Dienstag, 15. Oktober 2019
Editor's ChoiceWKÖ: Bilanz stationärer Einzelhandel im 1. HJ

Stationärer Elektrohandel ist Verlierer mit „Aber“

Hintergrund |Stefanie Bruckbauer | 31.07.2019 | |  
Ende Juli präsentierten WKÖ Bundesspartenobmann Handel, Peter Buchmüller, Bundesspartengeschäftsführerin Iris Thalbauer und Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria die Bilanz des stationären Einzelhandels im 1. HJ 2019. (Foto: WKÖ) Ende Juli präsentierten WKÖ Bundesspartenobmann Handel, Peter Buchmüller, Bundesspartengeschäftsführerin Iris Thalbauer und Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria die Bilanz des stationären Einzelhandels im 1. HJ 2019. (Foto: WKÖ) Peter Buchmüller, Obmann der WKÖ Bundessparte Handel, zog heute, am 31. Juli 2019, gemeinsam mit Bundesspartengeschäftsführerin Iris Thalbauer und dem KMU-Zahlen-Experten Ernst Gittenberger, Zwischenbilanz über die Konjunkturentwicklung im stationären Einzelhandel in Österreich. „Der stationäre Einzelhandel hat im ersten Halbjahr 2019 eine Berg- und Talfahrt erlebt“, so die Ergebnisse auf einen Nenner gebracht.

„Der stationäre Einzelhandel hat im ersten Halbjahr 2019 eine Berg- und Talfahrt erlebt“, so Peter Buchmüllers (Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich) Zwischenbilanz über die Konjunkturentwicklung im stationären Einzelhandel in Österreich.

Plus 1%

Wie die Ergebnisse zeigen, sind die Einzelhandelsumsätze in Summe gegenüber der ersten Jahreshälfte 2018 nominell um +1% oder rund 350 Millionen Euro auf 35,3 Milliarden Euro gewachsen. Buchmüller plädiert dabei für eine differenzierte Betrachtung, denn: „Die Entwicklung bietet sowohl von Branche zu Branche als auch nach Monaten betrachtet ein oft sehr unterschiedliches Bild. So reicht etwa die Bandbreite der Umsatzentwicklung von einem Plus von 5,2% im April bis hin zu Minus 2,8% im März 2019.“ Das Minus im März macht die Bundessparte Handel übrigens an der kalendarischen Verschiebung des Ostergeschäfts vom März 2018 in den April 2019 fest.

Umsatzentwicklungen im stationären Einzelhandel

„Insgesamt konnten im ersten Halbjahr 2019 41% der Einzelhandelsgeschäfte Umsatzzuwächse realisieren. Genauso viele, also auch 41%, meldeten eine rückläufige Umsatzentwicklung. 18% berichteten von einer stabilen Entwicklung“, so Studienautor Ernst Gittenberger. Wie Buchmüller ergänzend ausführt, werden bis Ende Juni traditionell rund 48% des Jahresumsatzes erzielt. „Von Juli bis Dezember ist es mehr als die Hälfte. Das heißt, die zweite Jahreshälfte ist für gewöhnlich die umsatzstärkere.“

Sieger …

Branchensieger im ersten Halbjahr 2019 ist der Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen, der mit +2,2% im Durchschnitt die höchsten Umsatzzuwächse erzielen konnte. Es folgen der Möbel- und der Sportartikeleinzelhandel (jeweils mit +1,9%). Der Einzelhandel mit Bau- und Heimwerkerbedarf (übrigens der Branchensieger im Gesamtjahr 2018) erzielte +1,7%. Und auch im Lebensmittelhandel, der umsatzstärksten Einzelhandelsbranche, sind die Umsätze mit 1,6% stärker gestiegen als im Einzelhandelsdurchschnitt.

… und Verlierer

Wie so oft in den letzten Jahren zählt der Einzelhandel mit Elektrogeräten, Computern und Fotoartikeln zu den Verlierern. Dieses Segment heimste mit Minus 0,7% das größte Umsatzminus (im Vergleich zu den 12 anderen Branchengruppen) im 1. HJ ein. Dahinter liegt nur noch der „Sonstige Einzelhandel“ mit minus 0,9%. (Anmerkung: Der „Sonstige Einzelhandel“ ist der Einzelhandel mit Waren aller Art. Dazu zählen Trafiken, der Blumeneinzelhandel, Einzelhandel mit Textilien und der Einzelhandel mit medizinischen Artikeln.)

Elektrohandel: Großes Aber

Auch wenn der stationäre Elektrofachhandel wieder Mal ein Minus einfuhr, gibt es einen Hoffnungsschimmer, wie Ernst Gittenberger ausführt, denn: „Der Einzelhandel mit Elektrogeräten, Computern und Fotoartikeln erzielte im zweiten Quartal 2019 erstmals wieder ein Plus seit dem zweiten Quartal 2016. Allerdings konnte dieses Plus in Q2/ 19 das große Minus aus Q1/19 nicht ausgleichen, sodass unterm Strich das Minus von 0,7% steht.“

Weiterer Beschäftigungszuwachs

Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der WKÖ-Bundessparte Handel, zeigt sich erfreut über die Tatsache, „dass das Beschäftigungswachstum im stationären Einzelhandel weiter angehalten hat. In den ersten sechs Monaten 2019 ist die Zahl der unselbständig Beschäftigten um +0,4% oder 1.300 Personen auf insgesamt 334.800 gestiegen.“ Die Zahl der geringfügig Beschäftigten sei hingegen um 0,8% von 41.800 auf 41.500 Personen gesunken.

Von einer „überaus erfreulichen Entwicklung“ spricht Thalbauer auch beim Lehrberuf E-Commerce-Kaufmann sowie beim Ausbildungsschwerpunkt „Digitaler Verkauf“. Es herrsche eine rege Nachfrage nach dem neuen dreijährigen Lehrberuf „E-Commerce-Kauffrau/-mann“, den die Sozialpartner im Handel „in Rekordzeit“, wie Thalbauer sagt, auf den Weg gebracht haben. „Bereits 101 Lehrlinge haben sich für diesen Ausbildungsweg entscheiden“, weiß die Geschäftsführerin, laut der die dabei vermittelten Qualifikationen etwa den Umgang mit Shopmanagement-Systemen, die Präsentation von Waren im Online-Shop, die Verwendung unterschiedlicher Werbeformen im Display-Marketing oder die Erstellung bzw. den Versand von Newslettern unter Beachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen umfassen. Mögliche Einsatzfelder für Absolventen des Lehrberufs seien übrigens Webshopadministrator/-in, E-Commerce-Manager/-in, Webshop Content Manager oder Webshop Sales Consultant.

Darüber hinaus gibt es ja den neuen Ausbildungsschwerpunkt „Digitaler Verkauf“ als zusätzliches Angebot für Lehrlinge (und Ausbilderbetriebe). „Mit dem innovativen Konzept im Sinne des Life Long Learning hat es sich die WKÖ-Bundessparte Handel zum Ziel gemacht, dem digitalen Wandel in der Aus- und Weiterbildung Rechnung zu tragen. die Einzelhandelslehrlinge für die digitalen Anforderungen gerüstet. Auch im Rahmen der Weiterbildungsschiene mit Zugang durch die duale Lehrausbildung (Akademischer Handelsmanager und MSc Handelsmanagement) sollen digitale Inhalte künftig noch stärker einbezogen werden“, erläutern Buchmüller und Thalbauer abschließend.

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