Freitag, 30. Juli 2021
Bislang größte Pleite des Jahres

Halbe Milliarde Verbindlichkeiten: ACTIV Solar insolvent

Hintergrund E-Technik | Wolfgang Schalko | 11.02.2016 | | 1  

Wie der Gläubigerschutzverband Creditreform mitteilte, hat die in Wien ansässige Firma ACTIV Solar GmbH gestern einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung gestellt. 34 Gläubiger und 3 Arbeitnehmer sind betroffen, Aktiva von rund 18,6 Mio EUR stehen Passiva von ca. 503,4 Mio EUR gegenüber. Dies ist damit die größte Insolvenz nach Passiva im Jahr 2016 bisher.

ACTIV Solar wurde 2008 gegründet. Die Haupttätigkeit des Unternehmens liegt in der Entwicklung, Finanzierung und Realisierung von großen Solarenergie-Projekten und insb. großflächiger Photovoltaik-Anlagen. Darüber hinaus wird auch ein Werk in der Ukraine zur Silizium-Herstellung betrieben. Zudem war ACTIVE Solar im Rahmen eines Joint Ventures mit der Entwicklung eines besonders leichten und flexiblen Solarmoduls beschäftigt.

Laut Creditreform stellen sich die Insolvenzursachen folgendermaßen dar: Die Antragstellerin entfaltet ihre Haupttätigkeit seit ihrer Gründung in Jahr 2008 vor allem in der Ukraine. In der Ukraine wurde sowohl ein Silizium-Werk gekauft und ein Modernisierungsprojekt gestartet, als auch alle der von der Antragstellerin entwickelten Solarparkprojekte umgesetzt. Mit dem Einsetzen der politischen und wirtschaftlichen Krise in der Ukraine und insb. infolge der Annexion der Krim im Jahr 2013 bzw.2014 kam das Kerngeschäft der Antragstellerin innerhalb von zwei Jahren zum Erliegen. Die Antragstellerin reagierte mit Einsetzen der Krise umgehend mit Restrukturierungsmaßnahmen. Weitere Investitionen in das Modernisierungsprogramm der Siliziumfabrik wurden gestoppt. Die Projektentwicklung wurde eingestellt und unrentables Anlagevermögen verkauft, um die finanzielle Lage der Antragstellerin zu verbessern. Entgegen den bis dahin begründeten gegenteiligen Erwartungen der Antragstellerin, welche durch externe Rechtsberatung gestützt wurden, erging darüber hinaus im Oktober 2015 in Kiew ein Schiedsspruch, welcher die Antragstellerin zu einer Zahlung in einem Betrag von ca. € 57 Mio verpflichtete. In Reaktion auf den Schiedsspruch hat die Antragstellerin sofort ein Rechtsgutachten einer ukrainischen Rechtsanwaltskanzlei zur rechtlichen Bindungswirkung des in der Ukraine ergangenen Schiedsspruchs eingeholt. In diesem Rechtsgutachten wurden auch unterschiedliche Möglichkeiten einer Bekämpfung dieses Schiedsspruchs geprüft. Da nach Vorliegen dieses Rechtsgutachtens Ende November 2015 von einer grundsätzlichen Verbindlichkeit des Schiedsspruchs und auch von der Möglichkeit einer Vollstreckbarerklärung in Österreich auszugehen war, hat die Antragstellerin – neben bereits davor eingeleiteten Restrukturierungsschritten – umgehend Gespräche über einen möglichen Vergleich hinsichtlich der geltend gemachten Forderung eingeleitet. Nachdem diese Gespräche zunächst aussichtsreich erschienen, stellte sich letztendlich Mitte Jänner 2016 heraus, dass kurzfristig keine Einigung umzusetzen ist. Daher muss die Antragstellerin die Zahlungsunfähigkeit eingestehen.

Das Unternehmen soll fortgeführt werden, die „laufenden internationalen Aktivitäten der Gesellschaft sollen wie geplant vorangetrieben werden“, hieß es in einer unternehmenseigenen Aussendung. Den Gläubigern wird eine Quote von 20% binnen zwei Jahren angeboten.

Bereits 2014 kursierten angesichts der Krim-Krise Gerüchte, ACTIV Solar solle liquidiert bzw das Ausmaß der Aktivitäten drastisch reduziert werden – was das Unternehmen ebenso dementierte wie Behauptungen um vermeintliche politische Einflussnahmen und Verflechtungen, die nach der Heirat von ACTICE Solar-Gründer Kaveh Ertefai mit der Tochter seines Geschäftspartners Sergiy Klyuyev (ukrainischer Unternehmer und Politiker) aufgekommen waren.

Kommentare (1)

  1. Wirtschaftsverbrechen?

    Als kleiner Händler habe ich zu solchen Zahlen keinen wirklichen Bezug. Aber beim betrachten der Zahlen und des Zeitraums, fällt mir nur ein, da wurde doch nur Geld gehamstert. Da soll mir keiner kommen und sagen, ja doch das war eine seriöse Firma. Das seriöseste Bezeichnung wäre noch ein Hopp oder Dropp Spiel.

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