = Zusammenstellung der Wäschen (C = t x s)
  • t = Anzahl der genutzten Wascharten pro Woche
  • s = Anzahl der Socken, die pro Woche gewaschen werden
  • P = Spaß, den man beim Waschen hat, auf einer Skala von 1 bis 5 (1 = gar kein Spaß, 5 = großer Spaß)
  • A = Anzahl der Vorbereitungen des Waschgangs (Verwendung von Wäschesäcken, Schließen von Reißverschlüssen, etc.)

Je höher euer „Socken-Verlust-Index“ ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass nach dem Waschen nur ein Fuß bestrumpft werden kann. Aber wo geht der zweite Socken nun wirklich hin? Auch dafür haben diverse Forscher diverse (dieses Mal ernsthafte) Erklärungen parat. Zu den häufigsten Ursachen zählen demnach, dass Strümpfe beim Sortieren getrennt werden, beim Trocknen hinter einen Heizkörper rutschen, unter Möbeln verloren gehen oder von der Wäscheleine geweht werden. Ist man sich aber sicher, dass keiner der Fälle zutrifft, bleibt tatsächlich nur die Waschmaschine als Tatverdächtige über. Und sie kann auch durchaus schuldig sein, wie u.a. Joshua Jahn, Projektleiter der Energieberatung der Verbraucherzentrale Brandenburg, erklärte: „Es ist teilweise richtig, dass Socken in Waschmaschinen verloren gehen. Kommen Socken bei ihren Runden in der Trommel nämlich in die Dichtung an der Tür, können sie bei manchen Geräten durch einen Spalt in dieser Gummilippe in das Innere der Waschmaschine gezogen werden.“ Socken und andere recht kleine Kleidungsstücke verfangen sich dann laut Jahn im Geräteinneren, zB. in der Heizungsspule der Maschine. Ihre Rettung sei meist aussichtslos, denn durch Hitze und Reibung löse sich der Stoff nach einer Zeit vollständig auf.

Aber kann man die Socken vor dem „Waschmaschinenfraß“ schützen? Ja, meinen Experten und geben folgende drei Tipps, um Socken vor dem Verschwinden zu bewahren:

  • Verwenden Sie einen Wäschesack, in den Sie die Socken beim Waschen legen.
  • Knoten Sie Socken beim Waschen zusammen oder verwenden Sie spezielle Sockenklammern.
  • Machen Sie Waschmaschine nicht zu voll. Man sollte zumindest eine handbreit Platz in der Trommel lassen.

Mein ganz persönlicher Tipp lautet: Legen Sie sich nur eine Art von Socken zu, dann ist es nicht so schlimm, wenn einzelne verschwinden 🙂

Ich werde die Expertentipps ab nun ausprobieren und generell das alles beobachten und dann werde ich ja sehen, ob die Erklärung der Experten wahr ist oder ob es sich lediglich um ein schnödes Ablenkungsmanöver handelt, um einer weltweiten Sockenverschwörung nicht auf die Spur kommen zu können, von der ich ja übrigens viel eher ausgehe, als von der Waschmaschinenschlitztheorie – nicht weil ich Schwurbler-Tendenzen habe, sondern einfach nur weil es unterhaltsamer ist 😉

Nachtrag

In Zeiten von Urheberrecht und Copyright traue ich mich (als gebranntes Kind) nicht, das Originalcover des Kinderbuches „Die erstaunlichen Abenteuer von zehn Socken (vier rechten und sechs linken)“ einfach so abzubilden … deshalb habe ich es schnell nachgezeichnet. Und wenn Sie schnell googeln, werden Sie sehen, dass ich ganz nah dran bin am Original 🙂

Für all jene, die das Thema auch beschäftigt und die im Herzen Kind geblieben sind, empfehle ich das Kinderbuch „Die erstaunlichen Abenteuer von zehn Socken (vier rechten und sechs linken)“ von Justyna Bednarek. Darin machen sich zehn ganz unterschiedliche Socken durch ein Loch unter der Waschmaschine auf in die weite Welt und erleben die aufregendsten Situationen. Schon alleine das Inhaltsverzeichnis macht Lust auf mehr. So steht bei Kapitel 1: „Von der ersten Socke, die zum Casting ging, eine Rolle in einer beliebten Fernsehserie bekam und zum Star wurde.“ Kapitel 2 erzählt „Von der zweiten Socke, die verwaiste Mäusekinder vor einem gefährlichen Vogel rettete, dann Mäusemama und schließlich Mäuseoma wurde.“ Kapitel 3 handelt „Von der dritten Socke, die keine Lust mehr hatte, faul im Wäschekorb zu liegen, in die Politik ging und die Welt veränderte – zum Guten natürlich.“

In Kapitel 6 geht es – logisch – um die sechste Socke, „die sich einrollte, in einem Rosenbusch setzte und einen Schönheitswettbewerb gewann.“ Kapitel 7 dreht sich um die siebte Socke, „die mit dem Schiff nach Hilo fuhr, dann zurückkam und einen Neuanfang machte.“ Socke 9 wurde in Kapitel 9 zum Privatdetektiv und fasste einen Kuchendieb – „einen abscheulichen, haarigen Schurken“, wie es in dem entzückenden Buch heißt.

Nachträglicher Nachtrag

Und für all jene, die von dem Thema nicht genug bekommen können, hier noch ein kurzer geschichtlicher Exkurs zur Historie der Socken:

Strickwaren, die Strümpfen gleichen, wurden erstmals in ägyptischen Gräbern in Antinoe gefunden und stammen aus der Zeit von 500 nach Christus. Lange Zeit waren Strümpfe ein Privileg der Reichen, war doch die Herstellung ein Geheimnis und Stricken eine Beschäftigung für vornehme Damen. Im Mittelalter waren Hose und Strümpfe zusammen ein Kleidungsstück. Später wurden die Strümpfe an den Hosen ausgewechselt, und allmählich entstanden Strümpfe als eigenständige Kleidungsstücke.

Schließlich war es der Engländer William Lee, der den Handkulierstuhl erfand, der das Stricken erleichterte. Die englische Königin Elisabeth I erhielt von Lee 1561 sogar schwarze Strümpfe geschenkt, verweigerte ihm jedoch trotzdem ein Patent für diese Erfindung, so dass Lee 1589 nach Frankreich übersiedelte und dort eine von König Henry V finanzierte Strumpfmanufaktur aufbaute.

Auswandernde Hugenotten verbreiteten den Stuhl schließlich in ganz Europa. Mit der Industrialisierung wurden die Socken immer einfacher herstellbar und somit billiger. Entsprechend fanden sie auch immer mehr Verbreitung. Die meisten Socken wurden damals aus Wolle hergestellt.

Die Erfindung von Referend William Lee wurde weiterentwickelt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Rundstühle eingesetzt, die ein weitgehend maschinelles Produzieren erlaubten. Dies führte dazu, dass viele Heimarbeiter arbeitslos und viele Bürger besockt wurden. Allmählich wurden verschiedene Materialien verarbeitet, und die Massenproduktion schritt voran. Socken wurden zum Allgemeingut und angeblich „das erste industriell hergestellte Kleidungsstück“.

Nachtrag zum nachträglichen Nachtrag

Und für all jene, denen es noch immer nicht reicht, hier noch mehr unnützes Socken-Wissen: Der Österreicher besitzt durchschnittlich 23 Paar Socken und landet in Sachen Sockenbesitz auf Platz 2 hinter Deutschland. Deutsche Frauen und Männer besitzen nämlich je 24 Paar – das ist Europarekord. Jahr für Jahr kauft sich der Deutsche 13 neue Sockenpaare. 8 von 10 wechseln ihre Socken täglich. Besteller in Deutschland sind bunte Wadensocken. Die Österreicher tragen am liebsten hingegen Business Light Socken. (Ich frage mich ja, wer SO etwas erhebt!)

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